Die „User Chooser Studie 2026“ der Marktforscher von Dataforce gibt Einblick in den Beschaffungsprozess und die Nutzung von Flottenfahrzeugen aus Sicht der User Chooser – also von Dienstwagenfahrern, die ihre Modelle selbst auswählen können. Neben den Beweggründen für die Fahrzeugauswahl und ihre aktuelle Nutzung des Fahrzeugs wird dargestellt, welchen Dienstwagen sie in Zukunft beschaffen wollen.
Mehr als die Hälfte der Dienstwagen wird demnach von den Fahrern selbst ausgewählt: 51 Prozent der Neuzulassungen – das entspricht für das Gesamtjahr 2025 rund 447.500 Fahrzeugen – entfallen auf „User Chooser“. Besonders verbreitet ist es in der IT- und Kommunikationsbranche, in der 78 Prozent der Dienstwagen eigenständig gewählt werden. Am anderen Ende der Skala liegt das Gesundheits- und Sozialwesen mit 15 Prozent.
„Vor diesem Hintergrund ist es entscheidend zu verstehen, nach welchen Kriterien Dienstwagenfahrende ihre Auswahl treffen – und in welchem Rahmen diese Entscheidungen durch unternehmensinterne Car Policies eingeschränkt und vorgegeben werden“, erklären die Analysten. „Bei der Wahl spielen vor allem ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, die Marke sowie Fahrkomfort und Ausstattung eine zentrale Rolle. Fahrerinnen und Fahrer von batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV) setzen zusätzlich einen klaren Schwerpunkt auf die Reichweite, die zu den wichtigsten Entscheidungsfaktoren zählt.“
Freie Antriebswahl: Kosten und Nutzen im Fokus
Bei der Auswahl der Fahrzeuge verfügen User Chooser meist über große Freiheiten innerhalb ihrer finanziellen Grenzen. Am häufigsten eingeschränkt ist die Markenwahl. Am meisten profitieren davon laut der Auswertung deutsche Anbieter: Bei User Choosern mit eingeschränkter Markenwahl ist der Volkswagen-Konzern bei fast 90 Prozent gestattet, während die deutschen Premiummarken Mercedes oder BMW bei etwa zwei Dritteln gewählt werden dürfen. Importeure aus Europa, Asien (vor allem Korea und Japan) und Übersee sind jeweils bei 30 bis 40 Prozent der User Chooser möglich, chinesische Marken bei 15 Prozent.
Bei der Wahl der Antriebsart genießen die User Chooser relativ große Freiheit, etwa 85 Prozent dürfen frei wählen. Für viele User Chooser spielt ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis eine zentrale Rolle, wird jedoch je nach Antrieb unterschiedlich interpretiert. Diesel-Fahrer entscheiden sich der Studie zufolge häufig aufgrund der geringen laufenden Kosten und der im Alltag als praktisch empfundenen Betankung. Bei batterieelektrischen Fahrzeugen sind steuerliche Vorteile und staatliche Förderungen besonders wichtig, während diese bei Plug-in-Hybriden den zentralen Ausschlag für die Wahl der Antriebsart geben.
Zwischen Markentreue und Aufbruch zur E-Mobilität
Die Mehrheit der User Chooser bleibt ihrer Marke treu: Knapp zwei Drittel entscheiden sich erneut für denselben Hersteller. Gleichzeitig zeigt sich jedoch Bewegung innerhalb der Marken – mehr als die Hälfte wechselt beim nächsten Dienstwagen das Modell. Wer die Marke wechselt, tut dies meist aus zwei Gründen: dem Wunsch nach besserer Technik und Ausstattung oder dem Wechsel in ein höherwertiges Segment. Am häufigsten ausschlaggebend ist aber ein attraktiveres Preis-Leistungs-Verhältnis. Innerhalb derselben Marke steht beim Modellwechsel vor allem der Wunsch nach einem größeren oder hochwertigeren Fahrzeug im Vordergrund.
Auch bei der Antriebsart zeigt sich eine hohe Kontinuität: Rund zwei Drittel planen, ihrer bisherigen Kraftstoffart treu zu bleiben. Besonders ausgeprägt ist diese Loyalität bei Fahrern von batterieelektrischen Fahrzeugen: Nahezu 90 Prozent möchten auch beim nächsten Dienstwagen wieder vollelektrisch fahren.
Während aktuell 21 Prozent der User Chooser ein Elektroauto fahren, planen insgesamt 32 Prozent für ihren nächsten Dienstwagen einen vollelektrischen Antrieb. Dieser Zuwachs geht vor allem zulasten klassischer Verbrenner: Fahren derzeit noch rund 60 Prozent Benzin- oder Dieselfahrzeuge, wollen künftig nur noch etwa 40 Prozent bei diesen Antriebsarten bleiben. Allerdings erwägen die Dienstwagenfahrer viel seltener als in den Vorjahren auch einen Markenwechsel aufgrund des Wunsches, elektrisch zu fahren.

David meint
Hier haben wir ein vernünftiges Bild der Situation aufgezeichnet. Es ist ja oft gesagt worden, dass die Politik der Premium Hersteller darin besteht, ihre User Chooser in das Elektrozeitalter zu überführen. Das wird hier bestätigt.
Gut aufgezeigt ist, dass der User Chooser in der Tat markentreu ist. Das gekoppelt mit einem großzügigem Budget und regelmäßigen Ersatzkäufen wird zu einem fantastischen Geschäftsmodell für die Hersteller, die „im Game“ sind.
Eine gewisse Markenauswahl ist erwähnt, also, dass man nicht in jeder Firma frei wählen kann. Was allerdings nicht ganz so herauskommt ist, ist, dass sehr viele Dienstwagenberechtigte nicht mehr wahlfrei sind, ob sie Elektroautos nehmen oder nicht. Im Rahmen der ESG/Compliance haben sich viele Firmen verordnet, nur noch BEV anzuschaffen.
Ich habe aber den Eindruck, dass die Phase, wo man dagegen opponiert und versucht zu erklären, warum man in seinen Umständen kein Elektroauto fahren kann, vorbei ist. Heute geht es in der Autorunde des Middle-Managements in der Meeting Pause um iX3 gegen GLC gegen Q6. Genauso fröhlich und kontrovers wie vor zehn Jahren über Verbrenner exakt dieser Hersteller diskutiert wurde.
MK meint
@David:
Zitat von Ihnen: „Was allerdings nicht ganz so herauskommt ist, ist, dass sehr viele Dienstwagenberechtigte nicht mehr wahlfrei sind, ob sie Elektroautos nehmen oder nicht.“
-> Das stimmt so nicht. Im Artikel heißt es dazu: „Bei der Wahl der Antriebsart genießen die User Chooser relativ große Freiheit, etwa 85 Prozent dürfen frei wählen.“
Also: Ja, es gibt diejenigen, die nicht nur aus den Gründen des Steuervorteils ein BEV wählen, sondern auch auf Grund von Vorgaben. Aber das ist dann doch eine Minderheit.
David meint
Ja, habe ich ja gelesen. Dann hat DataForce den Gesamtmarkt anscheinend nicht vollständig im Blick. Tatsächlich ist ein deutlicher größerer Anteil nicht mehr wahlfrei, was die Antriebsart angeht.