Die stark gestiegenen Kraftstoffpreise führen bei der Autoplattform Carwow und zahlreichen Pkw-Händlern zu einem deutlich wachsenden Interesse an Elektroautos. Auslöser sind unter anderem die aktuellen Preisentwicklungen an den Tankstellen, die viele Autofahrer dazu veranlassen, sich intensiver mit Alternativen zum Verbrennungsmotor zu beschäftigen. Dennoch bestehen weiterhin Hürden, die einer vollständigen Verlagerung entgegenstehen.
Auf der Plattform Carwow zeigt sich dieser Trend besonders deutlich. Kunden können dort Fahrzeuge konfigurieren und Angebote von Händlern einholen. Bereits zu Beginn des Jahres habe sich die Nachfrage nach der Ankündigung einer neuen staatlichen Kaufprämie spürbar in Richtung Elektroautos verschoben. Zeitweise seien rund 60 Prozent der Anfragen auf Stromer entfallen, berichtet das Manager Magazin.
Mit den Folgen des Irankriegs hat sich dieser Trend weiter verstärkt. Parallel zu steigenden Spritpreisen ist das Interesse an Elektroautos nochmals deutlich gestiegen. So hätten zuletzt mehr als 70 Prozent der Konfigurationen bei Carwow Elektroautos betroffen, was Deutschlandchef Philipp Sayler von Amende mit den Worten „das ist extrem“ beschreibt.
Allerdings bildet eine Plattform wie Carwow den Gesamtmarkt nur eingeschränkt ab. Der Anteil an Elektroauto-Anfragen lag dort bereits vor den aktuellen Entwicklungen deutlich über dem tatsächlichen Marktanteil in Deutschland. Zudem bleibt unklar, wie viele der Anfragen tatsächlich zu Käufen führen.
„So einen starken Shift in so kurzer Zeit haben wir noch nicht gesehen“
Vergleichbare Ausschläge habe es bereits in früheren Krisensituationen gegeben, etwa nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Das aktuelle Ausmaß unterscheide sich jedoch deutlich. „So einen starken Shift in so kurzer Zeit haben wir noch nicht gesehen“, sagt Sayler von Amende. Die Plattform verzeichnet seinen Angaben zufolge täglich rund 200.000 Seitenaufrufe und etwa 13.000 Fahrzeugkonfigurationen.
Auch Gebrauchtwagenplattformen wie Mobile.de und AutoScout24 berichten von wachsendem Interesse an Elektroautos. Diese Entwicklung spiegelt sich ebenfalls im stationären Handel wider. Mehrere Automobilhändler berichten von deutlich gestiegenen Anfragen. So seien in einem Autohaus zeitweise bis zu 80 Prozent der Kundenanfragen auf Stromer entfallen.
Der Zentralverband des deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) beobachtet ebenfalls dynamische Entwicklungen. Im März war fast jedes vierte neu zugelassene Fahrzeug in Deutschland ein Elektroauto. Die Zahl der Neuzulassungen stieg im Vergleich zum Vorjahr um 66 Prozent. Erstmals wurden in einem Monat mehr batterieelektrische Fahrzeuge zugelassen als Benziner, während Hybride die größte Gruppe unter den Neuwagen stellten.
Ob sich dieser Trend fortsetzt, hängt von mehreren Faktoren ab. Steigende Kraftstoffpreise spielen bei Kaufentscheidungen zwar eine Rolle, werden von einigen Konsumenten jedoch als vorübergehend eingeschätzt. Zudem benötigen viele Käufer Zeit für ihre Entscheidung, weshalb offen bleibt, ob die aktuelle Entwicklung zu einer nachhaltigen Trendwende führt.
Details neuer Kaufprämie noch offen
Ein weiterer Einflussfaktor ist die staatliche Förderung. Zwar wurde eine neue Kaufprämie angekündigt, doch sind die konkreten Antragsmöglichkeiten weiterhin unklar. Dies könne insbesondere Kunden mit geringeren Budgets von einem Kauf abhalten.
Auch die weitere Entwicklung des Nahostkonflikts dürfte entscheidend sein. Sollte sich die Lage beruhigen, könnte der aktuelle Nachfrageanstieg wieder abflachen. Gleichzeitig wird erwartet, dass die jüngsten Entwicklungen das Bewusstsein vieler Verbraucher prägen.
Einige Experten sehen dennoch eine längerfristige Dynamik. Für Helena Wisbert, Professorin für Automobilwirtschaft an der Hochschule Ostfalia, ist die aktuelle Situation „kein reines Strohfeuer“. Vielmehr erlebten Elektroautos in Deutschland einen „zweiten Frühling“. Neben den aktuellen Ereignissen hätten bereits zuvor staatliche Förderung, ein wachsendes Angebot und Rabatte der Hersteller die Nachfrage gesteigert. Die Auftragsbücher seien gut gefüllt, was auf steigende Neuzulassungen in den kommenden Monaten hindeutet.

Future meint
Was habe ich aus diesem Beitrag gelernt?
»Warum sollte man noch einen Golf kaufen?« (MK, 13.04., 12:48)
Da wird man in Wolfsburg bald nachdenklich werden.
Die Wahrheit meint
Diesel oder Benzin kann ich zu Hause nicht selbst herstellen.
Strom allerdings kann ich selber produzieren.
Die Sonne schreibt keine Rechnung.
Das EAuto war eine logische Folge zur Solaranlage. Langsam schnallen das immer mehr.
Die mit eigener Immobilie überlegen schneller und der Rest fängt auch an zu rechnen. Die 17 Cent Reduzierung für 2 Monate auf Sprit ist wohl ein Witz. Der doppelte Übergewinn bei der Öl- und Umsatzsteuer bleibt beim Staat und der Merz ist stur wie ein Esel.
eBikerin meint
Ohje: „ Der doppelte Übergewinn bei der Öl“ Erstens – es gibt keine Öl-Steuer. Nennst sich Energiesteuer. Und die ist Fix. Also ganz egal wie viel das Benzin kostet – die Steuer ist immer die selbe. Ach und die MwST – die kommt natürlich oben drauf – aber auch die reduziert sich, wenn die Energiesteuer sich reduziert.
MK meint
@eBikerin:
Hat „Die Wahrheit“ hier denn jemals dem selbst gewählten Namen Ehre gemacht? ;)
MK meint
Ich glaube auch, dass die Mineralölkonzerne zwar kurzfristig exorbitante Zusatzgewinne verzeichnen können, sich aber letztlich selber geschadet haben durch die exorbitanten Aufschläge: Viele, die bisher von einem Strompreis von z.B. 49 ct an der Ladesäule abgeschreckt worden sind („ohh, das ist ja viel teurer als zu Hause“) werden jetzt zum ersten Mal nachgerechnet haben, was das an Kosten pro Kilometer eigentlich bedeutet…und feststellen, dass selbst bei einem vermeintlich sehr hohen Strompreis und wieder stark fallenden Spritpreisen das Elektroauto billiger bleibt. Und diese Erkenntnis bleibt auch nach der akuten „Krise“. Außerdem merken eben diese Personengruppen noch etwas: Nach der Krise ist vor der Krise. 2022 die Preisexplosion nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs haben viele als „einmaligen Ausrutscher“ abgetan. Dass es jetzt schon wieder und sogar noch extremer passiert, lässt dann doch den ein oder anderen Umdenken. Auch der ein oder andere Plugin-Hybrid-Fahrer wird erstmals die zweite Klappe an seinem Auto für das Stromkabel entdecken und sich erstmals damit auseinandersetzen, wie man wo zu welchen Preisen laden kann und feststellen: Bequemer als gedacht, billiger als gedacht. So wird dann aus jemandem, der als Dienstwagen vielleicht aus steuerlichen Gründen einen Plugin gewählt hat (und den niemals laden wollte) beim nächsten Fahrzeugwechsel vielleicht doch ein BEV-Fahrer.
Das angesprochene wachsende Modellportfolio tut natürlich auch seinen Teil: Lange hat man es kaum gemerkt, weil Designer stark an Verbrennerproportionen festgehalten haben. Wenn jetzt aber ein Raval kommt, der schon als „sportliche“ Variante des ID.Polo unter 27.000 € zu haben sein soll (also billiger ist als ein Golf), (weil er ja eben eigentlich das Pendant zum Polo und nicht zum Golf darstellt) gut 20 cm kürzer ist als der Golf und trotzdem gute Platzverhältnisse auch auf der Rückbank bei gleichzeitig größerem Kofferraum als der Golf bietet (kleinerer Motorraum und damit kürzere Motorhaube machen es möglich…), fragt man sich schon: Warum sollte man noch einen Golf kaufen?
Was hier gar nicht angesprochen wird, was man aber auch nicht unterschätzen darf: Sind Menschen mit einer alten Technologie (Verbrenner) grundsätzlich zufrieden, stehen sie neuem erstmal skeptisch gegenüber. Gibt es dann auch noch Lobbyisten (z.B. Mineralölkonzerne), die viel investieren, diese Zweifel zu verstärken, hat eine neue Technologie kaum eine Chance. Das einzige was dann helfen kann: Persönliche Erfahrungen: Wenn der beste Freund, Arbeitskollegen oder Verwandte plötzlich eAuto fahren und super glücklich damit sind, kann das diese Zweifel überwinden. Und an diesem Punkt ist man mittlerweile: bei über 2 Millionen Elektrofahrzeugen auf deutschen Straßen kennt eigentlich jeder jemanden, der eines hat und dessen Auto merkwürdigerweise weder abgebrannt ist noch wegen Strommangels ständig liegen bleibt, sondern der im Gegenteil super glücklich damit ist. Wie oft habe ich schon gehört, dass z.B. Busfahrer überzeugte Diesel-Fahrer waren, bis sie von ihrem Arbeitgeber „gezwungen“ worden sind, elektrisch zu fahren und es sich dann plötzlich auch privat für den PKW vorstellen können.
Wambo meint
Wenn die Preis für sprit in einem halben Jahr wieder bei 1,70 sind
Ist das ruckzuck wieder vergessen, und der nächste wird wieder ein Verbrenner (bei den meisten)
Ich glaube da noch nicht an ein längerfristige Umdenken
MK meint
@Wambo:
Deswegen auch mein Rückgriff auf 2022: Ja, damals waren die Spritpreise schon mal deutlich über 2 € und ein Jahr später war es wieder vergessen. Jetzt ist es aber die zweite Spritpreisexplosion binnen weniger Jahre und es merken doch immer mehr Leute: Sowas ist kein einmaliges Pech, sondern wird immer mehr zur Regel.
Dazu hat sich seitdem eben die Modellauswahl bei eAutos erweitert und die allgemeine Verbreitung: es gibt mehr Gebrauchtwagen, es gibt mehr Leute im Bekanntenkreis, die schon elektrisch fahren und jetzt Lamentos über die hohen Spritpreise mit einem einfachen „Ich tanke nicht und zahle das gleiche für meine Energie wie vor dem Iran-Krieg“ wegbügeln.
Future meint
@ Wambo, das neue Zeitalter der Kriege und geopolitischen Krisen ist noch jung. Wir können davon ausgehen, dass es länger anhält und entsprechende wirtschaftliche Folgen haben wird, die auch regelmäßig die Versorgung mit fossilen Energien betreffen könnte. Das ahnen gerade viele Menschen.