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Renault-Chef Provost setzt auf Europa, bemängelt aber „Tsunami an Regulierung“

14.04.2026 in Autoindustrie von Thomas Langenbucher | 1 Kommentar

Renault-Twingo-E-Tech-Elektrisch

Bild: Renault

François Provost hat nach dem Abgang von Luca de Meo im Sommer die Führung bei Renault übernommen und setzt strategisch klar auf Europa. Deutschland bezeichnet er im Gespräch mit dem Manager Magazin als Referenzmarkt, in dem der Wettbewerb besonders intensiv sei. Während andere Hersteller verstärkt auf Märkte wie die USA blickten, bleibe Renault auf Europa fokussiert.

Deutschland spielt für Provost eine zentrale Rolle in der Konzernstrategie. Er verweist darauf, dass sich die Renault-Tochter Dacia in den vergangenen Jahren stark entwickelt habe und viele Kunden gewinnen konnte. Nun gehe es darum, auch mit anderen Marken wieder stärker zu wachsen. Das Fundament dafür sei bereits gelegt worden.

Konkrete Zielzahlen nennt er Manager nicht. Stattdessen betont er, Renault wolle „stetig und nachhaltig zulegen“. Grundlage dafür ist der neue mittelfristige Plan „futuREady“, der bis 2030 weltweit 36 neue Modelle vorsieht, davon 22 in Europa. Ziel sei es, eine europäische Referenz mit globaler Reichweite zu werden.

Ein wichtiger Bestandteil der Strategie ist die stärkere Fokussierung auf den Handel. Gleichzeitig will sich Renault von taktischen Zulassungen wie Tageszulassungen oder Mietwagenflotten fernhalten. Dies könne sich kurzfristig negativ auf die Verkaufszahlen auswirken, sei aber aus Sicht der Profitabilität der richtige Ansatz.

Provost widerspricht der Annahme, Renault habe Überkapazitäten. Die Produktion sei stabil, die eigentliche Herausforderung liege in der Innovations- und Entwicklungsgeschwindigkeit. Ziel sei es, mit chinesischen Wettbewerbern Schritt zu halten oder sie zu übertreffen – insbesondere bei Elektromobilität, vernetzten Fahrzeugen und künstlicher Intelligenz.

Neuer Twingo in 21 Monaten entwickelt

Als Beispiel nennt Provost die Entwicklung des neuen, rein elektrischen Twingo in 21 Monaten. Teile der Entwicklung fanden in China statt, mit weniger Zulieferern und schnelleren Entscheidungsprozessen. Künftig solle diese Geschwindigkeit auch in Europa mit europäischen Zulieferern erreicht werden.

Die Zusammenarbeit mit Zulieferern, darunter auch deutsche Unternehmen, bleibt bestehen. Trotz Herausforderungen bei einigen Partnern betont Provost, dass mehrere deutsche Zulieferer weiterhin zu den wichtigsten gehören. Als Beispiel hebt er Bosch hervor, das für seine Qualität ausgezeichnet wurde.

Die Wiedereingliederung der Elektro- und Softwaresparte Ampere begründet Provost mit dem Ziel, deren Arbeitsweise auf den gesamten Konzern zu übertragen. Renault solle künftig alle Fahrzeuge innerhalb von zwei Jahren entwickeln können. Dies sei Teil eines beschleunigten Umbaus.

Trotz einer operativen Rendite von 6,3 Prozent plant Renault vorsichtiger. Gründe sind ein höherer Anteil an Elektrofahrzeugen in Europa, zusätzliche Verkäufe an Kooperationspartner sowie die Expansion in Märkte außerhalb Europas wie Indien, Südkorea und Südamerika. Diese Schritte könnten kurzfristig die Marge belasten.

Provost hält dennoch an klaren finanziellen Zielen fest: mittelfristig stabile Renditen zwischen fünf und sieben Prozent sowie ein freier Cashflow von mindestens 1,5 Milliarden Euro. Die aktuelle Absatzmenge von 2,3 Millionen Fahrzeugen bewertet er im Kontext der starken Position in Europa als ausreichend.

„Tsunami an Regulierung“

Kritisch äußert sich Provost zur Regulierung in Europa. Er spricht von einem „Tsunami an Regulierung“, der die Preise für Autos erhöhe und dazu führe, dass sich Verbraucher weniger neue Fahrzeuge leisten könnten. Das Durchschnittsalter der Pkw sei gestiegen, wodurch die angestrebte Dekarbonisierung ins Stocken gerate.

Der Renault-Chef fordert eine realistischere politische Strategie, die neben Elektroautos auch Technologien wie Plug-in-Hybride und Range-Extender-Elektrofahrzeuge berücksichtigt. Zudem plädiert er dafür, die Regulierung für zehn Jahre einzufrieren, da derzeit ein erheblicher Teil der Ingenieursarbeit in die Umsetzung von Vorgaben fließe.

Abschließend betont Provost die Bedeutung von lokaler Wertschöpfung. Chinesische Hersteller sollten in Europa investieren und mit lokalen Zulieferern zusammenarbeiten. Sollte dies nicht geschehen, warnt er vor einem Niedergang der europäischen Autoindustrie. Gleichzeitig setzt Renault auf Wachstum außerhalb Europas, insbesondere in Indien, sowie auf eine projektbasierte Zusammenarbeit mit Nissan.

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Tags: EU, EuropaUnternehmen: Renault
Antrieb: Elektroauto, Hybridfahrzeuge

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Über den Autor

Thomas Langenbucher ist Experte für Elektromobilität mit beruflichen Stationen in der Automobilindustrie und Finanzbranche. Seit 2011 berichtet er auf ecomento.de über Elektroautos, nachhaltige Technologien und Mobilitätslösungen. Mehr erfahren.

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. FrankyAC meint

    15.04.2026 um 08:02

    Also geht es ihm gar nicht um die tatsächlich unfassbar ausgeuferte Bürokratie, sondern er will nur weiter Fossile fressende Aggregate verbauen.
    Bei den mittlerweile spottbilligen Batteriepreisen frage ich mich, ob so ein Moped-Motor mit allem Drum und Dran wirklich billiger als eine größere Batterie sein soll.

    Antworten

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