Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies spricht sich im Gespräch mit der Osnabrücker Zeitung dafür aus, den Bau chinesischer Autos in deutschen VW-Werken zu prüfen. Die Hersteller der Volksrepublik lassen sich aus seiner Sicht nicht daran hindern, stärker auf den europäischen Markt zu drängen. Für den SPD-Politiker steht zugleich im Mittelpunkt, Beschäftigung in deutschen VW-Werken zu sichern und Produktionsstätten auszulasten. „Wir müssen für die Beschäftigten eine Antwort finden, wie das gelingen kann.“
Der Regierungschef, der auch im VW-Aufsichtsrat sitzt, verweist auf neue Modelle für den chinesischen Markt, die der deutsche Autohersteller in China teils mit chinesischen Partnern, teils allein entwickelt habe. Daraus ergebe sich die Frage, welche Perspektiven sich daraus ergeben und ob eine Zusammenarbeit auch in Europa möglich sei.
Lies plädiert dafür, diese Fragen offen zu diskutieren und zu prüfen, ob sich daraus Chancen für die VW-Standorte und die Zulieferindustrie ergeben könnten. Die Beschäftigten bei VW hätten einen erheblichen Beitrag dazu geleistet, die deutschen Werke zu erhalten. Nun gehe es darum, diese Werke auszulasten.
Niedersachsen ist mit 20 Prozent der Stimmrechte nach der Holding der Familien Porsche und Piëch der zweitgrößte Anteilseigner von Volkswagen. Bei wichtigen Entscheidungen verfügt das Land über ein Vetorecht.
In der vergangenen Woche war Lies mehrere Tage in China unterwegs. Dort wollte er sich vor allem über das Chinageschäft von Volkswagen und innovative Verkehrskonzepte informieren. Volkswagen unterhält in China mehr als 30 Produktionsstätten.
Von der Reise nehme er die Frage mit, wie man weiter mit China umgehen wolle, sagte Lies. Er stellte die Alternative zwischen Schutz vor einem Konkurrenten und Wegen zur Teilhabe an eigenen Erfolgen zur Debatte. „Ich glaube: Wir sind klug beraten, wenn wir selbst Teil der Entwicklung sind und mit China zusammenarbeiten.“ Dafür brauche es auch eine überarbeitete nationale Chinastrategie.

David meint
Die Strategie mag nachvollziehbar sein, nur weiß der Ministerpräsident offenbar nicht gut genug, dass Deutschland für Produktion kein sinnvoller Standort ist. Und das sollte er eigentlich im Aufsichtsrat wissen. Die Gesamtkosten pro Arbeitsstunde sind immens. Da zahlt alles ein von Stundenlohn bis Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Dazu kommen hohe Energiekosten.
VW sollte aber helfen. Zumindest den mit Ihnen verbundenen Firmen aus China, indem man in Deutschland ein Entwicklungszentrum zur Anpassung chinesischer Entwürfe an lokale Verhältnisse mit ihnen betreibt. Da geht es nicht unbedingt im Schwerpunkt um Technik, sondern auch um Design und besonders um Marketing. Es gibt genug Traditionsmarken, deren Mantel man nutzen könnte, um daraus ein Pseudo-europäisches Produkt zu schneidern.
Natürlich kann man Ihnen auch helfen, zum Beispiel in Ungarn oder Spanien, Produktionsstädten aufzubauen und gleiche Lieferanten zu nutzen. Denn alleine auf den Schultern des VW Konzerns wird Europa es nicht schaffen, die Versorgung mit BEV in den nächsten zehn Jahren voranzutreiben. Sie haben schon einen viel zu hohen Marktanteil bei den BEV, denn alle anderen schwächeln im Volumensegment. Stellantis, Renault, Ford, Tesla, Japaner – alle sind abgemeldet.
South meint
Klar, stehen auch andere Volumenhersteller zunehmend unter Druck. Bei Handy’s z.B. neben Siemens gibt es auch Nokia heute nicht mehr. Und wofür bräuchten denn bitte die chinesischen Hersteller wie BYD einen Mantel eines europäischen Herstellers? Sowas muss man machen, wenn man technisch beim Kunden ein schlechtes Standing hat, aber die Chinesen sind in Teilen schon voraus. Das haben die also gar nicht mehr nötig. Und einen feuchten Kehricht brauchen die Chinesen Marketing oder Designabteilungen von nem alten Konzern. Denen reichen ein paar Mitarbeiter… der Rest wäre nur Ballast, den sich sicher keiner freiwillig aufhalst und die Kunden sind ja nicht doof, die würden eher kurz als lang den teuren Mantelüberbau weglassen und das würden die Chinesen sogar gezielt befeuern. Warum sollte ein Konzern sein eigenes Produkt teurer machen, wenn es das gar nicht braucht?
Und VW schulterst gar nix, der Konzern profitiert vom Protektismus der Zölle…
Es geht nicht darum VW schlecht zu machen, aber so eine Darstellung ist schlicht unsinnig. Der Markt, der Wettbewerb ist ein Rennen und der wird mit Technologieführerschaft gewonnen. Wer das zurückfällt, den schützt gar nix…. weder Größe, noch Tradition, noch Image… darum geht es, mit deiner Einstellung kannst du gleich Frührente beantragen…
David meint
Das Problem ist bisher die Arroganz der chinesischen Hersteller. Sie gehen nicht mit Kampfpreisen in den Markt. So wie es früher die Italiener, dann die Franzosen, dann die Japaner und dann die Koreaner gemacht haben. Sie halten sich für geil. Gleichzeitig haben sie aber auch keinen sicheren Heimatmarkt. In China tobt der Krieg der Hersteller. Insofern hat man auch nicht die finanziellen Reserven, in Europa aggressiv in den Markt zu gehen.
Also brauchen sie dringend Beratung, wie man seine chinesische Herkunft tarnt und wie man so eine Marke aufbaut. VW hat perfekt Pseudo-Ausländer aufgebaut. Eine Erfolgsstory, die es in der Form nicht ein zweites Mal in dieser Industrie gibt. Aber geben könnte.
Selbst Beratung im Sinne einer technischen Beratung, benötigen Sie dringendst. Motoren und Inverter müssen effizienter werden für Europa. Aber ich nenne nur mal einen Nebenaspekt, der trotzdem für viele die Kaufentscheidung prägt: das bimmeln und klingeln während der Fahrt. Man will bei der Zulassung nichts falsch machen, findet aber offenbar auch nicht, den Spagat zwischen legal und akustisch angenehm.
MK meint
@David:
Warum sollte ein BYD z.B. seine chinesische Herkunft verbergen? Im Elektroauto-Bereich ist das für jeden, der nicht vollkommen naiv ist, ein absolutes Qualitätsmerkmal. Und da man mittlerweile auch im Eiltempo sein händlernetz über die Zusammenarbeit mit hunderten alteingesessenen Autohäusern ausbaut, ist das Vertrauens-Thema keines mehr. Wer seit 30 Jahren bei „Autohaus Müller/Meier/Schmidt“ kauft und den Chefverkäufer genauso lange kennt, kauft bei dem auch einen BYD, wenn der einem sagt, dass das grade ein gutes Angebot ist. Und über diese Autohauspartnerschaften hat man auch einen direkteren Zugang zu den Kundenrückmeldung als ihn die VW-Konzernzentrale in Wolfsburg bieten kann.
Also: Ich glaube, Hersteller wie BYD oder Geely (zu denen u.a. Volvo, Polestar und Smart gehören) brauchen ganz sicher keine Hilfe von VW, um sich auf dem deutschen Markt zu etablieren.
Und was die Kampfpreise angeht, hat die EU die ja verboten: Die Zölle sind je nach Hersteller individuell. Und umso niedriger der Preis angesetzt wurde, umso mehr vermutete die EU eine illegale chinesische Staatssubventionierung und um so höher wurden die Zölle festgelegt.
Das einzige, wo Sie Recht haben: Chinesische Motoren sind auf den CLTP-Zyklus ausgelegt und in China darf nirgendwo schneller als 110 km/h gefahren werden. Daher ist die Effizienz schon bei 130 km/h, die im WLTP-Zyklus abgefragt werden, deutlich schlechter als bei Fahrzeugen, die darauf ausgelegt sind. Das ist aber in erster Linie ein deutsches Thema und für keinen Hersteller der Welt (auch für VW nicht) ist es wirtschaftlich sinnvoll, seine Modelle auf den deutschen Markt auszurichten. Wenn man einen BYD z.B. in erster Linie für Stadtfahrten nutzt, ist der Abstand zu VW plötzlich gar nicht mehr so groß…
South meint
Auch das stimmt schlicht nicht. Leapmotor, BYD, X-Peng… keiner von denen muss seine Herkunft verbergen. Es ist eher anders herum. Die heimischen Hersteller produzieren Modell in China und müssen verbergen, dass man in Wahrheit ein chinesisches Auto fährt, wie z.B. Smart, einige Mini Modelle….
Und die Chinesen agieren aus der Stärke heraus, sie sind eben nicht auf Europa angewiesen, sie müssen nicht billig in den Markt. Aber das wichtigste. Sie sind entwickeln sich technisch viel schneller, vorallem in der zentralen Accutechnik und man sieht es in den Umfragen, immer mehr Kunden können sich ein chinesisches E Autos vorstellen. Wenn eh alles aus der Ecke kommt, dann würde sogar ich mir den dann sinnlosen Weg über nen heimischen Hersteller sparen und gleich das Original kaufen.
Trotzdem. Ich habe mir das erste Mal in meinem Leben ernsthaft auch chinesische Autos angekuckt. Auch da ist nicht alles Gold was glänzt, sie sind tatsächlich weniger Effizient, nicht auf den europäischen Markt zugeschnitten, innen verspielt und die Fahrassistenztechnik (soll) nicht so gut sein (habs ehrlicherweise nicht ausprobiert). Trotzalledem. Der Preis ist schon gut, weil schon fast alles drin ist und wenn die tatsächlich mal besser Accus verbauen und deutlich schneller laden… dann kippe sogar ich in diese Richtung….
South meint
Auch das stimmt schlicht nicht. Leapmotor, BYD, X-Peng… keiner von denen muss seine Herkunft verbergen. Es ist eher anders herum. Die heimischen Hersteller produzieren Modell in China und müssen verbergen, dass man in Wahrheit ein chinesisches Auto fährt, wie z.B. Smart, einige Mini Modelle….
Und die Chinesen agieren aus der Stärke heraus, sie sind eben nicht auf Europa angewiesen, sie müssen nicht billig in den Markt. Aber das wichtigste. Sie sind entwickeln sich technisch viel schneller, vorallem in der zentralen Accutechnik und man sieht es in den Umfragen, immer mehr Kunden können sich ein chinesisches E Autos vorstellen. Wenn eh alles aus der Ecke kommt, dann würde sogar ich mir den dann sinnlosen Weg über nen heimischen Hersteller sparen und gleich das Original kaufen.
Trotzdem. Ich habe mir das erste Mal in meinem Leben ernsthaft auch chinesische Autos angekuckt. Auch da ist nicht alles Gold was glänzt, sie sind tatsächlich weniger Effizient, nicht auf den europäischen Markt zugeschnitten, innen verspielt und die Fahrassistenztechnik (soll) nicht so gut sein (habs ehrlicherweise nicht ausprobiert). Trotzalledem. Der Preis ist schon gut, weil schon fast alles drin ist und wenn die tatsächlich mal besser Accus verbauen und deutlich schneller laden… dann kippe sogar ich in diese Richtung….
David meint
Das ist Unsinn, mein lieber MK, der WLTP wird im Schnitt mit 47 km/h gefahren. Einmal ganz kurz geht es auf 131 km/h. Dass der chinesische Zyklus noch günstiger gestaltet ist, bevorteilt alle anderen Fahrzeuge auch. Viel mehr ist es so, dass im chinesischen Gebrauch meist Kurzstrecken in den Metropolen anfallen. Daher ist das nicht so entscheidend, die Autos auf Effizienz zu trimmen, man muss halt einmal in der Woche laden.
MK meint
@David:
Wobei „nicht so entscheidend, die Autos auf Effizienz zu trimmen“ halt bei den meisten Fahrzeugen bedeutet, nicht so aerodynamisch gebaut…und das spielt wie Sie sagen im Stadtverkehr keine Rolle. Und wer z.B. einen Dolphin Surf kauft, tut das nicht um damit von Hamburg aus nach Südtirol in den Urlaub zu fahren, sondern eben genau dafür: Für den Stadtverbrauch. Und von daher mag der WLTP-Normverbrauch eines Dolphin Surf deutlich über dem z.B. eines erst kommenden ID.Polo liegen, der Realverbrauch im Alltag liegt dann aber eben doch auf Augenhöhe.
Wie gesagt: Ich bin großer Fan der MEB-Fahrzeuge und bin total glücklich mit meiner Entscheidung für einen Elroq. Ich bilde mir aber eben nicht ein, damit die einzig gute Plattform auf dem Markt gefunden zu haben…zumal es kein pauschales „besser“ oder „schlechter“ gibt: Je nach Anwendung ist mal der VW-Baukasten besser, mal BYD und mal Tesla.
Jörg2 meint
„… nur weiß der Ministerpräsident offenbar nicht gut genug, …“
Ich gehe davon aus, dass
1. Der MP sehr genau den Wirtschaftsstandort D kennt und dessen Rahmenbedingungen, und
2. solche „Gedankenspiele“ be- und abgesprochene (hier mit VW) Testballons sind, um Reaktionen abzufragen. (Gibt es eigentlich eine Gegendarstellung von VW dazu?)
Der Verkauf von Standorten an die Rüstungsindustrie (PR dazu: „wir schließen keine Werke“, sprich: das können dann gern die anderen tun) wird die Kapazitätsproblematik eventuell nicht vollständig beseitigen.
In Summe gehe ich davon aus, dass auch deutsche Automobilstandorte Lohnfertiger werden. Wenn chinesische Unternehmen in Österreich lohnfertigen können, dann können die das auch in D (Lohnniveau Österreich leicht über dem Lohnniveau von D).
Future meint
Das ist eine sehr gute Idee. Magna Steyr ist seit vielen Jahren Auftragsfertiger für die Automobilindustrie. Warum sollte Volkswagen sowas nicht auch können. Dann ist es auch nicht weiter schlimm, wenn die eigene Produktion von VW immer weiter reduziert oder verlagert werden soll. Allerdings müsste man den Chinesen die hohen Produktionskosten in Deutschland erklären oder sich dafür etwas neues ausdenken.
123xyz meint
Die Elektroautos Jaguar I-Pace und Fisker Ocean, die zuletzt in Graz gefertigt wurden, waren Flops.
CJuser meint
Naja, ob das zwingend der richtige Weg ist, chinesische Produkte hier zu fertigen. Die Überführung ist sicherlich auch kein Pappenstiel. Vielleicht sollte man eher mal wieder einen größeren Fokus auf den europäischen Markt legen. Der Absatz geht dann zwar zurück, aber man muss sich bspw. nicht mehr mit den Rabattschlachten in China rumschlagen. Wird schließlich alles quersubventioniert über den gesamten Konzern.
South meint
„Ministerpräsident Lies will Bau chinesischer Autos in deutschen VW-Werken prüfen“, also se nen Artikel vor zehn Jahren, das hätten die Leute geschmunzelt. Der deutsche Arbeiter, die verlängerte Werkbank für chinesische Autos…
Werner Mauss meint
Das wird wohl das Beste sein, man muss dann auch das Logo nicht ändern VW = Volksrepublik Wagen. An der Struktur würde sich auch nicht viel ändern, für die Manager und Verwaltungskaste wäre das natürlich das Aus und Schwupps sind die Autos wieder bezahlbar.