Der dänische Fahrzeuglogistiker Dansk Auto Logik nutzt seit Kurzem erstmals einen vollelektrischen Autotransporter auf Basis des Mercedes-Benz eActros 600. Der E-Lkw von Mercedes-Benz Trucks transportiert unter anderem Pkw-Neufahrzeuge auf einer festen Route zwischen dem dänischen Vamdrup und dem über 380 Kilometer entfernten Bremerhaven in Norddeutschland.
Der batterieelektrische Autotransporter basiert auf einer Sattelzugmaschine vom Typ 4×2-eActros 600 mit ProCabin-Fahrerhaus und zweiachsigem Trailer. Er ist für den Transport von bis zu sechs Fahrzeugen ausgelegt. Neben den drei Batteriepaketen des Zugfahrzeugs ist auf dem Trailer eine separate Batterie installiert, die die Hydrauliksysteme beim Be- und Entladen versorgt und so die Hauptbatterien des Lkw schont.
Für Dansk Auto Logik dient der Einsatz des vollelektrischen Autotransporters auch der Bewertung vorhandener Ladeinfrastruktur und der Wirtschaftlichkeit im grenzüberschreitenden Verkehr zwischen Dänemark und Deutschland. So will man belastbare Erkenntnisse für den zukünftigen Einsatz batterieelektrischer Nutzfahrzeuge im Fahrzeugtransport gewinnen. Am Standort Vamdrup hat das Unternehmen in eigene Ladepunkte investiert. Für den Rückweg von Bremerhaven nach Vamdrup wird der eActros 600 entlang der Route an öffentlichen Ladepunkten in Deutschland nachgeladen.
„Mit dem eActros 600 haben wir uns bewusst dafür entschieden, jetzt in den elektrischen Fernverkehr einzusteigen, eigene Erfahrungen zu sammeln und im realen Betrieb zu lernen, wie Reichweite, Laden und Infrastruktur tatsächlich funktionieren“, erklärt Lars Vestergaard, CEO Dansk Auto Logik.
Mercedes-Benz Trucks feierte den Serienstart des eActros 600 Ende 2024 im Werk Wörth. Die hohe Batteriekapazität von über 600 Kilowattstunden sowie die laut dem Hersteller effiziente elektrische Antriebsachse ermöglichen den Angaben zufolge eine Reichweite von 500 Kilometern ohne Zwischenladen. Dies werde unter sehr realistischen, praxisnahen Bedingungen mit 40 Tonnen Gesamtzuggewicht erreicht und könne je nach Fahrweise und Strecke auch deutlich übertroffen werden, wirbt der Hersteller.
Der eActros 600 verfügt über drei Batteriepakete mit jeweils 207 kWh. Diese bieten eine installierte Gesamtkapazität von 621 kWh. Die Batterien basieren auf der Lithium-Eisenphosphat-Zelltechnologie (LFP) und sollen sich durch eine hohe Lebensdauer auszeichnen. Im Gegensatz zu anderen Batteriezelltechnologien können zudem über 95 Prozent der installierten Kapazität bei der LFP-Technologie genutzt werden. Dies ermöglicht eine höhere Reichweite bei gleich viel verbauter Batteriekapazität. Das Fahrzeug ist technisch auf ein kombiniertes Gesamtzuggewicht von bis zu 44 Tonnen ausgelegt. Mit einem Standardauflieger hat der eActros 600 in der EU eine Nutzlast von etwa 22 Tonnen.

Stefan meint
Die Neuwagen kommen üblicherweise per Schiff/Zug in Bremerhaven an und werden dann von Bremerhaven zum dänischen Verteilzentrum in Vamdrup gebracht. Es gibt ja keine Autoproduktion nahe Vamdrup?
Das Gelände hat auch einen Zuganschluss nahe der elektrifizierten Linie Hamburg-Flensburg-Kolding.
CaptainPicard meint
Wäre interessant zu wissen was der für so einen Verbrauch hat, aerodynamisch ist das wohl nahe am Worst Case. Schätze mal Richtung 1,8 kWh/km bei 80 km/h.
Karl von Rosen meint
Mercedes gibt für den Serien eActros einen CW Wert von 0,36 an, das wäre auf dem Niveau des Tesla Semi der mit 0,35 angegeben ist.
Ein eActros Prototyp hatte sogar nur 0,29 CW Wert.
David meint
Das stimmt nicht. Den Wert für den Tesla Semi hat Tesla zurückgezogen. Sicher nicht, weil sie den unterboten haben. Das Netz vergisst nichts: erst wurde cw 0,35 angegeben, dann 0,36 und dann hat man den Wert vor zwei Jahren gestrichen. Aber ein Verbrauch unter optimalen Bedingungen von 110 kWh/100 km spricht Bände. Nur gibt es den Semi nicht, dafür diesen Mercedes. Und da ist in der Tat zu befürchten, dass durch den Trailer der Luftwiderstand deutlich beeinträchtigt wird.
Jörg2 meint
Für ein Fahrzeug, welches es im betrachteten Einsatzraum nicht gibt, in dessen geplanten Einsatzraum anders gefahren wird, lernkurvenfern sofort die Schnappatmung zu aktivieren…. SEHR besonders.
CaptainPicard meint
Hat relativ wenig mit dem Thema hier zu tun, es geht um diesen konkreten Auflieger für den Autotransport, inklusive Autos, nicht welchen cw-Wert die Zugmaschine selbst oder mit einem Planenauflieger im Labor erreicht.
Der offene Auflieger mit all den Autos wird massive Verwirbelungen während der Fahrt verursachen die entsprechend den Verbrauch deutlich erhöhen werden.
Stefan meint
In einen geschlossenen Auflieger passen aber nicht diese sechs Autos wie im Bild. Der Verbrauch ist dann trotzdem günstiger als wenn der Transporter zweimal fahren müsste.
Karl von Rosen meint
Das ist bei einem Autotransporter mit Verbrennungsmotor nicht anders, deshalb ist das schon ein wichtiger Aspekt wenn die Zugmaschine aerodynamisch optimiert ist. Deren Einsatzbereich ist ja nicht auf Autotransporte beschränkt.
simon meint
Eine noch kleinere Kabine wäre gut, damit man auch Autos über den Lkw Dach transportieren könnte
MK meint
@simon:
Kann es sein, dass der eActros 600 überhaupt erst seit wenigen Wochen mit kleinerer Kabine bestellt werden kann? Bisher gab es den ja immer nur mit der großen „ProCabin“.
David meint
Einfach mal Elektrotrucker gucken. Da wurde ein eActros 600 mit Kühlcontainer für Edeka gezeigt. mit kleinem Fahrerhaus des normalen Actros, also quasi im Look des Verbrenners. Das Fahrerhaus kann beliebig klein sein, denn die Akkus liegen ja im Chassis.
Simon meint
Ja man kann den eActros mit 2 oder 3 Batterien bestellen (400 und 600kWh) und mit zwei verschiedenen Kabinen. Die große Pro Cabin und die ältere kleine. Schön wären noch weitere kleinere Kabinen und ein eAtego. Den eArocs gibt es zumindest in Kleinstserie.