Bosch baut in der Autosparte bis zu 22.000 Stellen ab. Aufsichtsratschef Stefan Asenkerschbaumer beschreibt im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) einen grundlegenden Wandel der Mobilität, geprägt von stagnierender globaler Automobilproduktion, regionalen Verschiebungen und sinkender Wertschöpfungstiefe in der Antriebstechnik.
Die globale Automobilproduktion habe ihr Höchstniveau von 2017 mit 95 Millionen produzierten Autos und leichten Lastwagen seither nicht mehr erreicht. In Europa nennt Asenkerschbaumer einen Produktionsrückgang von 25 Prozent, in Japan, Amerika und Korea von zehn Prozent. Nur China habe zugelegt.
Den Einstieg in die Batteriezelle verteidigt er als bewusst unterlassen. Bosch hätte Angaben des Aufsichtsratschefs zufolge 20 Milliarden Euro investieren müssen, um auf 20 Prozent Marktanteil zu kommen. Dieses Geld hätte dann für andere Investitionen gefehlt. Zudem entfielen 75 Prozent der Herstellungskosten von Batterien auf Rohstoffe, auf die man nur mittelbar Zugriff habe.
Für Europa fordert Asenkerschbaumer ein Ökosystem von Rohstoffen über Lieferanten und Produzenten bis zu den Kunden. China sei bei Fünfjahresplänen und deren Umsetzung einen großen Schritt weiter.
„Unternehmen letztlich immer selbst verantwortlich“
Von der Politik verlangt der Manager langfristige Ziele, Umsetzung und Blick auf Systemzusammenhänge. Bei Elektromobilität gehe es nicht nur um Fahrzeuge, sondern auch um Infrastruktur. Zugleich sagt er: „Unternehmen sind letztlich immer selbst verantwortlich, auch wenn die Politik wie im Falle der Elektromobilität die versprochenen Rahmenbedingungen nicht schafft.“
Investitionen in Elektromobilität, Software und automatisiertes Fahren bewertet Asenkerschbaumer nicht als grundsätzlich falsch. Unsicherheit gehöre zum Unternehmertum – nichts zu tun und abzuwarten, wäre ebenfalls falsch.
Über alle Sparten hinweg sollen in Deutschland rund 28.000 Stellen abgebaut werden. Asenkerschbaumer betont, der Konzern habe sein Wertegerüst nicht verloren und verwies auf den Gründer des weltweit größten Zulieferers: Robert Bosch habe fair und offen, aber konsequent mit Krisen umgehen wollen.
Bei der Restrukturierung müssen nach den Worten von Asenkerschbaumer alle Werke unabhängig vom Standort wettbewerbsfähig sein. Internationale Standorte seien ebenfalls betroffen. In Europa liege die Auslastung der Automobilhersteller nur noch knapp über 60 Prozent, das spüre man in Deutschland. Zugleich sieht der Bosch-Aufsichtsratschef auf dem Kontinent „weiter sehr großes Potential“ und fordert die Vollendung des Binnenmarkts.

South meint
„wenn die Politik wie im Falle der Elektromobilität die versprochenen Rahmenbedingungen nicht schafft“. Das stimmt schlicht nicht und er nennt auch kein konkretes Beispiel.
Die Wahrheit. Die heimischen Unternehmer sind halt schlicht nicht eingestiegen, ob hier dargestellt als gewollt, aufgrund Risikoaversivität, oder verpennt, im Ergebnis sind sie selbst für ihren Niedergang verantwortlich.