Die Zulieferbranche steht unter Druck. Technologische Vorleistungen, steigende Materialkosten, schwankende Kundenabrufe, chinesische Wettbewerber und geopolitische Unsicherheiten belasten die Unternehmen. Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung PwC zeigt laut der Automobilwoche, dass fast ein Drittel der befragten CEOs besorgt über die mittel- und langfristigen Perspektiven ihrer Unternehmen ist.
Im Gegensatz zu anderen Industrien ist der Glaube an ein zurückkehrendes Umsatzwachstum deutlich geringer. Sinkende Margen verengen den finanziellen Spielraum, wie das Beispiel des Bosch-Konzerns zeigt, der im Mobility-Bereich für 2025 eine Umsatzrendite von nur 1,8 Prozent erreichte – das Ziel waren 7 Prozent.
Viele Zulieferer haben bereits tiefgreifende Reformen eingeleitet, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Programme wie Mahle 2030+, Ignite (Forvia) und Shape30 (ElringKlinger) zielen darauf ab, die Widerstandsfähigkeit der Unternehmen zu erhöhen. Maßnahmen umfassen Kostenoptimierung durch Stellenabbau, Fokussierung auf das Kerngeschäft, Diversifizierung in Bereiche wie Rüstung oder Robotik, verstärkte Partnerschaften und konsequente Regionalisierung.
Fokussierung, Diversifizierung, Kooperation
Ein zentraler Aspekt der Reformen ist die Fokussierung auf wettbewerbsfähige Bereiche. Der ZF-Konzern verkauft beispielsweise seine Sparte für Assistenzsysteme an Harman, um sich auf Kerntechnologien wie Fahrwerk, Antrieb, Nutzfahrzeug und industrielle Anwendungen zu konzentrieren. Auch andere Unternehmen wie Schaeffler und ElringKlinger trennen sich von unprofitablen Geschäftsbereichen, um Ressourcen für Innovationen freizusetzen.
Die Diversifizierung in neue Geschäftsbereiche ist ein weiterer strategischer Ansatz. Mahle gründet den Geschäftsbereich Industrial and Special Solutions für Anwendungen in Marine, Bergbau oder Verteidigung. Auch humanoide Roboter und die kommerzielle Raumfahrt sind Fokusfelder. Schaeffler entwickelt Schlüsselkomponenten für Roboter und kooperiert mit entsprechenden Firmen. Viele kleine und mittelständische Unternehmen, die früher Drehteile oder Präzisionskomponenten für Verbrennungsmotoren gefertigt haben, wechseln in Bereiche wie die Medizintechnik.
Kooperation spielt eine immer größere Rolle. Guss-Spezialist Handtmann etwa geht eine Partnerschaft mit dem türkischen Räderhersteller Cevher ein, um ein neues Druckgussverfahren umzusetzen. Große Konzerne wie ZF und Bosch holen sich Expertise von außen, insbesondere im Bereich Software. Diese Zusammenarbeit ermöglicht es den Unternehmen, komplette Systeme anzubieten und ihre Position gegenüber den Fahrzeugherstellern zu festigen.
Kostenoptimierung, Regionalisierung
Kostenoptimierung ist ein weiterer zentraler Punkt. Große Zulieferer wie Bosch und ZF haben in den letzten zwei Jahren massiv Stellen abgebaut. Insgesamt sind laut dem Branchenverband CLEPA seit 2020 etwa 86.000 Jobs in der europäischen Zulieferindustrie weggefallen. Hohe Energie- und Lohnkosten sowie Bürokratie führen dazu, dass viele Unternehmen Werke schließen oder in billigere Länder verlagern. Viele Zulieferer gehen zwar durch Einsparungen wettbewerbsfähiger in die Zukunft, laut der Automobilwoche rechnet aber kaum einer in den kommenden Jahren mit Umsatzwachstum in Europa.
Regionalisierung ist ein weiterer strategischer Ansatz. So organisiert sich SEG Automotive neu, um schneller auf lokale Märkte reagieren zu können. ElringKlinger richtet sich ebenfalls stärker auf Markt- und Kundennähe aus. Größere Zulieferer haben dabei den Vorteil, Entwicklungs- und Produktionskapazitäten flexibel anpassen zu können. Kleinere Unternehmen mit Fokus auf den Standort Deutschland werden es den Marktexperten zufolge in den kommenden Jahren im globalen Wettbewerb schwerer haben. Eine Alternative sei daher die Konzentration auf spezialisierte Nischenmärkte, um sich von großen Anbietern abzuheben.

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