Die Elektrifizierung im Bereich der Nutzfahrzeuge verläuft deutlich langsamer als bei Personenkraftwagen. Während Elektroautos im ersten Quartal laut der Automobilwoche bereits ein Fünftel der Neuzulassungen in Europa ausmachten, liegt der Elektro-Anteil bei Transportern derzeit bei elf Prozent.
Für leichte Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen gelten in der EU ab 2025 neue, strengere CO2-Flottenziele. Im Durchschnitt der Jahre 2025 bis 2027 darf der Ausstoß maximal 154 Gramm CO2 pro Kilometer betragen. Die individuellen Ziele der Hersteller bemessen sich dabei am Durchschnittsgewicht ihrer Flotte.
Nach aktuellen Berechnungen des Marktdatenspezialisten Dataforce liegt der Branchendurchschnitt für den Zeitraum von 2025 bis Ende des ersten Quartals 2026 bei 169 Gramm CO2/km. Damit wird das Ziel um 15 Gramm überschritten. „Es wird für die meisten Hersteller sehr schwierig, die CO2-Flottenziele im Transporter-Bereich zu erreichen. In der Breite besteht wenig Chance, Strafzahlungen zu vermeiden“, sagte Benjamin Kibies von Dataforce der Automobilwoche.
Auch die Automobilverbände warnen vor den Grenzwerten für 2027. Imelda Labbé, Präsidentin des Verbands der Internationalen Kraftfahrzeughersteller VDIK, erklärte, dass die Ziele nicht erreichbar seien. Für das Jahr 2030 ist ein Reduktionsziel von 35 Prozent und für 2035 von 80 Prozent für leichte Nutzfahrzeuge vorgesehen. Die Rahmenbedingungen könnten Hersteller jedoch kaum selbst beeinflussen, so Labbé.
Stellantis droht die höchste Strafe
Besonders betroffen dürfte dem Bericht zufolge der Marktführer Stellantis sein, der derzeit 20 Gramm über seinem Zielwert von 139 Gramm CO2/km liegt. Eine Strafzahlung von 959 Millionen Euro droht der Opel-Mutter nach aktuellem Stand. Grund dafür ist ein Elektro-Anteil von nur acht Prozent sowie eine Flotte mit vielen kleinen Transportern, was zu einem niedrigeren Zielwert führt.
Weitere Hersteller stehen vor hohen Kosten: Ford droht eine Strafe von 196 Millionen Euro bei einer Abweichung von sieben Gramm, während VW wegen etwa fünf Gramm zu viel mit etwa 100 Millionen Euro rechnen muss. Mercedes hat mit 183 Gramm den höchsten Zielwert und verfehlt diesen um rund sechs Gramm, was eine Strafe von 91 Millionen Euro zur Folge hätte.
Um die Vorgaben zu erfüllen, wäre laut Experte Kabis ein Anteil rein batterieelektrischer Fahrzeuge von rund 20 Prozent nötig. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es gelingt, den BEV-Anteil in wenigen Monaten auf zwanzig Prozent hochzujagen“, erklärte er. VW hat nach Einschätzung des Experten die besten Chancen, da hier ein Anteil von 12 bis 15 Prozent ausreichen könnte.
E-Transporter noch zu teuer
Die noch geringe Nachfrage nach elektrischen Transportern wird unter anderem durch begrenzte Reichweite, geringere Zuladung und höhere Anschaffungskosten im Vergleich zu Diesel-Fahrzeugen begründet. „Die Total Cost of Ownership (Gesamtbetriebskosten, d. Red.) sind das Haupthindernis für die Verbreitung von E-Transportern“, so Kibies. „Insbesondere wenn die Fahrzeuge auf öffentliches Laden angewiesen sind, ist eine Amortisation des höheren Anschaffungspreises über niedrigere Kraftstoffpreise kaum möglich.“
Es gibt Forderungen nach einer Überprüfung der Regulierung sowie dem Ausbau der Ladeinfrastruktur und verlässlichen Energiepreisen. Eine Sprecherin des deutschen Autoherstellerverbands VDA spricht sich gegenüber der Automobilwoche zudem für eine Anpassung von Strafzahlungen bei der Verfehlung von gesetzten CO2-Reduktionsvorgaben aus. VDIK-Chefin Imelda Labbé: „Die aktuellen Ziele sind äußerst ehrgeizig. Wir brauchen daher eine Überarbeitung und praxisgerechte Flexibilisierung der Ziele.“
Sollten die Hersteller die Strafen nicht vermeiden können, könnten diese auf die Fahrzeugpreise umgelegt werden. Eine Überschreitung des CO2-Ziels um zehn Gramm würde laut Dataforce einen Aufschlag von 950 Euro pro Fahrzeug bedeuten.

tacjazo meint
Der Umschwung wird leider noch etwas dauern im Handwerk.
Außer bei den Firmen, die die Bullis nachts bei sich auf dem Hof stehen haben und dementsprechend laden können.
Aber die meisten Firmen, die den Mitarbeitern den Bulli mit nach Hause nehmen lassen – was sehr viele kleine bis mittelständische Betriebe sind – werden so schnell nicht auf Elektro umstellen. Für die Mitarbeiter ist es ein benefit ein „Auto“ zu haben um sich nicht für den Weg zur Arbeit eins kaufen zu müssen. Gleichzeitig müssten dann Ladepausen eingelegt werden an einem Schnelllader. Das dauert bei den aktuellen Modellen leider noch sehr lange und Laden ist für viele noch Neuland und den Arbeitseinsatz im Keller für ne Stunde zu unterbrechen weil der Bulli geladen werden muss wird auch nicht passieren – bei der 15km entfernten Schnellladesäule, wo der Strom dann noch 79ct die kWh kostet…
Zudem ist die Versorgung mit AC Ladesäulen in der nähe der Mietswohnung des Monteurs noch viel zu gering, als dass man den Bulli dort nachts laden könnte.
Bei den wenigsten Baustellen gibt es eine AC Lademöglichkeit und es stellt sich die Frage der Abrechnung.
Die Monteure und Nutzer der Bullis ist es eh egal, da Chef die Tankrechnung bezahlt.
Viele viele Baustellen, die es noch zu beseitigen gilt, bevor die SHK-Firma Müller Meier Schulze 3 Straßen weiter auf E-Bullis umschwenken wird. Zeit ist Geld und Sprit ein zu vernachlässigender Anteil bei der 30k Wärmepumpe, dem 50k Dach, den 25k Fenstern oder dem neuen Garten für 35k.
Private E-Autos, E-LKWs und Lieferfahrzeuge mit festen Abläufen (DHL, Amazon, Baustoffhändler) werden schneller elektrifiziert, als die Bullis der Handwerkerflotte – so meine These.
Paule meint
Mag für Deutschland zutreffen.
Daniel S meint
„ Die Rahmenbedingungen könnten Hersteller jedoch kaum selbst beeinflussen“
Preise anpassen! Macht BEV billiger oder Verbrenner teurer oder beides. Könnt ihr nicht mehr rechnen?
„ Wir brauchen daher eine Überarbeitung und praxisgerechte Flexibilisierung der Ziele.“
Jetzt werden Cersager auch noch fürs Versagen belohnt?
Wie war das mit der Marktwirtschaft…
Böhser Neffe meint
Am Ende zahlen es die Kunden, das sind wir alle, die etablierten Parteien sind europaweit angezählt, der Klima-Spuk wird denke ich schneller enden, als es sich manche hier vorstellen können. Dafür kommen (höhere) Zucker, Tabak und Alkoholsteuer. Um mehr als das Staatssäckel ging es dabei eh nie.
South meint
Hihihi, klar, dann haben wir glorreiche Zeiten vor uns, kann man ja in den USA sehen. Ich mein, Trump hat ja alle seine Versprechen gehalten und sich den Friedensnobelpreis redlich verdient, nachdem er den Ukraine Krieg an einem Tag beendet hat, keinen weiteren Konflikt angefangen hat und das Geld für den armen Milliärdar, pardon natürlich dem armen Arbeiter, verpulvert hat. Mit der Wohlstandsvernichtung durch Zölle, pardon natürlich die Schaffung von enormen Wohlstand auf der Grundlage für Kohle, Gas und Ölkartellen, pardon natürlich hart arbeitetenden Kohlekumpel. Die armen Amerikaner haben natürlich jetzt auch keine Probleme mit Inflation. Alles supi. Deshalb strotzen die USA momentan so vor Kraft.
Und auch wir profitieren von niedrigen Ölpreisen und stabilen Preisen aufgrund eines freien Welthandels, können uns auf unseren Bündnispartner USA verlassen.
Puh. Kurze Frage. Warst ja bestimmt Tanken, da konntest du von der weisen Politik der größten Wohlstandsvernich… pardon dem größten wirtschaftlichen, politischen und mitlitärischem Genie und der fairen Öllobby tribut leisten, wobei der größte Schaden, pardon Nutzen ja noch gar nicht angekommen ist….
Deshalb wird es uns genauso gehen. Der brave Arbeiter und nicht die Millionäre, welche ne bestimmte Partei über die Schweiz mit Geld versorgt hat, wird bestimmt unter solchen Regierungen profitieren.
Alter. Darauf darfst du dich so richtig freuen und natürlich auch die freie Entfaltung deiner Meinung in demokratiefeinlicher, pardon freundlicher Ungebung. Verfassungsschutz… pff, was wissen die schon… tssss….
Daniel S meint
Nichts ist umsonst zu haben. Wenn durch diese Lenkungsabgaben endlich Wirkung erzielt wird ist das gut, weil der Sinn der Sache. Dann werden BEV billiger. Und derjenige der sie anbieten kann wird überleben. Derjenige der sie kauuft wird auch profitieren: bessere Fahreigenschaften und kleinere Abhängigkeiten von Ölpreiswahnsinn. Im Moment hat Europa aber bei BEV die Nase leider nicht vorn.
M. meint
Der „Klima-Spuk“ wird sich einen feuchten Fleck um deine Ergüsse scheren, aber du kannst dich sicher mit einer Klimaanlage in die Wohnung retten – dann ist es so, als wäre nichts passiert.
Außer, es scheren sich noch mehr als nur der Klima-Spuk nicht um deine Ergüsse und machen was dagegen, damit es nicht so weit kommt.
Dann kannst DU dir später auf die Schulter klopfen, weil du immer schon wusstest, dass es so schlimm nicht wird. Auch wenn du mit der Lösung nichts zu tun hattest. ;-)
Future meint
Interessanter Standpunkt. Deutschland ist ja laut WHO Hochkonsumland bei Alkohol, Tabak und Zucker. Insofern hätten höhere Steuern einen Doppeleffekt: Mehr Steuereinnahmen und mehr Gesundheit. Andere Länder haben das bereits umgesetzt. Jetzt wird es auch dafür Zeit in Deutschland. Beim Klimaschutz geht es eigentlich genauso. Das meint der nette Neffe sicherlich mit seinem Beitrag.
Gernot meint
Der Fiat Ducato und seine x Derivate wie Opel Movano (im Bild), Citroen Jumper, Peugeot Boxer, Toyota Proace Max, Iveco Superjolly sind im Kern 20 Jahre alt. Die aktuell vertriebene Modellreihe kam 2006 auf den Markt. 2006 hat noch niemand an E-Transporter gedacht. Man hat dann eine Elektroversion aufgelegt, aber das ist eben nur ein umgerüsteter Verbrenner. Ich habe jetzt jüngst nicht auf die Preise geschaut, aber im letzten Jahr war die E-Version noch ca. 20.000 Euro teurer als die Verbrennerversion. Das kann sich nicht rechnen.
Nächstes Jahr kommt ein neuer Ducato. Im Jahr darauf wahrscheinlich auch ein neuer e-Crafter von VW. Diese Fahrzeuge werden Mischplattformen sein, aber Batterie und Elektroantrieb werden von Anfang an berücksichtigt sein. Man wird auf mehr Reichweite und günstigere Kosten achten.
Ab dann dürften endlich auch der Markt für Elektro-Wohnmobile richtig zünden, der bislang ein kümmerliches Dasein fristet
Paule meint
„Das kann sich nicht rechnen.“
Glaub schon. Die von Dir genannten 20k€ sind grade mal 70k km bei einem Transporter. Im Gewerbe ca. 1,5 Jahre. Dann noch Steuer, Wartung usw. weg, das passt recht schnell.
Gernot meint
Ehrlich: Was für ein Unfug. Um auf 70.000 km 20.000 Euro einzusparen, müsste man auf 100 km 28,57 Euro einsparen. Mathematisch völlig unmöglich.
Der Ducato ist je nach Version mit 7,5-10,4 Litern Verbrauch auf 100 km angegeben. Nehmen wir das obere Ende: 10 Liter. Macht bei 2 Euro/l dann 20 Euro Spritkosten je 100 km. Fällt der Preis wieder auf Vorkriegsniveau dann 16 Euro. 210 Euro Kfz-Steuer machen umgelegt auf die von Dir genannte Fahrleistung 0,43 Euro je 100 km aus.
Der eDucato ist mit 26,2 – 31,2 kWh Verbrauch angegeben. Auch da nehmen wir das obere Ende. Zu 22 Cent/KWh macht das 6,2 Euro/100 km. Nach 70.000 km hat man zu den aktuellen außergewöhnlichen Spritpreisen dann erst 9.960 Euro wieder hereingeholt. Zu den normalen Spritpreisen erst 7.160 Euro.
Dann sind wir aber noch nicht am Ende der Fahnenstange: Für die Elektrotransporter muss noch Infrastruktur geschaffen werden: Ladestationen auf dem Firmengelände, von denen jede 4-stellig kostet.
Und nun kommen wir auf den Anfang zurück: 70.000 km entsprechen ca. 190 km Fahrleistung pro Arbeitstag. Regionale Handwerker, die zu den Hauptkunden für diese Autos gehören, fahren eher 20-60 km am Tag, 15.000 km im Jahr. Die haben dann auch nach 5 Jahren erst ein Viertel der Mehrkosten wieder reingeholt. Es ist nämlich nicht so, das Du den vollen Durchblick hast und zigtausende Unternehmenschefs einfach zu dumm sind. Die können rechnen und die Rechnung ergibt, dass sich die eTransporter aufgrund des immensen Mehrpreises nicht rechnen.
Paule meint
Okay. Post, Amazon usw. haben also alle keine Ahnung und keinen Taschenrechner.
So wird es wohl sei.
Gottogott…..🤦
M. meint
Paule, immer wenn man deine Behauptungen mathematisch zerlegt, wirst du polemisch – Fakten lieferst du nie.
Was ist falsch an der Rechnung von Gernot? Zeige es doch, wenn du kannst.
DAs war schon so mit deiner angeblichen Amortisation von PV auf Fahrzeugen: „in 2 Jahren“. Und – selbst, wenn sich das amortisieren kann, in 2 Jahren nicht.
Nicht eine Zahl, wie das hinkommen soll. Keine Anschaffungskosten, keine Erträge, keine Strompreise. Immer nur beleidigte Leberwurst.
Und Gewerbe ist eben NICHT automatisch Amazon! Gewerbe sind auch Maler, Heizungsbauer, Elektriker! Und die verdienen ihr Geld nicht auf der Straße, sondern bei den Kunden vor Ort!
Paule meint
„E-Transporter noch zu teuer“
Das sehe ich nicht.
Sprinter Fahrgestell, 113-er Akku, ü200PS, WLTP ü440 km, kostet unter 60k€. Listenpreis vor Verhandlung.
Kastenwagen, kleiner Akku, 220km WLTP 37k€.
Leider ist die angekündigte 4×4-Plattform noch immer nicht da.