Die Bundesregierung fördert die Anschaffung neuer Elektroautos und bestimmter Teilzeitstromer ab diesem Jahr mit bis zu 6000 Euro. Seit Mai ist das entsprechende Antragsportal online, Anträge können rückwirkend bis zum 1. Januar 2026 eingereicht werden. Die Elektroauto-Kaufprämie soll den Steuerzahler voraussichtlich drei Milliarden Euro kosten.
Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer kritisiert im Gespräch mit der Bild die Wirksamkeit der neuen Förderung. Er stellt infrage, ob die Maßnahme den Zweck erfüllt, den Wechsel zur Elektromobilität günstiger zu gestalten. Laut einer aktuellen Rabatt-Studie seines Instituts Center Automotive Research (CAR) in Bochum wirkt die Subvention in die falsche Richtung. Die Autobauer fahren demnach ihre Rabatte auf Elektroautos seit der Verkündung der Prämie leicht zurück.
Nachdem sich die Transaktionspreise für Verbrenner und E-Autos jahrelang angenähert hatten, wird die Lücke nun wieder größer, so die Analyse. Im Mai war demnach ein Elektroauto durchschnittlich 1971 Euro teurer als ein Verbrenner. Seit Dezember hatte sich dieser Preisabstand bereits um 643 Euro erhöht. „Ein hoher Wert“, so Dudenhöffer.
Der Experte verknüpft den Preisanstieg mit der im Dezember begonnenen Debatte um die Elektro-Förderung. „Durch die Prämie werden die Elektroautos teurer statt preisgünstiger. Wer eine Prämie erhält, profitiert zwar, aber die Prämie verteuert Elektroautos im Gesamtmarkt.“ Die Prämie hängen zudem vom Haushaltseinkommen und der Anzahl der Kinder in der Familie ab, nur eine bestimmte Kundengruppe erhalte die maximale Förderung.
Ein Beispiel für Preisänderungen sei Tesla, das Ende April seinen einkommensunabhängigen Preisnachlass von 3000 Euro für den SUV-Crossover Model Y gestrichen habe. Da die staatliche Prämie nur einer ausgewählten Zielgruppe gelte, sei das mittelgroße Elektroauto für die meisten Käufer teurer geworden.
„Der Markt gewöhnt sich an die staatliche Förderung der Elektroautos“, sagt Dudenhöffer. Bei Volumenmarken sei ein Trend zu rückläufigen Rabatten durch die Prämie erkennbar, wodurch Massenmodelle für viele Interessenten teurer würden. Für deutsche Premiumhersteller falle kaum etwas ab, da deren Fahrzeuge für einkommensschwache Familien mit Kindern schwer bezahlbar seien. „An deutschen Premiumautobauern – und damit auch an den Arbeitsplätzen in der deutschen Autoindustrie – geht die Prämie vorbei“, so Dudenhöffer.
Die Prämie habe für den Automarkt „einen giftigen Nachgeschmack“, meint der Branchenkenner. Die Transaktionspreise für Einstiegsmodelle wie Klein- und Kompaktwagen würden wieder steigen. „Und was passiert, wenn die 3 Milliarden Steuergeld verpulvert sind? Für alle sind die Einstiegsmodelle dann teurer. Nicht unbedingt, was man braucht, wenn man Elektromobilität nach vorn bringen will. Die Prämie löst einen Strohfeuer-Effekt mit lausigen Nebenwirkungen aus.“

CaptainPicard meint
Es ist auch keine Prämie für den Kunden sondern eine Industriesubvention. Es funktioniert also wie geplant.
MichaelEV meint
Lässt mal komplett außen vor, dass parallel noch was anderes sehr signifikantes passiert (Stichwort Hormus).
Aber generell ist es das zu erwartende Ergebnis -> wenn man mit einer solchen Aktion die Nachfrage anfeuern will, passt sich der Preis automatisch dem zur Verfügung stehendem Angebot an (durch Produktionskapazitäten/Lieferketten begrenzt oder häufig halt einfach darauf ausgerichtet, was man für CO2-Compliance benötigt).
elektromat meint
Ich schätze das die Rabatte eher wegen der hohen Nachfrage gestrichen wurde. Die Förderung ist für viele mit sicherheit nicht der Auslöser zum Autokauf da er für die meisten Durchschnittverdiener nicht hoch ausfällt und wer wenig verdient kauft sich normalerweise kein neues Auto sondern bedient sich auf dem Gebrauchtmarkt.