Der Importeur Autohelden plant die Einführung mehrerer chinesischer Automobilmarken auf dem deutschen und europäischen Markt. Neben den Xiaomi-Modell SU7 und YU7 werden auch Stromer der Marken Zeekr, Jetour und Avatr nach Deutschland gebracht. Das Unternehmen verfolgt dabei laut der Automobilwoche das Ziel, im ersten vollen Jahr rund 50.000 Fahrzeuge in Europa zu verkaufen, wobei etwa ein Drittel davon auf den deutschen Markt entfallen soll.
Für den Vertrieb in Deutschland ist der Aufbau von 80 bis 100 Standorten vorgesehen. Um eine gegenseitige Kannibalisierung der Standorte zu vermeiden, wird die Anzahl der Händler begrenzt. Die Partner erhalten eine zweistellige Fixmarge sowie eine flexible Vergütung. Der Importeur übernimmt dabei die vollständige Aufbereitung der Fahrzeuge, was die Verzollung, die TÜV-Abnahme sowie eine Hohlraum- und Unterbodenkonservierung umfasst.
Im Bereich Service setzt Autohelden auf kurze Wege für Kunden und möchte das Geschäft über die Händler hinaus mit weiteren Werkstattketten abdecken. Die Herstellergarantie wird in Zusammenarbeit mit Mobile Garantie Deutschland angeboten und beträgt drei Jahre oder 120.000 Kilometer, wobei eine Verlängerung auf bis zu sechs Jahre durch regelmäßige Werkstattbesuche möglich ist. Zur Vereinfachung des Servicealltags benötigen die Werkstätten einen Tester für alle vier Marken.
Hinsichtlich der Ersatzteilversorgung nutzt der Importeur Erfahrungen aus der Teilebeschaffung in China. Im Notfall sollen fehlende Teile per Luftfracht eingeflogen werden, während der reguläre Transportweg auf der Schiene etwa 25 bis 30 Tage beansprucht. Ein Fokus liegt dabei auf einer funktionierenden Aftersaleskette.
Das geplante Modellangebot umfasst die Elektroautos Xiaomi SU7 und YU7 in allen Leistungsstufen sowie die Zeekr-Modelle 8X und 9X. Zudem werden Avatr 06, 07, 11 und 12 sowie Jetour Dashing, X70 und T2 importiert. Der Jetour Dashing ist preislich bei unter 30.000 Euro angesiedelt, während die Modelle des Typs Jetour T2 als Benziner und Hybrid ab einem Preis von 43.990 Euro erhältlich sind. Weitere Preise werde noch nicht genannt.
Während die Geely-Tochter Zeekr Modelle anbietet, die der Hersteller nicht selbst in Europa vermarkten möchte, plant Xiaomi einen eigenen Markteintritt in Deutschland. Ein Sprecher von Xiaomi Technology Germany sagte der Automobilwoche: „Xiaomi arbeitet nicht mit Autohelden zusammen und behält sich juristische Schritte vor.“ Christoph Wicke, Geschäftsführer von Autohelden, gibt sich entspannt: „Wir haben uns in jeder Hinsicht rückversichert, dass es hier keine Probleme geben kann.“ Ein Teil der Fahrzeuge erhalte er in China direkt vom Hersteller, einen anderen Teil über Vermittler.

David meint
Das ist bekannt. Deren rhetorisch geschickte Verkäufer waren ja schon bei Omid und Hamid. Weil sie nicht kapiert haben, dass dort nicht die richtige Kundschaft sitzt. Oder weil sie einfach nur Reichweite machen wollten. Das größte Problem ist nicht einmal der Preis, der gar nicht mal so günstig ist, und die fraglichen Themen Service und Ersatzteile. Sondern es ist ja nicht einmal der Ladeanschluss umgerüstet, so dass das Ding so langsam lädt wie ein Tesla. Und übernächstes Jahr ist diese Serie für Xiaomi zu Ende. Das Modell ist auf vier Jahre angelegt mit Facelift zur Hälfte. Und der Facelift das abgebildeten Fahrzeugs war schon gewesen.
Jörg2 meint
Das liest sich ein wenig wie (vor Jahren) „Nextmove und Tesla-Großeinkauf“…
FrankyAC meint
Da bin ich mal gespannt, was so ein SU7 bei denen so kosten wird. Ich vermute, mangels Konkurrenz werden die ordentlich zuschlagen.
Stefan meint
Der Name Autohelden ist im Kfz-Bereich schon mehrfach besetzt.
Aus der Meldung ist nicht klar, welche Firma gemeint ist.
Gernot meint
Das wird natürlich nicht gut gehen. Ohne Connectivity sind solche Fahrzeuge kaum vernünftig nutzbar, bzw. verlieren viele Features. Mit Connectivity weiß Xiaomi über die VIN sofort und eindeutig, welche Fahrzeuge über welche Händler/Kunden mit welchem Schiff nach Europa gekommen sind und wird diese Händler/Kunden sanktionieren.
Im Zweifelsfall führen die Datenschutzanforderungen zu einer Stilllegung.
Ohne Softwareanpassung und hiesige Cloud-Infrastruktur werden die Fahrzeuge Daten in einer Form in die chinesische Cloud liefern, die mit hiesigen Datenschutzanforderungen unvereinbar sind.
Per EU Data Act ist Autohelden außerdem gezwungen, EU-Kunden über APIs Zugriff auf die Daten zu gewähren, die das Auto sammelt und in die Cloud übermittelt. Das ist ohne aktive Mithilfe Xiaomis nicht erfüllbar.
Und wenn Xiaomi will, rollen sie ein Update aus, dass die Fahrzeuge hier lahmlegt. Xiaomi ist für resultierende Schäden nicht haftbar, schließlich verkaufen sie die Fahrzeuge nur für den chinesischen Markt. Wenn ein Händler/Importeur damit Schindluder betreibt, ist das deren Problem.
Ich halte es auch für fraglich, ob ein Teilehändler das stemmen kann. Wir reden bei 50.000 Fahrzeugen über ein Volumen von grob 2 Mrd. im Jahr.
Xiaomi kann ich auch ein Stück weit verstehen. Zum einen werden ihnen die Autos in China aus den Händen gerissen und sie brauchen den europäischen Markt im Moment nicht, bzw. können diesen nicht bedienen. Und gerade die Xiaomis sind extrem softwaredefinierte Autos. Ohne ausreichende Lokalisierung der Software für hiesige Märkte haben die Käufer wahrscheinlich eine ziemlich miese „Experience“ und Xiaomi will sich nicht die Marke versauen.
MK meint
Zitat: „Der Importeur übernimmt dabei die vollständige Aufbereitung der Fahrzeuge, was die Verzollung, die TÜV-Abnahme sowie eine Hohlraum- und Unterbodenkonservierung umfasst.“
Wieder so ein Beispiel, an dem sich zeigt, warum vermeintlich gleiche oder bessere Fahrzeuge in China billiger sind als in der EU: Die sind nicht mal darauf ausgelegt, dass Salz gestreut wird und würden bei Einsatz in Deutschland binnen weniger Jahre komplett wegrosten.
Referendar meint
Das erinnert an die 70er Jahre, da haben Vertragshändler verschiedener Marken diese Arbeiten auch vor Auslieferung durchgeführt. Schön, dass 60 Jahre später sowas wieder gemacht wird. Richtig modern, diese Chinesen, damit erobern sie die Herzen der alten Autofahrer Generation.
Future meint
Im Text steht, dass sich »diese Chinesen« sogar juristische Schritte gegen Autohelden vorbehalten. Falls Autohelden also eine deutsche Firma ist, dann haben sich »diese Chinesen« diese Art Grauimport wohl nicht ausgedacht, sondern es waren wieder mal diese Deutschen, die sich mit den günstigen Einkaufspreisen für chinesische Automobile die Taschen voll machen wollen. Ein Berliner Autohändler hat das mit chinesischen IDs ja auch schon mal probiert. Ich glaube, VW wollte erwirken, dass er die schönen IDs verschrotten lassen müsse.
Referendar meint
Future, mal wieder eine nette Ablenkung auf VW, aber ich will dir trotzdem antworten: Hoffentlich hat der Berliner Händler auf die Hohlraum und Unterbodenkonservierung verzichtet, sonst wäre sein Verlust noch höher geworden.
MK meint
@Referendar:
Wenn BYD ein Auto für den EU-Markt produziert, ist das ja auch entsprechend ausgelegt. Umgekehrt wird auch dem ID.3 in China diese Unterbodenkonservierung fehlen.
Worauf ich also mit meinem Kommentar hinaus wollte: Hier geht es nicht um chinesische vs. europäische Hersteller, sondern um Autos für den europäischen Markt vs. welche für den chinesischen Markt: Gerne wird hier in Deutschland behauptet, „das gleiche“ Fahrzeug sei in China viel billiger als in Deutschland. Themen wie Unterbodenkonservierung sorgen dann aber dafür, dass es eben kein baugleiches Fahrzeug, sondern ein technisch viel schlechteres ist, was in solchen Berichten immer geflissentlich ignoriert wird.
Referendar meint
MK, ich habe dich schon richtig verstanden, aber dennoch kann man bei Chinesischen Fahrzeugen für den EU Markt eine Tendenz erkennen. MG zb. hat ein massives Rostproblem. In China spielt das keine Rolle, durch den extremem Preiskampf er dortigen Hersteller sind die Margen im Inland maximal dreistellig, da wird an jeder Ecke massivst gespart, Thema Wegwerfauto. Nach 3 Jahren werden die ausgemustert. Ein Gebrauchtmarkt für BEV existiert dort so gut wie nicht.
MK meint
@Referendar:
Man soll doch nicht alles ungeprüft glauben, was man in Boulevard-Medien liest ;)
Also: Ja, einen Gebrauchtwagenmarkt für BEV gibt es dort quasi nicht…das liegt aber nicht daran, dass man in China die Autos nach 3 Jahren ausmustern würde, sondern daran, dass es (auch bei Verbrennern übrigens) dort üblich ist, Fahrzeuge sowohl als Privatkunde als auch als Firmenkunde zu kaufen und zu fahren, bis es kaputt ist…auch wenn das nach 20 Jahren ist. Auch einen Leasingmarkt oder einen Gebrauchtmarkt für Verbrenner gibt es in China also nur als Randerscheinung.
Und natürlich auch daran, dass der chinesische Markt ein stark wachsender, recht „neuer“ Markt ist: Während hier der Bestand an PKW nur minimal wächst, fast jedes neue Fahrzeug also ein altes ersetzt, ist in China immer noch ein Gutteil der PKW für Erstkäufer, die gar kein altes Fahrzeug haben, dass auf einem Gebrauchtwagenmarkt oder dem Schrottplatz landen könnte. Auch das lässt den Gebrauchtwagenmarkt im Vergleich zu den Neuverkäufen winzig erscheinen.
Der tatsächlich existierende Preiskampf ist dann noch mal ein anderes Thema.
M. meint
Vor allem: um das richtig zu machen, musst du die Autos halb zerlegen, sonst kommst du an verschiedene Stellen gar nicht dran.
Und selbst dann wird es – vor allem für den Kunden – später später nachzuvollziehen, was nun ordentlich geschützt ist, und wo es vielleicht eine kleine Lücke gibt.
Davon will nach 6 Jahren vermutlich kein Importeur mehr etwas wissen.
Aber immerhin, das Problem hat man erkannt.
Wird es eigentlich eine europäische Software geben, oder wird man schlicht die Wörter im UI übersetzen, und das war’s dann?
Referendar meint
Die schon Grottenschlechten Übersetzungen offizieller EU Fahrzeuge, beim ORA zb. “ Fön“ statt Lüfter, lassen darauf schließen dass es keine europäische Software geben wird. Das wird lustig.
M. meint
Wobei „Fön“ schon Charme hat.
Darauf ist zuvor nur noch niemand gekommen 😁
Referendar meint
In China herrscht eben noch ein traditionelles Rollenbild, vllt wurde bei der Funky Cat an eine bevorzugt weibliche Kundschaft gedacht?
David meint
In China wird auch gestreut. Es gibt sehr kalte Regionen. Es gibt aber kein Interesse ein Auto für längere Zeit zu erhalten. Insofern ist ein Rostschutz völlig sinnlos.
Referendar meint
Im Gegenteil, die Chinesen freuen sich wenn ihr Auto schnell Rost ansetzt, dann haben sie schon einen Grund schnell ein neues zu kaufen. Konsum über alles und um jeden Preis, die neue chinesische Philosophie.
M. meint
Also doch das Wegwerfauto, nach dessen Existenz ich hier kürzlich fragte, mir aber versichert wurde, dass das nicht stimmt?
Man weiß ja gar nicht mehr, was man noch glauben darf. ;-)
MK meint
@M.
Dann auch hier an der Stelle nochmal:
Woher kommt das Gerücht des „Wegwerfautos“ in China? Das kommt in erster Linie aus zwei Fakten, die so stimmen und aus denen ein deutscher Redakteur dann die falschen Schlüsse gezogen hat:
– In China ist das Durchschnittsalter von zugelassenen PKW bedeutend geringer als in Deutschland. Das liegt aber nicht daran, dass Autos jünger verschrottet würden, sondern daran, dass der PKW Bestand dort einfach rasant wächst: Wenn es noch vor 15 Jahren nur einen Bruchteil an Fahrzeugen gab, gibt es natürlich deutlich weniger 15 Jahre alte PKW als ein Jahr alte PKW, was das Durchschnittsalter verzerrt.
– In China werden im Verhältnis zu den Neuwagen deutlich weniger Gebrauchtwagen verkauft und zugelassen als in Deutschland. Auch das liegt aber nicht daran, dass z.B. Leasingrückläufer nach 3 oder 4 Jahren verschrottet würden, sondern daran, dass Leasing z.B. in China überhaupt nicht üblich ist. Da werden PKW gekauft und dann so lange gefahren wie es geht….auch von Firmen.
Richtig faszinierend wird diese (übrigens weltweit wirklich nahezu ausschließlich in Deutschland verbreitete) Erzählung des „Wegwerfautos in China“ dann bei dem Aspekt, was denn mit den Autos angeblich passieren würde: Was dem Redakteur nämlich offensichtlich durchaus bewusst war, ist, dass so viele Autos in China gar nicht verschrottet werden. Also versteigt er sich in Theorien, dass es gigantische Halden mit Millionen von Gebrauchtwagen geben müsse. Warum die aktuellen Besitzer der PKW dann aber nicht zumindest versuchen sollten, diese am Markt anzubieten und wo diese Halden sein sollen, erklärt er aber nicht.
Was übrigens tatsächlich das Durchschnittsalter drücken und die Theorie weiter angeheizt haben dürfte: So wie sich auch in Deutschland Ex-Mietwagen, Unfallwagen oder Autos mit sehr hoher Kilometerleistung eher schlecht verkaufen und dann als Gebrauchtwagen oft in Südosteuropa landen, dürften auch die chinesischen Gebrauchtwagen, die dann doch auf den Markt kommen, oft im Ausland (z.B. Ost-Russland, Pakistan, Indien, Kasachstan usw.) landen…generell halt immer da, wo Lohnniveaus niedriger sind und Leute sich mit dem zufrieden geben (müssen), was andere nicht mehr wollen.