Die weltweite Verbreitung von Elektrofahrzeugen macht die Branche stärker abhängig von Entwicklungen im Automobilsektor und der gesamtwirtschaftlichen Lage. Geopolitische Spannungen, Handelsmaßnahmen und Unterbrechungen wichtiger Versorgungswege wie der Straße von Hormus wirken sich auf Rohstoffpreise, Lieferketten und Kraftstoffmärkte aus. Der Iran-Konflikt trifft die Metallindustrie, etwa weil die Region ein wichtiger Exporteur von Schwefel ist, der für Schwefelsäure und damit für die Gewinnung von Lithium, Nickel, Mangan und Kobalt benötigt wird.
Das geht aus dem „Electric Vehicle Outlook 2026“ von BloombergNEF (BNEF) hervor. Die Verkaufszahlen neuer Elektro-Pkw stiegen demnach im März und April 2026 in vielen Märkten sprunghaft an. Ein eindeutiger Zusammenhang mit höheren Preisen an den Tankstellen lässt sich jedoch nicht herstellen. Größeres Interesse an Stromern führt wegen der hohen Preise für Neuwagen nicht zwangsläufig sofort zu Verkäufen und dürfte sich eher auf den Gebrauchtwagenmarkt auswirken.
Chinesische Hersteller dominieren viele E-Märkte
Chinesische Autohersteller werden häufig so dargestellt, als würden sie Überseemärkte mit billigen Elektrofahrzeugen „überschwemmen“. Das Vereinigte Königreich zeigt ein anderes Bild: BYD gewinnt dort Marktanteile und verkauft einige vergleichbare Modelle deutlich teurer als in China, teils für mehr als den doppelten Preis. Überseemärkte erscheinen damit nicht nur als Absatzmärkte für kostengünstige Exporte, sondern auch als Möglichkeit, Käufer zu westlichen Marktpreisen zu finden.
In einigen aufstrebenden Stromer-Märkten übersteigt die Verbreitung von Elektrofahrzeugen mittlerweile jene der USA. Vietnam, Singapur und Thailand elektrifizieren schneller als der globale Durchschnitt. In Singapur und Thailand haben preisgünstige und technologisch fortschrittliche Modelle chinesischer Marken die Verbreitung vorangetrieben.
China machte 2025 63 Prozent des weltweiten Absatzes von Elektro-Pkw aus, während 68 Prozent aller weltweit verkauften Elektroautos auf chinesische Autohersteller entfielen. In Brasilien kamen 96 Prozent aller verkauften Elektrofahrzeuge von in China ansässigen Herstellern, in Thailand entfielen 88 Prozent auf chinesische Marken. Zugleich zeigen Vietnam und die Türkei, dass hohe E-Fahrzeug-Marktdurchdringung auch mit begrenzter Abhängigkeit von chinesischen Autoherstellern erreicht werden kann.
In Vietnam verdoppelte sich der Stromer-Absatz 2025 fast auf 179.000 Fahrzeuge. Nur 2 Prozent dieser Verkäufe stammten von chinesischen Autoherstellern, während 98 Prozent auf den einheimischen Hersteller VinFast entfielen. In der Türkei wurde Togg 2025 nach BYD zur zweitgrößten E-Auto-Marke des Marktes, unterstützt durch Markentreue und eine Steuerstruktur, die heimische Produktion begünstigt.
Elektroautos bleiben teurer, Preisabstand sinkt aber
Batterieelektrische Fahrzeuge waren in Deutschland, Italien und Großbritannien in der Anschaffung durchschnittlich weiterhin 17 Prozent teurer als konkurrierende Verbrenner. Der durchschnittliche Preisaufschlag sank jedoch gegenüber den 2024 beobachteten 34 Prozent. In den USA lag der Kaufpreis eines rein batteriebetriebenen Autos im Durchschnitt 24 Prozent höher als der eines Verbrennungsfahrzeugs, der höchste Wert unter den analysierten Märkten.
Ein sprunghafter Anstieg der Nachfrage nach stationären Speichersystemen verändert die Batterieindustrie und zieht große Automobilhersteller an. Die Analysten von BNEF hoben ihre Prognose für die Nachfrage nach stationären Speicherbatterien im Zeitraum 2025 bis 2035 im Vergleich zum Vorjahr um 27 Prozent an. General Motors, Ford und Volkswagen expandieren in diesen Sektor und widmen Batteriefertigungskapazitäten um.
BNEF erwartet, dass die Gesamtnachfrage nach Kraftstoffen für den Straßenverkehr 2029 ihren Höchststand erreicht. Danach sinkt sie nicht rapide, sondern bleibt mehrere Jahre lang auf einem Plateau. Bis 2040 werden durch Flottenelektrifizierung und Effizienzverbesserungen im Straßenverkehr 25,8 Millionen Barrel Kraftstoffnachfrage pro Tag vermieden, viermal so viel wie in Luftfahrt, Schifffahrt und Petrochemie zusammen.

Futureman meint
Bei der Überschrift habe ich mich schon auf neue Gesamt-Zahlen gefreut. Allerdings fehlen diese im Text. Dafür werden einige stichpunktweise herausgepickt, die aber alle ein massives Wachstum erkennen lassen.
Alles andere, wie in vielen anderen Medien, ist nur eine merkwürdige Darstellung von Wachstum. Denn wenn im vorletzten Jahr 100, im letzten Jahr 200 und in diesem Jahr 300 verkauft werden, lassen sich die Zahlen je nach belieben schlecht beschreiben. z.B., das Wachstum ist um 50% eingebrochen, nach einer Verdoppelung nur noch eine schwache Steigerung usw.
Die Wirklichkeit zeigt aber eine steile Kurve, die es so noch bei keiner Antriebstechnik vorher gab.
Besonders erfreulich sind Länder, die innerhalb kürzester Zeit ihren kompletten Automarkt umkrempeln und zeigen, dass es geht.
Matze meint
Ist das dieses exponentielle Wachstum?
MK meint
@Matze:
Abgesehen davon, dass hier im Artikel gar keine Zahlen stehen, die die Bewertung zulassen würde, sondern nur die pauschale Behauptung, dass sich das Wachstum abschwäche?
Es ist ja so, dass 2026 das erste Jahr ohne umfangreiche Förderung von BEV ist, wo teils 70% der weltweiten Verkäufe hingingen. Auch in Deutschland hat sich z.B. 2024 gezeigt, dass dies zu kurzzeitigen Dellen führt ohne das generelle Wachstum zu beeinträchtigen.
Das andere ist: Wo genau ziehen sie die Grenze für „exponentielles Wachstum?
Ein Beispiel: In Jahr 1 werden 1 Mio. BEV zugelassen, in Jahr 2 sind es 2 Mio. (+100%/+1 Mio. Stück gegenüber Vorjahr), in Jahr 3 3,5 Millionen (+67%/+1,5 Mio.), danach 5,5 (+57%/+2 Mio.), dann 8 Mio (+45%/+2,5 Mio.): Das prozentuale Wachstum schwächt sich immer weiter ab, man kann also schon von einem sich „verlangsamenden Wachstum“ sprechen. In absoluten Zahlen wächst es aber jedes Jahr schneller als im Jahr zuvor.
Matze meint
Google doch Mal „exponentiell“, dann darfst du dich gerne wieder melden.
MK meint
@Matze:
Die mathematisch korrekte Definition ist mir schon klar. Es sollte aber auch klar sein, dass es nicht das ist, wie es umgangssprachlich auch in hunderten anderen Themengebieten verwendet wird.
MK meint
Nachtrag: Es muss natürlich heißen: „…2026 das erste Jahr ohne umfangreiche Förderung IN CHINA…“
South meint
Natürlich willst du genau auf das Gegenteil hinaus, aber man kann sich ja die BEV Zulassungszahlen anschauen und auch exponentielles Wachstum hat eine genaue Definition. Die einfache Antwort. Ja.
Die BEV haben exponentielles Wachstum und das tatsächlich stabil über einen längeren Zeitraum. Fast schon gruselig Bilderbuchmäßig, eher ungewöhnlich. Mit zum Teil konstant hohen Wachstumswerten von um die 40%+x (zum Teil deutlich höher) gings ja ne Weile grob ganz nach der Fibonacci-Folge. Und deshalb kann man ohne pathetische Übertreibung ganz sachlich und nüchtern sagen, es ist für die Branche ein Jahrhundertereignis, was definitiv in die Geschichtsbücher eingehen wird. Und das Beste. Der Ausblick ist ohne Zweifel positiv. Auch wenn wir das kaum kennen, aber der eAutoanteil könnte natürlich auch mal ein paar Jahre stagnieren. Wäre trotzdem ein Erfolg. Danach sieht aber ganz und gar nicht aus. Im Gegenteil.
Ob sich das eAuto durchsetzen wird, der Käse ist schon lange gegessen. Ob wir jetzt 2028 oder 2030 oder 2032 die 50% BEV sehen, ob wir jetzt 100% in 2035 oder 2040 sehen. Für die Hersteller und auch für die Kunden völlig bedeutungslos… kein Hersteller wird von letzten paar Prozenten Verbrenner leben können und für die letzten Verbrennerkäufer wirds schlicht teuer…
MK meint
@South:
…und schwieriger, eine Tankstelle zu finden…