Das Bundesumweltministerium hat Berichte zurückgewiesen, wonach das neue Stromer-Förderprogramm der Bundesregierung übermäßig chinesische Hersteller begünstigt. Das Ministerium unter Minister Carsten Schneider (SPD) widersprach damit den Vermutungen über einen von Medien berichteten „China-Schock“ bei der neuen deutschen Elektroauto-Kaufprämie.
Das Förderprogramm zielt auf die Neuanschaffung von rund 800.000 E-Fahrzeugen ab, darunter Elektroautos, Plug-in-Hybride und „Range-Extender“-Elektrofahrzeuge. Die Subvention ist nicht auf deutsche Marken beschränkt, sondern umfasst auch nach Europa strebende Hersteller aus China wie BYD, MG oder XPeng.
Zuvor gab es Berichte über eine mögliche indirekte Unterstützung der chinesischen Automobilindustrie. Zudem äußerte Burkhard Weller, Präsident des Verbands der Automobilhändler Deutschlands, gegenüber der Wirtschaftswoche: „Als vor wenigen Wochen klar wurde, wie die neue Prämie ausgestaltet ist, ist der Absatz chinesischer E-Autos in unseren Autohäusern explodiert. Wir konnten den Absatz chinesischer E-Automarken um mehr als das Doppelte steigern.“
Das Bundesumweltministerium entgegnete nun laut dem Portal Electrive in einem Rundschreiben an Medienvertreter auf diese Darstellungen: Die Vermutungen über einen Hauptprofit chinesischer Hersteller entsprächen nicht den bisherigen Daten. Allerdings sei die Anzahl der Bewilligungen noch begrenzt, repräsentative Aussagen seien daher noch nicht seriös möglich.
Erste Anhaltspunkte aus den Anträgen der vergangenen Woche, die über 50.000 Stück umfassen, deuteten jedoch darauf hin, dass weniger als 15 Prozent der Anträge auf Fahrzeuge chinesischer Hersteller entfallen. Bei vollelektrischen Autos sei dieser Anteil noch geringer als bei Plug-in-Hybriden. Eine detaillierte Auswertung soll folgen, sobald ausreichend Bewilligungen vorliegen.
Ein Ausschluss chinesischer Fahrzeuge ist im aktuellen Förderprogramm nicht vorgesehen. So heißt es auch in der aktuellen Erklärung für Medien: „Auf Grundlage der geltenden europäischen Rechtslage wären Regelungen, die europäische Fahrzeuge bevorzugen, derzeit noch nicht ohne Weiteres zulässig.“ Man sei aber bereit nachzusteuern, wenn eine „Made in Europe“-Regel im Rahmen des Industrial Accelerator Acts komme.

Dagobert meint
Wo genau soll hier eigentlich der Widerspruch oder gar das Dementi liegen? Chinesische Importmarken kamen 2025 – einschließlich Smart und Polestar – auf rund 7,4 Prozent des deutschen BEV-Marktes. Wenn nun „weniger als 15 Prozent“ der Förderanträge auf chinesische Hersteller entfallen, ist damit selbst ein nahezu verdoppelter Anteil vollständig vereinbar.
Genau das passt zu Wellers Aussage, der Absatz chinesischer E-Automarken habe sich in seinen Autohäusern mehr als verdoppelt. Die kommunikativ geschickt gewählte Formulierung „unter 15 Prozent“ widerlegt den behaupteten Absatzschub daher nicht – sie könnte ihn vielmehr indirekt bestätigen.
MK meint
Ich glaube, was man auch nicht vergessen darf: Unabhängig von der deutschen Prämie sind zuletzt Förderprogramme in China für BEV ausgelaufen und die chinesischen Hersteller drängen, um die Werke auszulasten und alternative Absatzmärkte zu finden, mit hohen Rabatten auf den Markt hier.
Außerdem trifft die laut Händlerverband „verdoppelte Nachfrage“ ja nicht auf einen stagnierenden Markt, sondern auf einen der insgesamt stark gewachsen ist (immerhin sind wir aktuell in 2026 bei rund 40% mehr BEV-Absatz als im Vorjahr).
MrBlueEyes meint
Da müssen ja die krassesten Experten am Werk sein… die aktuellen guten Preis-Angebote der Chinesen gibt es auch noch nicht so lange und paar Monate Lieferzeit hat man u.U. auch…
Und da man die Förderung erst bei Zulassung beantragen kann, ist der jetzige Zeitpunkt denkbar schlecht geeignet für eine Bewertung…
Einfach mal bis Ende 2026 oder 2027 abwarten… dann wird das erst aussagefähig sein…