Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat einen Kommentar zur „anhaltenden Standortkrise“ veröffentlicht. Der VDA fordert umfassende Reformen, um deutsche Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
„Der Verband der deutschen Automobilindustrie und seine Mitgliedsunternehmen weisen seit Jahren anhand konkreter Zahlen, Daten und Fakten auf die im internationalen Vergleich schlechten Standortbedingungen in Deutschland und Europa hin. Unsere Warnungen wurden zwar wahrgenommen, die Konsequenzen – also der notwendige Kurswechsel – blieben bisher bedauerlicherweise weitgehend aus“, so Präsidentin Hildegard Müller.
Alles, was Wachstum schafft, müsse Priorität haben – „sei es mit Blick auf die Sozialabgaben, Steuern, Energiepreise, Bürokratieaufwand oder auch Flexibilisierungen am Arbeitsmarkt“. Diese Felder müssten – gemeinsam mit einem technologieoffenen Ansatz mit Blick auf die Zukunftsherausforderungen – weiter dringend und umfassend adressiert werden.
„Die Realität hat die politischen Ziele und Ansätze überholt“
Die Realität habe die politischen Ziele und Ansätze überholt und gefährde zunehmend auch Arbeitsplätze. Die Standortkrise treffe die gesamte europäische Industrie, die Folgen seien täglich sichtbar und spürbar – und sie würden zunehmend dramatischer. „Die Werke bei Herstellern und Zulieferern werden wir so nicht alle halten können. Wir sollten daher die Standorte hier z. B. auch für ausländische Hersteller öffnen. Mit jedem Standort, den wir hier halten können, sichern wir Arbeitsplätze“, sagt die VDA-Chefin.
Die Erkenntnis, dass nur ein maximal wettbewerbsfähiger Standort der Schlüssel für eine wirkliche, mittel- und langfristige Veränderung sei, bleibe entscheidend. Dies sei allerdings immer noch nicht übergreifender Konsens, weswegen die notwendigen Ableitungen ausblieben.
„Jetzt ist Handeln gefordert. Die Handlungsoptionen sind weniger, dafür aber umso notwendiger geworden“, mahnt Müller. „Deutschland und Europa sind in einer Lage, in der es mutige Entscheidungen braucht. Das wird auch mit erheblichen Veränderungen für die Menschen verbunden sein, mit dem Ende von Gewohnheiten und Ansprüchen, die sich unser Land bedauerlicherweise so auch in Teilen aktuell nicht mehr leisten kann.“
„Umfassende und einschneidende Reformen sind notwendig“
Umfassende und einschneidende Reformen seien notwendig, um zurück zu Wachstum zu finden. „Nur so können wir auch den kommenden Generationen ein Leben in Wohlstand, mit ausreichend Arbeitsplätzen und funktionierenden Sozialsystemen ermöglichen. Es geht also auch um Generationengerechtigkeit, um die soziale Notwendigkeit, zu handeln“, so die Lobbyistin.
Die Unternehmen der Automobilindustrie müssten mit Blick auf die andauernden und akuten Standortprobleme weitere Reformen und Anpassungen vornehmen. „Sie stehen vor der Aufgabe, ihre Wettbewerbsfähigkeit und ihr Geschäftsmodell konsequent zu sichern und neu zu gestalten. Dazu gehören Kostendisziplin, leider auch notwendige Personalanpassungen und tiefgreifende Reformen der Geschäftsmodelle.“
Diese Entscheidungen seien schwierig und müssten im Dialog mit allen Beteiligten ausgestaltet werden. „Sie werden von uns allen Veränderungsbereitschaft verlangen“, unterstreicht die VDA-Präsidentin. „Diesen Handlungsbedarf ganz oder in Teilen zu leugnen und die eindeutige Faktengrundlage nicht anzuerkennen, ist keine Option. Es ist kurzsichtig und wegen seiner Konsequenzen unsozial.“
In den anstehenden Diskussionen geht es laut dem deutschen Autoindustrieverband darum, die notwendige Grundlage dafür zu gestalten, dass Unternehmen auch in Zukunft erfolgreich investieren, wachsen und neue Arbeitsplätze in Deutschland schaffen können. Nur wirtschaftlich starke Unternehmen könnten Wohlstand sichern, Arbeitsplätze sichern und den kommenden Generationen echte Zukunftsperspektiven eröffnen.
„Angesichts des verschärften internationalen Wettbewerbs gibt es zu einer Kurskorrektur in Berlin und Brüssel keine realistische Alternative. Wer dauerhaft wettbewerbsfähig bleiben will, muss heute die Voraussetzungen für den Erfolg von morgen schaffen“, so VDA-Chefin Müller abschließend.

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