Der Gebrauchtwagenmarkt für batterieelektrische Fahrzeuge tritt in eine neue Phase ein. Mit dem Hochlauf der Elektromobilität in den vergangenen Jahren wächst nun die Zahl junger Rückläufer aus Leasing- und Flottenverträgen deutlich. Damit wird das Remarketing gebrauchter batterieelektrischer Fahrzeuge (BEV) vom operativen Nebenthema zum strategischen Steuerungsfeld.
Das zeigt die Studie „Vermarktung von gebrauchten BEV-Fahrzeugen – Chancen und Herausforderungen“, die die Unternehmensberater von Deloitte im Auftrag des Verbands markenunabhängiger Mobilitäts- und Fuhrparkmanagementgesellschaften (VMF) erstellt hat.
Der europäische Gebrauchtwagenmarkt für batterieelektrische Fahrzeuge steht demnach an einem Wendepunkt. Laut der Branchenstudie wird ab diesem Jahr eine Welle junger gebrauchter E-Autos den Markt überschwemmen. Die meisten Fahrzeuge sind zwischen 0 und 5 Jahren alt. Während das Angebot rasant wächst, bleibt die Nachfrage jedoch eher gering, da sich viele Käufer unsicher sind, wie sich der Wert der Fahrzeuge entwickelt und wie zuverlässig die Batterien sind.
Eine vom Marktbeobachter DAT im Jahr 2026 durchgeführte Befragung von 2500 Autokäufern zeigt, dass 72 Prozent der Interessenten am Wiederverkaufswert zweifeln, 70 Prozent teure Reparaturen befürchten, 67 Prozent die Ladeinfrastruktur bemängeln, während 65 Prozent Batterierisiken fürchten.
Wie die Untersuchung zeigt, kommt dem Thema Vertrauen eine besondere Bedeutung zu. Demnach beeinflusst Unsicherheit über verschiedene Faktoren, wie der Batteriezustand oder technologischer Fortschritt, die Zahlungsbereitschaft der Käufer unmittelbar. Transparenz müsse deshalb Teil des Produkts werden – nicht nur Teil der Vermarktungskommunikation. „Die zentrale Herausforderung ist nicht das Fahrzeug selbst, sondern das Vertrauen der Käufer in Werthaltigkeit, Batteriequalität und langfristige Betriebskosten“, so Ingo Schmuckall von Deloitte.
„Vermarktung gebrauchter E-Fahrzeuge muss aktiv gesteuert werden“
Gebrauchte BEVs verlieren laut der Auswertung bislang deutlich stärker an Wert als Verbrenner, zwischen 2022 und 2024 lag der Wertverlust bei rund 44 Prozent. Die Studie macht den Analysten zufolge deutlich: Remarketing gebrauchter BEV ist kein nachgelagerter Verkaufsprozess mehr, sondern ein strategisches Steuerungsfeld. Wer Restwerte sichern wolle, müsse früh ansetzen – bei Vertragslaufzeiten, Fahrzeugdaten, Batteriezustand, Pricing, Aufbereitung und Kanalwahl. „Denn volatile Preise und technische Entwicklungssprünge können Leasingraten, Margen und Bilanzrisiken unmittelbar beeinflussen. Und: Der richtige Kanal entscheidet über Liquidität und Geschwindigkeit.“
Zertifikate zum Batteriezustand (State of Health – SoH), die diesen dokumentieren, werden laut den Experten zum neuen Vertrauensstandard. Der EU-Batteriepass, der ab 2027 verpflichtend wird, sorgt für lebenszyklusweite Batteriedaten und schafft die Grundlage für belastbare Preisfindung und Rücknahmeprozesse. Digitale Services wie Over-the-Air-Updates und Garantiepakete stärken zusätzlich das Vertrauen der Käufer. „Wer Restwerte stabilisieren, Leasingraten wettbewerbsfähig halten und Vertrauen im Markt schaffen will, muss gebrauchte BEV aktiv steuern – datenbasiert, transparent und mit klaren Prozessen“, unterstreicht Frank Hägele, Vorsitzender des VMF.
„Transparenz wird zum Produktbestandteil“
Die größten Unsicherheiten liegen in der Förder- und Steuerpolitik, der Entwicklung der Batterietechnologie, der Ladeinfrastruktur und der Standardisierung von Batteriedaten, heißt es weiter. „Wer jetzt in Transparenz, digitale Services und Kreislaufwirtschaft investiert, kann vom dynamischen, aber volatilen BEV-Gebrauchtmarkt profitieren“, so die Berater. Professionelles Remarketing, innovative Leasing- und Abo-Modelle sowie ein starker Fokus auf Batteriedaten und Vertrauen seien die Erfolgsfaktoren der kommenden Jahre.
„Der Markt steht trotz aller Unsicherheiten vor einer großen Chance. Wer früh Standards für Vertrauen und Transparenz etabliert, kann sich nachhaltige Wettbewerbsvorteile sichern“, fasst VMF-Vorsitzender Hägele zusammen.
Die im Auftrag des Verbands von Deloitte erstellte Studie soll zeigen, wie Mobilitätsdienstleister diese Aufgabe systematisch angehen können. Fazit des VMF: Der Markt für gebrauchte BEV wird wachsen, aber er wird nicht automatisch funktionieren. Erfolgreich seien diejenigen, die Rückläufer datenbasiert steuern, Transparenz standardisieren und Absatzpfade professionell orchestrieren.

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