Der deutsche Pkw-Markt verzeichnet aktuell ein Wachstum, das laut dem Mobilitätsexperten Constantin Gall von der Unternehmensberatung EY als „Scheinwachstum“ einzustufen ist. Dieses werde primär durch staatliche Kaufanreize verursacht, erklärte er im Gespräch mit der Automobilwoche. Die E-Auto-Kaufprämie treibe derzeit den Neuwagenmarkt an und führe zu einem Nachfrageboom bei Elektroautos, wobei dieser Effekt jedoch an die Fortdauer der Förderung gebunden sei. Nach dem Auslaufen drohe ein Rückgang der Zulassungen.
Trotz des Zuwachses im Bereich der Elektroautos lagen die Neuzulassungen im Juli um 19,4 Prozent unter dem Niveau von 2019. EY prognostiziert für das Gesamtjahr ein Marktwachstum von etwa 3 Prozent gegenüber 2025, wobei das Absatzniveau weiterhin rund 18 Prozent unter dem Vor-Corona-Jahr bleiben dürfte.
Internationale Hersteller profitieren stark vom Elektroboom. Nach Daten des Verbands der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) entfielen im Juli fast die Hälfte aller neu zugelassenen Elektroautos auf internationale Marken. Der BEV-Absatz dieser Hersteller stieg um 93,7 Prozent auf 38.824 Fahrzeuge, was einem Rekord-Marktanteil von 49,4 Prozent im Elektrosegment entspricht. VDIK-Präsidentin Imelda Labbé sieht darin eine Folge des breiten Angebots bezahlbarer Elektroautos: „Das starke Produktangebot an bezahlbaren BEVs im Einstiegssegment kommt gut an. Internationale Hersteller liefern mittlerweile jedes zweite batterieelektrische Fahrzeug in Deutschland.“
Besonders dynamisch entwickeln sich chinesische Anbieter unter den Importeuren. Der Absatz chinesischer Hersteller stieg im Juli laut EY um 85,5 Prozent, wodurch sich ihr Marktanteil von 3,9 Prozent im Vorjahr auf 7,1 Prozent erhöhte. Im Gegensatz dazu sank das Volumen deutscher Hersteller leicht von 61,3 auf 60,6 Prozent.
Ein besonders großer Zuwachs ist beim China-Hersteller BYD zu verzeichnen, dessen Zulassungen um 365 Prozent auf 5240 Fahrzeuge stiegen und einen Marktanteil von zwei Prozent erreichten. Auch jüngere Anbieter wie Leapmotor oder XPeng verzeichneten hohe Wachstumsraten.
Die Aussichten für den deutschen Automarkt bleiben EY zufolge durchwachsen. Eine schwache Konjunktur, hohe Energiekosten sowie geopolitische Unsicherheiten belasteten Haushalte und Unternehmen gleichermaßen. Zudem nehme der Wettbewerbsdruck durch die Expansion chinesischer Hersteller in Europa zu.
Für deutsche Autobauer sieht Branchenexperte Gall mittelfristig eine Chance auf den Rückgewinn von Marktanteilen. Durch neue Elektro-Einstiegsmodelle, die ab Ende dieses Jahres und verstärkt 2027 erscheinen sollen, dürfte sich ihre Position im volumenstarken Einstiegssegment verbessern.


MK meint
Mal wieder eine typische EY „wir finden immer das Haar in der Suppe, warum BEV angeblich doch nicht so beliebt sind“-Aussage:
Dass eine Förderung einen Anstieg von Neuzulassungen und das Auslaufen direkt im Anschluss erstmal eine Delle bringt, ist logisch und wird sich nie vermeiden lassen. Allerdings wurde auch zuletzt gemeldet, dass insgesamt 100.000 Anträge auf Förderung beim Bund eingegangen sein…zu einem Zeitpunkt, an dem schon über 600.000 BEVs und Plugin-Hybride in diesem Jahr zugelassen wurden. Für mehr als 80% der zugelassenen und auf Basis der Technik förderberechtigten Fahrzeuge wurde also kein Antrag gestellt…z.B. weil sie von Firmen (alleine das dürften locker 300.000 Fahrzeuge sein und damit 3mal mehr als Fahrzeuge, für die die Prämie besantragt wurde) oder Topverdienern gekauft worden sind und deshalb nicht förderberechtigt sind.
Was den Rest des Artikels angeht: Natürlich wachsen die Anteile internationaler Hersteller…während VW noch ankündigt, demnächst mal die ersten teuren Varianten des ID.Polo auszuliefern, gibt es Fahrzeuge wie BYD Dolphin Surf, Hyundai Inster und Co längst billiger und (nahezu) sofort verfügbar beim mittelständischen Autohändler des Vertrauens in der Nachbarschaft. Hier hat die deutsche Industrie einfach geschlafen (bzw. sich auf Premiumfahrzeuge und steigende Margen konzentriert).
ID.alist meint
„Trotz des Zuwachses im Bereich der Elektroautos lagen die Neuzulassungen im Juli um 19,4 Prozent unter dem Niveau von 2019.“
Wenn das die Qualität von EY ist, frage ich mich wieso sich manche Herren sich weiterhin von solche Firmen beraten lassen.
Ja, die Europäer haben gelernt, dass das Auto nicht mehr der Mittelpunkt des Lebens zu sein braucht. Verkaufszahlen nach Corona, mit den Zahlen vor Corona zu vergleichen ist nutzlos.