Die Preise für gebrauchte Elektroautos in Deutschland sind seit März deutlich gestiegen. Der mediane Angebotspreis erhöhte sich von 29.390 Euro im März auf 31.900 Euro im April, 32.970 Euro im Mai und 33.950 Euro im Juni. Im Juli sank er leicht auf 33.900 Euro und lag damit weiterhin 15 Prozent über dem Märzniveau. Zugleich war der Juli der erste Monat seit Beginn der Angebotsverknappung, in dem die Preise nicht weiter stiegen.
Das berichtet AutoUncle, eigenen Angaben nach Europas Preisvergleichs- und Bewertungsdienst für Gebrauchtwagen, der Händlerangebote aus 14 europäischen Märkten aggregiert. Die aktuelle Analyse umfasst gebrauchte batterieelektrische Fahrzeuge, die von deutschen Händlern auf großen Online-Marktplätzen zum Verkauf angeboten werden. Private Verkäufer, Leasingangebote und Gebrauchtwagen mit null Kilometern Laufleistung sind ausgeschlossen.
Der aktive Bestand gebrauchter Elektroautos ging der Auswertung zufolge von März bis Juni kontinuierlich zurück. Trotz einer teilweisen Erholung im Juli lag die Zahl der verfügbaren Fahrzeuge noch 20 Prozent unter dem Märzniveau. Gleichzeitig sank der Absatz zwischen März und Juli um 26 Prozent. Ein einzelner Monat reicht jedoch nicht aus, um daraus eine nachhaltige Trendwende abzuleiten.
Der Preisanstieg zeigte sich auch bei einzelnen Modellen. Zwölf der 15 meistverkauften gebrauchten Elektroauto-Modelle wurden zwischen März und Juli teurer, während bei allen 15 Modellen die Verkaufszahlen zurückgingen. Der VW ID.3 verteuerte sich von 20.949 Euro auf 28.750 Euro und damit um 37 Prozent, der Skoda Enyaq iV von 30.880 Euro auf 36.419 Euro beziehungsweise um 18 Prozent. Günstiger wurden lediglich der Audi e-tron mit minus 0,9 Prozent und der Audi A6 e-tron mit minus 5 Prozent. Der Fiat 500e blieb nahezu unverändert.
Nachfragesprung lässt Bestände schrumpfen
Im April war der Absatz gebrauchter Elektroautos deutlich gestiegen. Fahrzeuge verschwanden dadurch schneller aus dem Markt, als Händler sie ersetzen konnten, während die Bestände weiter schrumpften. Die genaue Ursache dieses Nachfragesprungs lässt sich anhand der Daten nicht eindeutig bestimmen. Eine breitere AutoUncle-Analyse ergab zugleich, dass die Transaktionen mit gebrauchten batterieelektrischen Fahrzeugen im April in elf europäischen Märkten im Jahresvergleich um 84 Prozent zunahmen und Deutschland den stärksten Anstieg der untersuchten Märkte verzeichnete.
Bis Juni war der Absatz wieder unter das Märzniveau gefallen. Zu diesem Zeitpunkt hatten der Nachfragesprung im April und die anschließende Angebotsverknappung die Preise bereits deutlich erhöht. Im Juli erholten sich die Bestände teilweise, während der mediane Angebotspreis mit 33.900 Euro gegenüber 33.950 Euro im Juni nahezu unverändert blieb. Damit zeigten sich erstmals Anzeichen dafür, dass sich Angebot, Nachfrage und Preise wieder stärker annähern könnten.
Für die kommenden Monate ist laut den Branchenexperten entscheidend, ob Käufer zu den heutigen Preisen zurückkehren. Sollten sich die Bestände weiter erholen und die Verkäufe schwach bleiben, könnte der Aufwärtsdruck auf die Preise nachlassen. Einzelne Modelle könnten günstiger werden oder sich auf ihrem neuen Preisniveau stabilisieren. Steigt die Nachfrage bei größerem Angebot wieder, könnten sich die Preise dagegen erneut festigen. „Der Markt scheint sich von einer durch Knappheit geprägten Phase in eine Phase der Preisfindung zu bewegen“, sagt Marktanalyst Mads Noergaard.
Für Händler bleibt laut AutoUncle kurzfristig die Beschaffung wichtiger als eine aggressive Anpassung der Preise. Die Bestände liegen weiterhin deutlich unter dem Märzniveau, und ein einzelner Monat mit steigenden Beständen reicht nicht aus, um von einem Ende des Angebotsdrucks auszugehen. Zugleich zeigen die Modelldaten Unterschiede zwischen einzelnen Fahrzeugen. Händler sollten deshalb die Preise weiterhin modell- und ausstattungsspezifisch setzen.

David meint
VW Leasing lacht heute noch Tränen. Sie betrieben das Geschäft schon, als Murks noch in kurzen Hosen herumlief. Die zu guten Raten auf den Markt gebrachten MEB-Modelle werden ihnen jetzt aus der Hand gerissen.
MichaelEV meint
Ab dem 28. Februar war klar, wo die Reise hingeht. Im Februar waren gebrauchte VWs Lagerware und wurden feilgeboten, danach wird an passenden BEVs gekauft was kurzfristig verfügbar ist.
Ist natürlich endlich und wird sich wieder umkehren, v.a. wenn der Neuwagenmarkt sich an diese Nachfrage angepasst hat.
Was aber im Kontext der Tränen natürlich verschwiegen wird: Eine Energiekrise lässt BEVs boomen, auf Verbrenner hat es aber die gegenteilige Wirkung. Was macht wohl beim Verbrennerhersteller VW den Löwenanteil aus…
David meint
Die Zahlen gab’s doch schon und wurden hier besprochen. VW ist wieder auf dem Stand von vor Corona und der Gewinn pro Auto ist höher als bei Tesla.
MichaelEV meint
Was für Zahlen gab es? Die Auswirkungen der Energiekrise werden wegen Lieferzeiten erst noch so richtig wirksam.
Und was du ansonsten immer abfeierst sind die Ergebnisse (vergangene) der fossilen Produkte, nicht der BEVs. Das eine stirbt aus, dem anderen gehört die Zukunft.