Nur eine kleine Minderheit lehnt Elektromobilität grundsätzlich ab – doch das bedeutet nicht automatisch, dass alle anderen Verbrenner-Fahrenden zum Umstieg auf ein E-Auto bereit sind. Das zeigt die „EV Adopter Persona Study 2026“ der Marktforscher von UScale. Für die Studie wurden im Sommer über 1000 Verbrenner-Fahrende in Deutschland repräsentativ nach Alter, Geschlecht und Bundesland zu ihrer Einstellung zur Elektromobilität befragt.
Nur knapp 10 Prozent der Befragten lehnen ein E-Auto grundsätzlich ab, unabhängig von Einkommen, Wohnsituation oder Alter. Diese Haltung ist nicht an eine bestimmte Lebenssituation gekoppelt: Zwei Drittel davon leben zwar in eingeschränkten wirtschaftlichen Verhältnissen, das übrige Drittel verteilt sich über alle anderen Lebenssituationen. Ihre Ablehnung von E-Autos steht dabei nicht isoliert, sondern ist Teil einer generellen Zurückhaltung gegenüber neuen Technologien: Nur 12 Prozent bezeichnen sich als neugierig auf neue technische Entwicklungen (im Schnitt aller Befragten: 37 %).
Die Studie zeigt zwei große Gruppen mit ganz unterschiedlichen Motiven für ihre Zurückhaltung. Für rund die Hälfte aller Befragten ist der Umstieg aktuell aus praktischen Gründen keine Option: Der sogenannten Ausgebremsten Mehrheit fehlt es an Budget, an einer eigenen Lademöglichkeit oder an einem passenden Gebrauchtwagenangebot. Auch die öffentliche Ladeinfrastruktur wird abseits der Autobahn, etwa im eigenen Wohnumfeld, von vielen noch als unzureichend wahrgenommen. Anders als beim harten Kern der Verweigerer ist die Zurückhaltung also keine Frage der Überzeugung, sondern der praktischen Voraussetzungen.
Eine weitere Gruppe von rund 16 Prozent, oft ältere Menschen mit geringer Fahrleistung, ist schlicht zufrieden mit dem eigenen Status quo: Die sogenannten Zufriedenen Zuschauer hätten häufig die Voraussetzungen für ein elektrisches Auto, sehen aber aktuell weder Bedarf noch Anlass für einen Wechsel.
Ein Drittel ist bereit zum Umstieg
Das übrige Drittel, die sogenannten Innovativen Statuskäufer und die Informierten Realisten mit dem höchsten Budget aller Gruppen, plant den Umstieg bereits konkret oder steht ihm grundsätzlich offen gegenüber. Sie bilden das Fundament der aktuellen Marktentwicklung, in der inzwischen gut jede vierte Neuzulassung in Deutschland ein E-Auto ist.
Für Hersteller und Anbieter heißt das laut den Studienautoren: Wachstum entsteht künftig neben der weiteren Ausschöpfung der bereits offenen Zielgruppen vor allem durch den gezielten Abbau der praktischen Hürden bei den Ausgebremsten, während die zufriedene Gruppe eher einen neuen Anlass zum Wechsel braucht als zusätzliche Aufklärung. Ein besseres Gebrauchtwagenangebot entsteht mittelfristig von selbst, wenn mehr E-Auto-Neuwagen auf den Markt kommen.
Beim Laden seien sowohl Politik als auch Industrie gefragt, sagt UScale. Die Politik könne mit besseren Rahmenbedingungen und gezielter Förderung den Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur weiter unterstützen, etwa im Mehrfamilienhaus. Jetzt, wo der Hochlauf richtig in Gang komme, müsse auch die Energiewirtschaft den Ausbau weiter hochfahren, selbst wenn die Zulassungszahlen zuletzt hinter den Erwartungen zurückblieben. Allgemeine Informationskampagnen dürften dagegen eher die ohnehin schon informierten Gruppen erreichen.
„Zehn Prozent harte Verweigerer klingt erstmal nach einer kleinen Zahl, aber daraus automatisch neunzig Prozent potenzielle Käufer zu machen, wäre ein Trugschluss“, so Axel Sprenger, Geschäftsführer von UScale. „Für Hersteller und Anbieter zählt der Unterschied zwischen echter Ablehnung, praktischen Hürden und schlichtem Desinteresse. Nur wer diese Gruppen sauber unterscheidet, kann sie gezielt ansprechen.“

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