Der Betriebsratschef von Daimler Truck äußerte sich gegenüber der WirtschaftsWoche zur Zukunft der Elektromobilität und den damit verbundenen Herausforderungen für deutsche Standorte. Michael Brecht geht davon aus, dass die Antriebswende nicht zu einem Verlust von Arbeitsplätzen führen wird. Durch neue Komponenten wie Kühlsysteme, Kompressoren und elektrische Bauteile werde die Beschäftigung am Ende nicht geringer sein als bei Dieselmotoren.
Hinsichtlich der Marktdurchdringung von E-Trucks in Europa verzeichnet Brecht derzeit einen Anteil von lediglich fünf Prozent bei den Neuzulassungen. Daimler Truck nehme mit dem eActros eine Marktführerrolle ein, doch viele Kunden kauften wegen der derzeitigen Rahmenbedingungen noch keine elektrischen Lkw. Der Gewerkschafter fordert eine flächendeckende CO2-Maut, günstige Industriestrompreise sowie eine ausreichende Ladeinfrastruktur. Zudem müsse die Genehmigung von Depotladeeinheiten bei Spediteuren verbessert werden, hier gebe es in Deutschland teilweise zwei bis drei Jahre Wartezeit.
Ein weiteres Thema ist der Wettbewerb durch chinesische Anbieter, die mit subventionierten und preiswerten Fahrzeugen auf den europäischen Markt drängen. Brecht plädiert hierfür für „Local-Content“-Regeln zur Sicherung eines bestimmten Wertschöpfungsgrades in der EU sowie für eine Anpassung des Beihilferechts, um Arbeitsplatzabwanderungen nach Osteuropa zu verhindern.
Kritik übt der Betriebsratschef von Daimler Truck zudem an der Geschwindigkeit der Batterie-Strategie und der Abhängigkeit von China. „Wenn ich solche Technologien nur zukaufe, wird das wohl kaum gehen. Was ist bei der Batterie unsere Zukunftsstrategie? Das frage ich bei uns immer wieder“, so Brecht. „Wenn wir von China weniger abhängig sein wollen, müssen wir mutiger investieren und auch bereit sein, höhere Risiken einzugehen. Im Moment vermisse ich bei der Geschäftsführung mehr Mut und die Geschwindigkeit, um diese Fragen zu beantworten.“
Als Lösung schlägt Brecht eine europäische Batterieinitiative vor, bei der Hersteller kooperieren und der Staat sich an einem möglichen Joint Venture beteiligt. Sobald die Serienproduktion etabliert sei, könne der Staat die Unterstützung schrittweise reduzieren. Dies wäre laut Brecht sinnvoller als die reine Subventionierung von Batteriefabriken. Angesichts einer Prognose, dass in 20 bis 30 Jahren 70 Prozent der Fahrzeuge in Europa batterieelektrisch fahren könnten, müsse man sich auch „um das Herz des elektrischen Antriebsstranges“ kümmern.

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