Opel richtet den Blick bei seiner nächsten Fahrzeuggeneration stark auf Elektrifizierung und neue technische Plattformen. Der neue Astra soll in Rüsselsheim auf Basis der Architektur „STLA One“ des Mutterkonzerns Stellantis produziert werden. Für den Kompaktwagen ist der Elektroantrieb gesetzt, während über weitere Antriebsarten noch keine Entscheidung gefallen ist. Das sagte Florian Huettl, Opel-Chef und zugleich Deutschland-Verantwortlicher von Stellantis, der Automobilwoche.
Die STLA One ist nach Angaben von Opel in Länge und Breite skalierbar und umfasst neben der Unterboden-Struktur auch die elektronische Architektur mit Steuergeräten, Verkabelungen, zonalen Satelliten und Kundeninterfaces wie Bildschirmen. Die Plattform kann Batterien und Elektromotoren aufnehmen und ist zugleich für hybride Antriebe verschiedener Art geeignet. Opel beobachtet die Marktentwicklung und will seine Antriebsstrategie entsprechend der Nachfrage sowie im Rahmen der geltenden Gesetze anpassen.
Die gemeinsame technische Basis soll nach Huettls Darstellung dennoch nicht dazu führen, dass sich die Fahrzeuge der Stellantis-Marken für Kunden gleich anfühlen. Die Plattform bilde vor allem eine industrielle Grundstruktur. Wie auf dieser Basis das Fahrverhalten eines Opel abgestimmt werde, entscheide die Marke selbst. Auch Sitze und Cockpit entwickle Opel eigenständig.
Rüsselsheim prägt Chassis, Sitze und Licht
Eine besondere Rolle kommt dabei dem Entwicklungszentrum in Rüsselsheim zu. Dort soll weiterhin jeder Opel federführend entwickelt werden. Nach Huettls Angaben entstehen an dem Standort alle Technologien, die Opel speziell benötigt, darunter Chassis-Technik sowie Sitz- und Lichttechnologie. Darüber hinaus entwickelt das Zentrum Fahrassistenzsysteme für Stellantis, die in Dudenhofen getestet und für den europäischen Markt abgestimmt werden.
Huettl betont insbesondere das markentypische Fahrverhalten. Kunden hätten bei Opel bestimmte Erwartungen an Präzision, Qualität und Fahrverhalten. Deshalb stecke das Unternehmen viel Arbeit in das „Opel-Fahrgefühl“ und in die eigene Chassis-Technik. Die technische Differenzierung soll damit auch bei gemeinsam genutzten Konzernplattformen erhalten bleiben.
Die Nachfrage nach Elektroantrieben entwickelt sich nach Huettls Angaben in Deutschland sehr gut. Opel bediene jedoch Märkte in ganz Europa und darüber hinaus und berücksichtige deshalb unterschiedliche Entwicklungen. Auch die Regulierung in Europa spiele bei der Entscheidung über künftige Antriebe eine Rolle.
Parallel arbeitet Opel mit dem chinesischen Stellantis-Partner Leapmotor an einem neuen SUV für die Kompaktklasse. Ein Teil der Entwicklung findet in Rüsselsheim statt, ein anderer in Hangzhou. Huettl spricht von einer modernen Architektur zu attraktiven Kosten und hebt besonders deren Leistungsfähigkeit bei der elektronischen Architektur hervor. Opel- und Leapmotor-Ingenieure entwickeln das Fahrzeug gemeinsam.
Auch bei dem chinesisch-deutschen Modell will Opel eigene Merkmale umsetzen. Die Rüsselsheimer ergänzen etwa das reine Touchscreen-Bedienkonzept um physische Tasten, entwickeln ein neues Control-System und integrieren ein Head-up-Display. Huettl stellt zu dem gemeinsamen Fahrzeug klar: „Das wird ein Opel.“ Für die Entwicklung nutzt die Marke zugleich die weltweiten Ressourcen von Stellantis, innerhalb derer Technologien wie Batterien, elektronische Architekturen und Software gemeinsam entwickelt werden.

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