Die Immobilienwirtschaft will ihren Beitrag leisten, damit die Ladeinfrastruktur in Deutschland zügig ausgebaut wird. „Jetzt geht es darum, die Akzeptanz von E-Mobilität durch eine praxistaugliche Ladeinfrastruktur bei Wohnhäusern und Wirtschaftsimmobilien zu steigern“, sagt die Präsidentin des Zentralen Immobilien Ausschusses e.V. (ZIA) Iris Schöberl. „Wir brauchen dazu einen nüchternen Blick auf Kosten und Nutzen.“
Der Mehrwert der Ladeinfrastruktur müsse sowohl zum Aufwand bei Immobilieneigentümern als auch zum erwarteten Nutzen für Autofahrer in einem angemessenen Verhältnis stehen.
„Wenn flächendeckend bestehende Wirtschaftsimmobilien nachgerüstet werden müssen, bedeutet das einen riesigen Aufwand an Baumaßnahmen, ohne dass klar ist, ob die Nutzer genau diese Ladeinfrastruktur überhaupt brauchen“, so Schöberl. „Wirtschaftsimmobilien aber sind so unterschiedlich wie ihre Nutzung, und das muss sich auch bei den Anforderungen an die Ladeinfrastruktur wiederfinden.“
Die Bundesregierung müsse diesen Punkt bei der Einarbeitung der europäischen EPBD-Ladeinfrastruktur-Vorgaben ins Gebäude-Elektromobilitäts-Infrastruktur-Gesetz (GEIG) beachten. „Deutschland sollte seinen Spielraum nutzen – nur bitte nicht fürs Draufsatteln, sondern für einen bedarfsgerechten Ausbau“, sagt die ZIA-Präsidentin.
Für neue Wohngebäude mit mehr als drei Stellplätzen sowie für Bestandsggebäude mit mehr als drei Stellplätzen, bei denen größere Renovierungen anstehen, soll laut EPBD für mindestens 50 Prozent der Auto-Stellplätze Vorverkabelung installiert und für die übrigen Stellplätze Schutzrohre für Elektrokabel vorgesehen werden.
Bei Wirtschaftsimmobilien rückt die EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) die reine Errichtung einer Zahl von Ladepunkten in den Blick – unabhängig von deren Ladeleistung. Für neue Nichtwohngebäude oder bestehende Wirtschaftsimmobilien, die grundlegend renoviert werden, braucht es zum Beispiel einen Ladepunkt für jeweils fünf Stellplätze. Als Sonderfall werden Bürogebäude gesehen, bei denen mindestens ein Ladepunkt für zwei Stellplätze gefordert wird.
„Wegen der unterschiedlichen Nutzung der Wirtschaftsgebäude sind jedoch die Standzeiten der Fahrzeuge völlig unterschiedlich“, so der ZIA. „Beispiel: Während an Büroimmobilien oft bis zu acht Stunden geparkt wird, geht es bei Handelsimmobilien meist nur um 30 bis 120 Minuten. Bei stark wechselndem Publikumsverkehr wie im Lebensmittel-Einzelhandel bringen einige Schnellladepunkte wesentlich mehr als die flächendeckende Ausstattung mit langsamen Säulen.“


Duesendaniel meint
Alle Maßnahmen zum Ausbau der Infrastruktur werden uns nicht weiter führen, solange öffentliches Laden 2-3 mal so teuer ist wie das Laden an der eigenen Wallbox.Wer nicht günstig zu Hause laden kann, wird die höheren Anschaffungskosten nicht amortisieren können und bleibt beim Verbrenner. Echten Wettbewerb zuzulassen ist eine Aufgabe für die Politik, die Strom- und Ölkonzerne werden das nicht freiwillig tun.
Jeff Healey meint
Bei großen Wohnblöcken sollten in Vorbereitung auf die Anforderungen der europäischen EPBD-Ladeinfrastruktur-Vorgaben und bei sowieso anfallenden Biden-Arbeiten oder Pflaster-Arbeiten zumindest Leerrohre gezogen werden. Dann könnten in Abstimmung mit den Mietern bei Bedarf Niedrigvolt-Ladeanschlüsse installiert werden, inklusive Stromzähler für den Verbrauch des jeweiligen Mieters. In großen Mietshäusern bzw. Wohnungsblöcken dürfte das Laden über Nacht mit Niedrigvolt die praktikabelste Lösung sein. Gerade dort wird in Zukunft ein großer Bedarf entstehen.
Jeff Healey meint
Boden-Arbeiten…, nicht Biden-Arbeiten…
Stefan meint
Viele Mieter warten auf Ladestationen am Haus / in der Tiefgarage oder am Supermarkt.
Und die Immobilienbranche will lieber bedarfsgerecht langsamer die Ladepunkte ausbauen, als in den relativ laschen Gesetzen festgeschrieben. Nirgendwo steht, dass alle Plätze mit Ladepunkten versehen werden müssen. Es sollte aber Vorbereitungen dafür geben.
Gerade mit V2G sind auch die Ladepunkte an den Firmenparkplätze wichtig.
Jeff Healey meint
Top, absolut richtig. Und absolut notwendig für den Technologie-Umschwung in der Breite.