Laut einem Härtetest des Magazins c’t in Zusammenarbeit mit dem ADAC ist die Angst, überraschend mit einem fast leer gefahrenen Elektroauto liegen zu bleiben, unbegründet. Sechs aktuelle Modelle von VW, Tesla, Kia, Volvo, BYD und Nio wurden bis zum Stillstand auf einem ADAC-Testgelände in Bayern gefahren. Dabei ergab sich, dass alle Fahrzeuge rechtzeitig warnen und die Leistung bei niedrigem Ladestand der Fahrbatterie automatisch drosseln, sodass man nicht unerwartet liegen bleibt.
Die erste Warnung eines Fahrzeugs erschien bereits bei 20 Prozent Restladung, wobei die angezeigte Restreichweite bis zu 95 Kilometer betrug. Ab einem Ladestand von 10 Prozent schränkten die Fahrzeuge ihre Leistung stufenweise ein. Laut dem c’t-Redakteur Sven Hansen verfügen die getesteten Elektroautos über eine „stille Reserve“, vergleichbar mit der Tankreserve bei Verbrennungsmotoren.
Bei 0 Prozent Ladestand taucht etwa im Kia EV6 ein Schildkrötensymbol im Display auf, dazu die Meldung „Motorleistung eingeschränkt“. Dennoch schafften es alle E-Autos, noch etwa 10 Kilometer mit 100 km/h weiterzufahren. Schließlich wurden sie immer langsamer. Für manche ging es dann immer nochmal 5 bis 10 Kilometer weiter, dann war endgültig Schluss. Bei starken Steigungen, extremer Kälte oder einem gealterten Akkupack könnte die nach Erreichen eines Ladestandes von 0 Prozent mögliche Strecke deutlich kürzer ausfallen als im Test.
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Die Sorge, mit einem E-Auto plötzlich liegen zu bleiben, sei weitgehend unbegründet, erklärt c’t-Redakteur Stefan Porteck nach dem Test auf dem ADAC-Gelände. „Eine gute Warnkaskade macht es fast unmöglich, unvorbereitet stehenzubleiben.” Alle getesteten Stromer (BYD Seal, Kia EV6, Nio EL6, Tesla Model Y, Volvo XC40, VW ID.3) hätten ihre Fahrer frühzeitig und mehrfach vor kritischen Akkuständen gewarnt.
Ein weiterer Aspekt des Tests war das Nachladen auf dem Pannenstreifen. Mit entsprechender Technik, wie dem Vehicle-to-Load-System des Kia und einer Powerstation von EcoFlow, konnte ein E-Auto Energie an ein anderes abgeben. Dieses Verfahren ist praktikabel, benötigt aber rund eine Stunde, um nennenswert zu helfen.
Die wichtigste Erkenntnis: „Wer die Warnungen beachtet und spätestens bei zehn Prozent eine Ladesäule ansteuert, wird nie in die Verlegenheit kommen, die Reserve zu benötigen“, so Hansen.
Auch der ADAC bestätigt, dass Elektroautos nicht häufiger aufgrund leerer Batterien liegen bleiben als Verbrenner. Wenn ein Ausfall auftritt, liege dies meist an technischen Problemen und nicht an der Reichweite.

E-Tom meint
Möglichst nie den Akku unter 20 % fahren. Die damit verbundene Tiefenladung wirkt sich auf die Lebensdauer des Akkus erheblich aus. Mit den Testfahrten bis zum Stehenbleiben garantiert. Die Prozentangaben und Restkilometeranzeigen sind doch ziemlich genau für eine Ladeplanung.
M. meint
Ja, im Idealfall sollte der SoC um die 50% herum pendeln ;-)
Wichtiger als der Umstand, dass man auch mal 5% oder 95% SoC hat, ist aber die Zeitdauer, für die das gilt.
Vollladen, losfahren. Nicht so stehen lassen.
Leerfahren, nachladen. Nicht so stehen lassen.
Und natürlich ist es besser, man kann ganz drauf verzichten, aber für manche Menschen ist die Reichweite eh schon knapp bemessen, die werden gerne 90% Hub nutzen wollen. Können die aber, wenn sie es machen wie oben beschrieben.
Was in diesen Tests gemacht wird, ist natürlich der Worst Case, darauf sollte man möglichst verzichten.
Dieseldieter meint
Deshalb hätte ich ziemliche Bauchschmerzen mit gebrauchten Firmenwagen. Unsere werden jeden Tag auf 100% geladen, viel schnellladen unterwegs, Poolfahrzeug stehen dann mit 100% Ladung an den Wochenenden herum.
Ich bin gespannt, inwieweit ich das nach 3 Jahren bei meinem Id4 merke.
Der kommt auch jeden Tag an die Ladesäule, auch wenn ich mit 85% auf der Arbeit ankomme.
War aber vorher bei den nicht warmgefahrenen Verbrennernn genauso.
M. meint
„Der kommt auch jeden Tag an die Ladesäule, auch wenn ich mit 85% auf der Arbeit ankomme.“
Und warum? Das ist doch unnötig.
Sollte ich mir ein gebrauchtes BEV kaufen, dann wohl aus privater Hand.
Oder nach einen sehr ausführlichen Batterietest – sicher nicht nach „Aviloo Flashtest“.
stdwanze meint
Wie man generell mit einem PKW, verbrenner oder BEV in dt. liegenbleiben kann ist mir ein Rätsel (technische Defekte ausgenommen).
In den USA ist das was anderes, da kommt halt schon mal ein Schild „Letzte Tanke für 290 Meilen“.
Ich hätte ebenfalls mit einem Verbrenner mehr Angst als mit meinem BEV, mindestens nen Schucko-Stecker gibts ja meist überall.
Ist also fast verrückt, das ein „Spezialstoff“ Auto da bei vielen gedanklich risikoärmer ausfällt als ein Auto mit der Möglichkeit quasi überall zu laden.
Dieseldieter meint
Ich möchte sehen, welcher Privathaushalt oder welcher Laden dich mit deinem Adapter an einer nicht besonders abgesicherten Steckdose anstöpseln und dort 10 Stunden stehen lässt…
Beim Verbrenner kann ich zur größten Not jemanden anhalten und bitten mir einen 5-Liter-Kanister gegen Bezahlung zu bringen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand einen generator dabei hat ist hingegen eher gering.
South meint
Musste ich noch in meinem ganzen Leben noch nie machen und ich fahre doch schon ein paar Jahre….in dem äußerst unwahrscheinlichen Fall würde ich schlicht den ADAC rufen…
Wie gesagt, ein Autounfall mit Schrottwert ist wahrscheinlicher…
South meint
Oder hast du jemals ein anderes Auto angehalten, um dir Benzin im Kanister zu holen?
Dieseldieter meint
Natürlich nicht. Es ist nur ziemlich stark zurechtgebogen, dass man mit einem Auto für Spezialkraftstoff dauernd Gefahr läuft liegenzubleiben, während man das e Auto an jedem Privathaus mal kurz an die Steckdose stöpseln kann, und schon geht’s weiter.
Ron meint
Wieso zehn Stunden? Wer wird denn so gierig sein? Eine Stunde reicht doch für dreißig Kilometer. Oder schickst Du den Typ mit dem fünf Liter-Kanister 12 mal zur Tanke, damit Dein Tank nachher auch voll ist?
Wieso sollten die Steckdosen nicht abgesichert sein? Ist das VDE-konform? Der Ladeknochen ist es.
Ich lade meinen E-Roller regelmäßig an fremden Steckdosen. Noch niemals eine ablehnende Haltung erfahren.
eBikerin meint
Ist das überhaupt noch relevant bei der Anzahl der Ladesäulen?
David meint
Gerade weil das Ladenetz so dicht ist, ist die Relevanz höher. Du kannst im Grunde genommen auf 0 % SoC planen. Sollte dort, entgegen aller Wahrscheinlichkeit, komplett nichts gehen, könnte man immer noch mit dieser Reserve einen Plan B ansteuern.
Envision meint
Ja natürlich, z.B. wenn die mit 10% oder weniger angesteuerte Säule dann defekt/offline oder dauerbelegt ist
South meint
Eine defekte oder belegte Ladesäule wird in der Regel ja angezeigt, was man in mit Smartphone in wenigen Sekunden sieht. Dann sind heute Ladensäulenstandorte mit nur drei, vier Ladern ja ne Ausnahme….ein Defekt fällt da nicht so stark ins Gewicht…
Zusammengefasst musst du dann schon mit der letzten Reserve an nen defekten/belegten Lader auswählen, der vorher im Internet falsch angezeigt wurde?
Oder wenn jemand die Masern hat. ;-)
South meint
Sogar dann… da fährst du dann zum nächsten Haus und lädst mit der Schuko, bist du wieder genug Reichweite zum nächsten Lader hast.
Aber bambombaaam. Der Strom könnte noch ausfallen, das Schukoladekabel vergessen…
Hihihih, also ehrlich. Möglich ist immer alles, aber ein kapitaler Unfall ist wahrscheinlicher….
South meint
Kann das nur bestätigen, ich kenne aus meinem Bekanntenkreis keinen einzigen Fall bei denen jemand mit einem E Auto mit leerem Accu liegengeblieben wäre.
Trotzdem. Ein Minuspunkt bei einigen E Autos ist tatsächlich noch, dass die Topographie beim Navi nicht beachtet wird. Das führt beim Berganstieg zu einem deutlichen Abschmelzen der Reichweite und vermehrtes anpassen des anzufahrenden Laders, was am Anfang tatsächlich stressig war. In der Praxis trotzdem kein Problem. Im Prinzip lade ich deshalb zumindest vor den Alpen. Doch viele Kunden mögen sowas bestimmt nicht, da ist noch ne Baustelle offen.
Auf der anderen Seite kommt immer das Vorurteil, mit nem E Auto möchte ich nicht im Stau stehen. Das ist wiederum in der Praxis ein kleines Problem. Wenn man mit dem E Auto steht, verbraucht man ja nur wenig Strom. Da ist der Verbrenner sogar im Nachteil, weil da für die Heizung und die Klima der Motor laufen muss.
Merlin meint
kann ich bestätigen…war am Wochenende Langstrecke mit dem e-up unterwegs und Gott sei Dank ist um Hamburg fat immer Stau…hat einen Ladestopp überflüssig gemacht.
South meint
Guter Punkt. Da gibt es doch immer die Reichweitentest mit geringen Geschwindigkeiten, bei denen E Autos die Reichweite mehr als verdoppeln. Fährt man also in einem zähflüssigem Verkehr, erhöht sich sogar die Reichweite…
Bob meint
Das mit dem Stau höre ich bei Bekannten immer wieder. Es wird angeführt, dass man bei Stau Probleme bekommen könne. Es ist halt für viele schwierig, erworbene Erkenntnisse abzulegen. Genau diesen Nachteil des Verbrenners hat man ja festgestellt und verwendet den einfach verallgemeinert. Da würde ich auch keinen Vorwurf raus machen. Das ist normale Heuristik. Kann an aber selbst berücksichtigen, wenn man erworbenes Wissen, auch neue Bereiche anwendet, muss man vorsichtig sein.
Matthias meint
Oh, mal wieder ein Mythos! Selbst ein Berganstieg um 800m wie am Brenner reduziert die tatsächliche Reichweite nur um ca. 25 km, wovon man bergab wieder einige zurück bekommt. Da ein eher dummes E-Auto aber nicht weiß wann der Gipfel erreicht ist, oder ob der höhere Fahrwiderstand durch Gegenwind, Dachträger, Anhänger oder zuwenig Luftdruck bedingt ist, wird eine starke reduzierte Gesamtreichweite hochgerechnet und angezeigt. Ebenso wenn man zu Fahrtbeginn heizt. Man darf sich dadurch nicht kirre machen lassen.