Porsche steht vor einem neuen Sparprogramm, berichtet die Welt. Vorstandschef Oliver Blume informierte demnach die Belegschaft in einem Schreiben über anstehende Verhandlungen mit dem Betriebsrat. Bereits im Frühjahr hatte der auch den Volkswagen-Konzern leitende Manager entsprechende Gespräche angekündigt. Nun wird deutlich, dass die Maßnahmen umfangreicher ausfallen könnten.
Als Hauptgrund nennt Blume verschlechterte externe Marktbedingungen. Der weltweite E-Auto-Markt entwickle sich langsamer als erwartet, was Porsche besonders in China unter Druck setzt. Dort gerät das Unternehmen zunehmend in Konkurrenz zu technisch fortschrittlichen und preisaggressiven lokalen Herstellern im unteren Preissegment.
Schon Anfang 2025 hatte Porsche angekündigt, bis 2029 rund 1.900 Stellen im Raum Stuttgart zu streichen – durch Abfindungen, Frühverrentung und Renteneintritte. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis 2030 ausgeschlossen.
Obwohl Porsche weiter profitabel ist, zeigt die wirtschaftliche Entwicklung eine Abwärtstendenz. Im ersten Quartal 2025 lag der operative Gewinn bei knapp 0,8 Milliarden Euro, ein Rückgang um mehr als 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch der Umsatz sank von neun auf knapp 8,7 Milliarden Euro.
„Unser Unternehmen kämpft derzeit mit massiven Herausforderungen. Weltweit. Das macht sich bemerkbar. Beim Absatz und unserem finanziellen Ergebnis“, heißt es in dem von der Welt in Auszügen veröffentlichen Schreiben von Blume an die Belegschaft. Man müsse daher schnell und flexibel reagieren, um langfristig leistungsfähig zu bleiben.
„Krise der Rahmenbedingungen“
Die zweite Verhandlungsrunde mit dem Betriebsrat soll im zweiten Halbjahr 2025 stattfinden. Ziel sei es, ein weiteres Strukturpaket zu schnüren. Blume spricht von einer „Krise der Rahmenbedingungen“, die das traditionelle Geschäftsmodell von Porsche erschüttere. Auch wenn das Unternehmen in der Vergangenheit stark investiert habe und über ein attraktives Produktportfolio verfüge, reiche dies nicht mehr aus.
Drei zentrale Herausforderungen werden in dem Schreiben von Blume benannt: Erstens habe sich der chinesische Markt stark gewandelt. Dort dominiere nun ein Massenmarkt für E-Autos unterhalb des Premiumsegments. Gleichzeitig entwickele sich ein lokal getriebener Wettbewerb mit hoher technologischer Qualität und aggressiven Preisen. Das Premiumsegment, in dem Porsche aktiv ist, sei „förmlich zusammengebrochen“.
Zweitens leide das Geschäft in den USA unter stark gestiegenen Zöllen und einem ungünstigen Wechselkurs des Dollars. Trotz Auslieferungsrekorden stehe Porsche auch dort finanziell „enorm unter Druck“.
Drittens verlaufe die Transformation zur Elektromobilität in einigen Weltregionen deutlich langsamer als erwartet. Blume: „Damit verbunden sind erhebliche Investitionen in die Flexibilität unserer Antriebe und in unser Lieferantennetz. Einerseits benötigen wir Elektrofahrzeuge zur Erfüllung der regionalen CO₂-Regulierungen. Andererseits liegt das Renditeniveau aktuell noch weit unterhalb unserer Verbrenner.“
Porsche wird das selbst gesetzte Ziel, bis 2030 einen Elektroanteil von über 80 Prozent zu erreichen, voraussichtlich verfehlen. Blume hat im Juni erklärt, die Marktentwicklung mache das unrealistisch. Die Übergangsphase zur E-Mobilität werde länger dauern als ursprünglich angenommen. In Reaktion auf die schleppende Nachfrage nach elektrischen Autos wurde die Strategie angepasst: Die Laufzeit von Verbrennern wird verlängert, Pläne für eine eigene Batteriezellproduktion wurden aufgegeben.

CJuser meint
Den Macan Electric im Vergleich zum Verbrenner-Vorgänger 10t Euro teurer machen und sich dann über Absatzprobleme wundern. Merkste was, Herr Blume?!
MichaelEV meint
„Drittens verlaufe die Transformation zur Elektromobilität in einigen Weltregionen deutlich langsamer als erwartet.“
Sagen wir mal so: Die Althersteller bekommen die Botschaft, dass man eigentlich selber keine Elektromobilität will, erfolgreich an die Kunden transferiert.
Z.B. in den USA wurde von allen Herstellern abgehakt, dass die bisherige Ladeinfrastruktur nicht zukunftsfähig ist. Wer soll in dieser Situation noch großes Interesse haben teure Autos mit nicht zukunftsfähigem Ladeanschluss zu kaufen…
Immer wieder wird Ladeinfrastruktur offen als Problem adressiert, dabei muss es Kerninteresse sein daraus kein Problem zu machen, sondern ggf. vorhandene Probleme zu lösen (selber oder in Partnerschaft).
M. meint
Willst du das mit den „Altherstellern“ so verallgemeinern?
MichaelEV meint
Für welchen alten Verbrennerhersteller sollte das denn nicht gelten!?
M. meint
Nicht ausweichen, Frage beantworten. Bitte.
MichaelEV meint
Wenn es für alle alten Verbrennerhersteller gilt, hast du doch die Antwort. Nach aktuellem Stand kann man das „verallgemeinern“.
M. meint
https://www.electrive.net/2025/07/21/daimler-truck-bietet-eactros-600-in-eigener-lkw-mietflotte-an/
Sowas sollten die aber besser nicht machen, oder?
https://ecomento.de/2025/07/21/bmw-und-mini-app-zeigt-fahrern-co2-emissionen-ueber-den-lebenszyklus/
Noch so ein Fail. Am Ende kommen noch Kunden auf die Idee, sowas zu kaufen. Das käme BMW sicher ungelegen, diese x Mrd. Investitionen in die Entwicklung neuer BEV wollten die sicher einfach nur abschreiben.
„Z.B. in den USA wurde von allen Herstellern abgehakt, dass die bisherige Ladeinfrastruktur nicht zukunftsfähig ist.“
Da wird demnächst noch viel mehr „abgehakt“, mit maßgeblicher Hilfe eines gewissen Steigbügelhalters, der plötzlich ganz andere Töne zu Öl und Gas spuckt als zu Zeiten, als er noch noch nicht so reich war wie heute.
Frag nach einem Zitat – dann bekommst du es.
MichaelEV meint
„Einerseits benötigen wir Elektrofahrzeuge zur Erfüllung der regionalen CO₂-Regulierungen. Andererseits liegt das Renditeniveau aktuell noch weit unterhalb unserer Verbrenner.“
Zwei wichtige Sätze, die aber an den üblichen Realitätsverweigerern weiterhin einfach abprallen werden.
Elvenpath meint
Realitätsverweigerung ist, wenn man die Überlebensnotwendigkeit des Klimaschutzes leugnet.
Diese Firmen haben Jahrzehnte lang sagenhafte Gewinne eingefahren. Jetzt müssen sie eben mal in den sauren Apfel beißen. Dann ist die Rendite eben für ein paar Jahre niedriger.
MichaelEV meint
Auf wen beziehst du dich im ersten Satz? Ich hoffe auf die Autohersteller, die für Marge den Klimaschutz links liegen lassen!
2025 haben die Autohersteller durch ihren Lobbyismus die existierenden Ziele zu ihrem Gunsten aufgeweicht. Die Marge der Kernmarke VW betrug Q1 0,5%.
Bedeutet für dich „in den sauren Apfel beißen“ auch, dass man bei der Durchsetzung der Ziele z.B. die Kernmarke VW untergehen lässt? Oder ist dir der Klimaschutz dann doch nicht mehr so wichtig!?
Elvenpath meint
Mein erster Satz bezieht sich auf alle, denen Rendite wichtiger ist, als das Klima.
Rendite ist der Gewinn, denn man mit einem Produkt erzielt. Was ich sage ist, dass es auch mal ok ist, eine Zeit lang eine schwarze Null zu schreiben.
MichaelEV meint
Die Frage war, ob du damit einverstanden bist, dass bei der Durchsetzung des Klimaschutzes bisherige Hersteller (Beispiel VW oder heute sind Milliardenverluste bei Stellantis Thema) verschwinden und ersetzt werden?
Snork der Dritte meint
Am wildesten finde ich die Aussage, dass Probleme durch Konkurrenz mit „preisaggressiven lokalen Herstellern im unteren Preissegment“ entstehen. Porsche konkurriert mit Herstellern im unteren Preissegment?
Thorsten 0711 meint
Er meint damit sicherlich keine China-billig-BEVs für bis zu 10000€ Neupreis.
Futureman meint
Wenn Xiaomi zum halben Preis die gleiche Leistung (oder mehr) anbietet, wird es für so manchen bei der Kaufentscheidung schwierig. Es kaufen halten nicht alle ein Auto nur zum Angeben.
Powerwall Thorsten meint
Das hat natürlich nichts damit zu tun, dass Porsche selbstverschuldet ein massives Akkuproblem generiert hat.
Man musste ja wider andere Empfehlungen unbedingt Pouch-Zellen verbauen und diese dann in Nordschleifen Manier auch noch mit Laderekorden überstrapazieren – das Ergebnis mit den miesen Restwerten versucht man dann auch noch schönzureden – wunderbar.
Mary Schmitt meint
Die MEB-Modelle haben alle Pouchzellen. Die Pouchzelle hat in Deutschland gerade etwa 50% Marktanteil an den Neuzulassungen. Mit wäre neue, wenn es damit irgendwelche Problem gäbe. Das hätte man bei dem überwältigendem Marktanteil sicher gelesen. Also hör auf mit deinen Erfindungen! Konzentrier dich lieber darauf, Ausreden zu erfinden, wenn es in Grünheide doch zu Kurzarbeit kommt!
MichaelEV meint
Was hat Porsche denn mit MEB-Modellen zu tun!?
Es ging darum, den Zellen hohe Leistungen zuzumuten (also nicht um MEB).
Auffällig ist doch, dass die so angegifteten Rundzellen in vielen BEVs mit hohen Leistungen verwendet werden, bei Porsche (noch) nicht (und genau hier gibt es Probleme).
Futureman meint
Wer genau beraumt noch Betriebsversammlungen zur Einstimmung auf Personalabbau an?
Powerwall Thorsten meint
Erzähl uns doch mal etwas zu den maximalen Laderaten und den Ladekurven von Porsche Im Gegensatz zu einem iD3 – merkst du selber oder?
Futureman meint
Merkwürdigerweise boomt weltweit der Elektromarkt. Ist zwar überall etwas unterschiedlich, aber im Summe steigt der Markt um 30% pro Jahr. Da gibt es wohl zu viel neue Konkurrenten, die bessere oder „andere“ Produkte haben.
ZastaCrocket meint
Andere passt wohl besser. Ich wüsste nicht, wer im Luxussegment sonst noch liefert…
Donald meint
BMW. Der bessere Porsche.
Envision meint
Und da ist die neue Klasse noch nicht drin, die wird wohl nochmal ordentlich Abstand auch zur gerade „neuen“ PPE Plattform des VW Konzern legen – sowohl was Effizienz/Reichweite als auch – das Fahren an sich – angeht, Stichwort „Heart of Joy“ – Vorabtester waren recht angetan.
Der noch neue E-Macan dürfte gegen den neuen iX3 in vielen Bereichen wirklich alt aussehen, vermutlich auch preislich.
Trömmelsche meint
das ist andersherum ein Argument ja eher, warum es Porsche noch gut geht. Die Elektromobilität steigt nicht so stark wie befürchtet, weshalb man noch mit Verbrennern mehr Gewinn macht als erwartet