Während viele Elektroauto-Pioniere laut der „Public Charging Study 2025“ von UScale auf dem Land leben und zu Hause laden, wächst die Zahl der E-Fahrer in Städten. Dort wohnen sie häufiger in Mehrfamilienhäusern ohne eigene Lademöglichkeit und sind daher auf öffentliche Ladepunkte angewiesen. In Städten spielt die Ladeleistung für die Wahl des Ladeorts eine deutlich größere Rolle als auf Autobahnen: 18 Prozent der Befragten nennen sie als entscheidenden Faktor (Autobahn: 7 %).
Die Ursachen liegen UScale zufolge im aktuellen Angebot: Auf Autobahnen seien mit 300 kW fast überall hohe Ladeleistungen verfügbar. Diese Ladeleistung übersteige allerdings die Möglichkeiten der meisten E-Autos. Die geringe Bedeutung der Ladeleistung auf Autobahnen sei also ein Zeichen dafür, dass die Erwartungen der E-Mobilisten heute meist erfüllt oder sogar übertroffen werden und andere Faktoren wie die Ausstattung vor Ort wichtiger sind.
Ganz anders in den Städten: Hier gebe es nur wenige Angebote mit hoher Ladeleistung. Lediglich 20 Prozent der E-Auto-Fahrer geben bei der Umfrage an, an innerstädtischen sogenannten HPC-Hubs (High Power Charging) zu laden. Deshalb seien auch die begrenzten Plätze im Einzelhandel und am Straßenrand sehr begehrt und vielgenutzt.
Ein Knackpunkt seien die AC-Ladepunkte: Da die meisten E-Autos beim Wechselstrom-Laden nur 11 kW aufnehmen könnten, dauere das Laden entsprechend lang und oft über die blockiergebührenfreie Parkzeit hinaus. Studienleiter Axel Sprenger sieht auch die Autohersteller in der Pflicht: „Mit einer AC-Ladeleistung von 22 kW könnten viele E-Autos doppelt so schnell laden und die vorhandene Infrastruktur effizienter genutzt werden.“
Der Preis bleibt der Umfrage zufolge insgesamt das wichtigste Kriterium bei der Wahl einer Ladesäule. Entlang der Autobahnen, wo das Angebot bereits gut ausgebaut ist, spielt er eine vergleichsweise große Rolle. In Städten verliert er leicht an Bedeutung, da andere Faktoren wie Ladeleistung oder Verfügbarkeit den Ausschlag geben. Das mache dynamische Preismodelle und Rabattaktionen zur Steuerung der Auslastung besonders interessant, so UScale.
„Wer in der Stadt wohnt und weder zuhause noch beim Arbeitgeber laden kann, für den wird Laden zur echten Herausforderung. Hier fehlt es an allem: HPC-Ladehubs, DC-Lader im Retail, AC-Lader am Straßenrand und in Wohngebieten“, erklärt Sprenger. Die Politik habe sich bisher hauptsächlich auf die großen Verkehrsachsen fokussiert. Lademöglichkeiten in den Innenstädten „liefen mit“. Solange sich das nicht ändere, bleibe elektrisches Fahren vor allem ein Privileg von Eigenheimbesitzern.


W. Gintel meint
Studienleiter Axel Sprenger sieht auch die Autohersteller in der Pflicht: „Mit einer AC-Ladeleistung von 22 kW könnten viele E-Autos doppelt so schnell laden und die vorhandene Infrastruktur effizienter genutzt werden.“ So so, der Mann scheint von Volkswirtschaft und Umweltbelastung Ressourcenverbrauch noch nie gehört zu haben. Die richtige Strategie wäre zu errichtende und vorhandene AC-Ladepunkte auf 20 kW DC-Ladepunkte umzurüsten. Mehrinvestition pro Ladepunkt < 3000€ weil keine teuren Trafostationen wie bei HPC-Ladern benötigt werden und Leitungsdurchmesser relativ klein bleiben bzw. schon vorhandene Leitungen genutzt werden können. Warum wohl bieten die Hersteller keine 22 kW Wechselrichter an und wenn überhaupt nur gegen Aufpreis? E-Autos müssen preiswerter werden und nicht künstlich verteuert. Das Ziel müsste sein zeitnah die AC-Wechselrichter komplett aus den E-Autos zu verbannen.
MichaelEV meint
Die These, dass Langsamlader günstiger wären, ist immer sehr daneben. Strom übergeordneter Netze muss man für die Entnahme im Niederspannungsnetz ebenso immer transformieren und braucht dafür überraschenderweise „teure Transformatoren“.
Ich gehe aber auch 100%ig davon aus, dass AC-Wechselrichter verschwinden werden. Und da wo Langsamlader wirklich sinnvoll sind, werden es welche mit DC sein. Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, statt die Wechselrichter in einem Bruchteil der DC-Langsamlader zu verbauen, baut man mehrfach so viele in die Autos und fährt diese permanent durch die Gegend. Es hat die Barrieren für den Start reduziert, dauerhaft aber überhaupt nicht sinnvoll.
W. Gintel meint
Langsamlader erfordern deutlich geringere Investitionen als HPC-Lader. Ein zusätzlicher oder neuer Trafo ist bei den kleinen Leistungen praktisch nie erforderlich. und kann von der vorhandenen Infrastruktur inkl. vorhandener Mittelspannungstrafos abgedeckt werden. Dass das Niederspannungsnetz praktisch immer die Energie aus dem Mittelspannungsnetz bezieht hat damit nichts zu tun. Dass AC-Lader aktuell wenig genutzt werden hat mit den Renditeerwartungen der Stadtwerke und Ladestromanbieter zu tun, d.h. werden höhere Preise als beim Haushaltsstromtarif lokaler Anbieter verlangt werden die öffentlichen AC-Lader vom Verbraucher ignoriert. … Wenn Politik und Interessenvertreter der E-Mobilität wie Axel Sprenger nicht aktiv eine Abkehr von AC-Ladern propagieren und Fördermittel und Investitionen in die falsche Richtung lenken sehe ich nicht dass die AC-Wechselrichter aus den E-Autos schnell verschwinden können. Die Mehrkosten gegenüber zukunftsweisender DC-Infrastruktur zahlen ja sowieso Verbraucher und Steuerzahler.
Karl Friederichs meint
Da ich meinen AutoAkku schonen will, suche ich selten einen Schnelllader, sondern freue mich über die 11KW-Lader in ein paar hundert Meter Entfernung, wo ich mein Auto gerne von 18 bis 22 Uhr abstelle. Das geht natürlich auch Nähe der Schwimmbäder in Bad Lippspringe oder Paderborn, beim Rathaus und der Volksbank oder – bei Bedarf mit 50kw – bei Lidl oder ganz schnell bei den Märkten von Combi oder Penny und McDonalds. Auf Reisen führt mich das BMW-Navi zum Schnellader. Die Auflistung von Vorurteilen scheint mir nach 2 früheren Mietwagen-Runden durch Deutschland und 2 Monaten eigenem E-Auto deshalb weltfremd.
Affeldt meint
Es mangelt an wohnortnaher LIS, einfach, günstig und in großer Anzahl. Das BEV muss jeden Tag geladen werden können, dann greifen die Leute auch zu. Ich würde mich niemals nur auf externes Laden verlassen müssen wollen.
Thorsten 0711 meint
„Der Preis bleibt der Umfrage zufolge insgesamt das wichtigste Kriterium bei der Wahl einer Ladesäule. Entlang der Autobahnen, wo das Angebot bereits gut ausgebaut ist, spielt er eine vergleichsweise große Rolle. In Städten verliert er leicht an Bedeutung, da andere Faktoren wie Ladeleistung oder Verfügbarkeit den Ausschlag geben.“
So ein Quark! Die teuren AC-Ladesäulen in den Städten vergammeln mehr als sie genutzt werden (außer in der Innenstadt, da man sich die Parkgebühren spart). Zur gleichen Zeit hofft man an den wenigen günstigen Ladeorten, dass diese bei Ankunft frei sind. ALDI, LIDL, Kaufland sind immer gut besucht.
Als wir zB letzte Woche in Metzingen gewesen sind hatten wir Glück den AC-Anschluss bei Kaufland ergattern zu können. Als wir gingen wartete schon der Nächste bis ich wegfuhr. Der CCS war ebenfalls dauerbelegt. Die teuren Säulen der Stadtwerke Metzingen dagegen wollte anscheinend niemand nutzen.
Oder anderes Beispiel: In meiner Straße in Stuttgart gibt es 4 AC-Ladepunkte der Stadtwerke Stuttgart. Die Auslastung ist unterirdisch, fast durchgehend sind alle Säulen frei. Aber die 2 AC-Ladepunkte des ALDI in selben Bereich sind oft dauerbelegt.
MichaelEV meint
Aktuell greifen halt nur wenige Laternenparker zu einem BEV, für die diese öffentliche Ladeinfrastruktur in erster Linie existiert. Wenn es die Kunden nicht gibt ist das irgendwie eine umwerfende Erkenntnis, dass die Kunden fehlen.
Mit diesen Kunden wird die Aussage richtig, Ladeleistung und vor allem Verfügbarkeit werden wichtiger als der Preis.
Hier hat der Lidl EINE AC-Ladesäule, die häufig belegt ist. Wenn ein Laternenparker dringenden Ladebedarf hat, interessieren weder die zu ladenden 11 kWh (Höchstparkdauer) noch geistert man den ganzen Tag beim Lidl rum, um den Platz zu ergattern und ein kleines bisschen nachzuladen.
Thorsten 0711 meint
Oder man kauft erst gar kein BEV da das öffentliche Laden zu teuer ist. Wir haben 2eAutos und 0 Wallboxen und ohne die Lademöglichkeiten in 1,3 km entfernten Kaufland bzw dem 400m entfernten ALDI würden bei uns in der Tiefgarage noch ein Renault Twingo und ein Dacia Jogger LPG stehen.
MichaelEV meint
Nicht öffentliches Laden ist pauschal zu teuer, sondern die BEVs.
Stefan Redlin meint
Komisch, beim Verbrenner hat Niemand gemeckert man könne nicht zu Hause tanken.
Aber zur Ladesäule fahren ist unzumutbar beim E-Auto. Auch merkwürdige Denke.
Natürlich ist zu Hause laden können ein großer Komfortgewinn, jedoch ist es kein Anti-E-Auto-Argument wenn das nicht geht. Das Auto kann nichts dafür. Die Lademöglichkeiten bei Supermärkten, auf öffentl. Parkplätzen oder bei den Arbeitgebern werden ja auch schon mehr.
MichaelEV meint
Wenn der große Komfortgewinn so wichtig wäre, dass er in einer höheren Zahlungsbereitschaft münden und damit zu einem rentablen Geschäft würde, würde dieser Bedarf auch gedeckt. Aber das wird kaum passieren.
R2D2 meint
Komisch, beim Verbrenner hat Niemand gemeckert man könne nicht zu Hause tanken.
…….
Das liegt vermutlich daran, das die oft zitierte alleinerziehende Krankenschwester nach der Spätschicht einfach an die Tankstelle fahren kann, kurz tankt und dann 100 % state of tank hat. Dann hat Hildegard wieder zwei Wochen Ruhe und muss sich um nichts kümmern.
Die muss sich nicht darum kümmern ob der Akku genug warm ist, damit er überhaupt etwas laden kann, auch muss nicht 18 oder 28 Min. warten bis die magischen 80% erreicht sind… und was viel wichtiger ist, kaum jemand akzeptiert es, das man ein E-Auto nicht vollladen kann und dann einfach parken kann.
MichaelEV meint
Und die alleinerziehende Krankenschwester hat keine anderen Fahrziele, muss z.B. nie einkaufen?
Das ist schon verrückt, alle scheinen ihr Auto nur zu haben um damit ziellos durch die Gegend zu fahren oder es Zuhause rumstehen zu lassen.
R2D2 meint
Für die Krankenschwester ist das Ziel nach der Spätschicht auf einfachsten Weg nach Hause und müde ins Bett zu fallen.
by the way, was bringt mir eine, wohlgemerkt, EINE Ladesäule beim Kaufland? Wollte ich letztlich wirklich machen, sogar mit der EnBW roaming bezahlen… ich wollte, wie du sagst, den einkauf kombinieren. Und was passiert? der olle tripple war belegt.
Also doch 8 KM in den nächsten Ort und am 4fach HPC am Rewe geladen und eingekauft… tolles Konzept, wenn man so was regelmässig machen muss. damit holt man die Leute ab… genau.
Ralf meint
Die isst auch nix, die arbeitet, fährt oder schläft.
So gut wie alle, mit denen ich diskutierte, haben keine Ahnung von der existierenden Ladesaeuleninfrasruktur. Im Netz nach Influencerinnen mit Sclauchbootlippen zu suchen, ist anscheinend viel wichtiger …..
R2D2 meint
Ralf, ist ja lustig was du für Leute kennst. Ich kenne, beruflich bedingt, sehr viele Krankenschwesternde, und weisst was? Die kennen E-Autos, können sich das aber einfach nicht leisten. Weil wirklich im 4ten Stock, nördlich wohnend, keine Woolbox installiert werden kann.
MichaelEV meint
Also 24/7 nur Schlaf und Arbeit? Wird (und darf) es nicht geben. Selbst wenn, dann wäre eine Lademöglichkeit beim Arbeitgeber die pragmatische Lösung.
By the way, hab nie gesagt, dass EINE Ladesäule beim Kaufland o.ä. für Laternenparker wirklich Vorsorgungsrelevant wäre.
Mit „können sich das aber einfach nicht leisten“ geht es in die richtige Richtung. Also ein Anwendungsfall, der aktuell gar nicht zum Tragen kommt, für den mit fadenscheinigen Gründen argumentiert wird, dass er nicht funktionieren könnte. Und das wird dann noch auf Alle verallgemeinert.
A-P meint
Ja, vor allem in dicht bebauten Wohngebieten mit Mehrparteienhäusern und großen Wohnanlagen (Miet- und Eigentumswohnungen)! Dort wären Laternen- oder Bordsteinkanten-Lademöglichkeiten besonders sinnvoll.
MichaelEV meint
Dieser verzweifelte Ruf nach der Politik wird langsam erbärmlich.
Das Thema Ladeinfrastruktur muss sich selber tragen. Der Markt entscheidet, was sinnvoll ist. Und der entscheidet sich fast ausschließlich für DC.