Elektromobilität ist längst auf den Straßen sichtbar und gilt aus Sicht großer Teile der Wissenschaft als Antrieb der Zukunft. Dennoch stößt sie in der öffentlichen Wahrnehmung auf gemischte Reaktionen. Viele Menschen sind unsicher, welche Antriebstechnologien künftig dominieren werden. Das zeigt sich, obwohl politische Fördermaßnahmen für Elektroautos mehrheitlich positiv bewertet werden und das Interesse an Elektromobilität zuletzt wieder gestiegen ist.
Zu diesen Entwicklungen forscht das Fraunhofer ISI im Rahmen der Panelstudie „MobilKULT“. Dafür werden regelmäßig Bürger aus Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg befragt. Im Herbst 2025 wurde die sechste Erhebungswelle durchgeführt. Im Mittelpunkt stand dieses Mal die Frage, welche Rolle unterschiedliche Antriebe im Autoverkehr künftig spielen könnten. Hintergrund sind die derzeit intensiv geführten Debatten über die Zukunft der Mobilität und die Rolle des Verbrennungsmotors.
Neben batterieelektrischen Fahrzeugen werden auch alternative Energieträger wie Wasserstoff oder E-Fuels diskutiert. Die öffentlichen Auseinandersetzungen darüber verlaufen teilweise emotional, etwa im Zusammenhang mit dem Schlagwort „Verbrenneraus“. Die Studie untersucht daher, welche politischen Maßnahmen aus Sicht der Bevölkerung als sinnvoll gelten.
Die Ergebnisse zeigen eine klare Tendenz: Maßnahmen zur Förderung der Elektromobilität stoßen häufig auf Zustimmung. Dazu zählen etwa Kaufprämien für Elektrofahrzeuge, auch in einkommensabhängiger Staffelung, sowie steuerliche Vorteile für Unternehmen durch Sonderabschreibungen für Elektroautos.
Mehrheit gegen „Verbrenneraus“
Anders sieht es bei Maßnahmen aus, die die Nutzung von Verbrennerfahrzeugen einschränken sollen. Eine CO₂-gebundene Zulassungssteuer wird mehrheitlich abgelehnt. Auch ein Verbot neuer Verbrenner stößt auf Skepsis. Insgesamt wird deutlich, dass viele Menschen zwar Förderung unterstützen, direkte Einschränkungen bestehender Antriebstechnologien jedoch kritisch sehen.
Die Einstellungen unterscheiden sich zudem stark nach Interesse an Elektromobilität. In der aktuellen MobilKULT-Erhebung interessieren sich 36 Prozent der Teilnehmenden grundsätzlich für E-Mobilität. Diese Gruppe stimmt politischen Maßnahmen deutlich häufiger zu, auch einem Verbrenneraus. Dagegen geben 51 Prozent an, derzeit kein Interesse an Elektromobilität zu haben. Sie bewerten die meisten Maßnahmen deutlich skeptischer.
Ein möglicher Grund für diese Zurückhaltung liegt laut den Studienautoren in der Unsicherheit über die technologische Zukunft des Verkehrs. Politische und öffentliche Debatten haben in den vergangenen Jahren wiederholt neue Signale gesetzt. So beschloss die EU im März 2023, dass ab 2035 keine neuen Pkw mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden dürfen. Aktuell wird jedoch diskutiert, diese Vorgabe abzuschwächen und statt vollständiger Emissionsfreiheit nur eine Reduktion von 90 Prozent zu verlangen.
Auch die Diskussion um alternative Kraftstoffe wie E-Fuels trägt zur Verunsicherung bei. In Medien und Politik werden immer wieder unterschiedliche Einschätzungen darüber verbreitet, ob diese Kraftstoffe den Bedarf des Autoverkehrs wirtschaftlich und technisch decken können.
Wachsende Unsicherheit
Vergleicht man MobilKULT-Daten aus den Jahren 2020, 2023 und 2025, zeigt sich eine wachsende Unsicherheit. Inzwischen glauben 29 Prozent der Befragten, dass sich alternative Antriebe nicht gegen Benzin- oder Dieselautos durchsetzen können – sieben Prozentpunkte mehr als 2020. Insgesamt erwarten 46 Prozent, dass sich bis 2035 ein oder mehrere alternative Antriebe etablieren, während ein Viertel der Befragten sich dazu nicht festlegen möchte.
11 Prozent gehen davon aus, dass sich ein einzelner alternativer Antrieb durchsetzen wird. Die Mehrheit dieser Gruppe nennt Elektroautos. Deutlich mehr Befragte – 35 Prozent – erwarten dagegen, dass mehrere Technologien parallel existieren werden. In solchen Szenarien wird Elektromobilität häufig zusammen mit Wasserstoff oder E-Fuels genannt.
Diese Einschätzungen stehen in einem gewissen Spannungsverhältnis zur aktuellen Entwicklung auf dem Markt. Im Jahr 2025 wurden rund eine halbe Million Elektrofahrzeuge neu zugelassen, insgesamt sind inzwischen mehr als 1,9 Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen unterwegs. Demgegenüber existieren weniger als 2000 Wasserstofffahrzeuge. Fachleute weisen zudem darauf hin, dass die Herstellung von E-Fuels – synthetische Kraftstoffe – deutlich teurer und weniger effizient ist als die direkte Nutzung von Strom für Elektroautos.
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Elektromobilität in Deutschland weniger vor einer technischen als vor einer kommunikativen Herausforderung steht. Sie besitzt großes Potenzial für klimafreundlicheren Verkehr und industrielle Entwicklung. „Verlässliche Rahmenbedingungen, klare Zielbilder und nachvollziehbare Maßnahmen können das Vertrauen in die Mobilitätswende und auch in die Elektromobilität erhöhen“, heißt es. Gleichzeitig zeigt die aktuelle MobilKULT-Welle eine weiterhin geringe Kaufabsicht, auch wenn das allgemeine Interesse an Elektromobilität zuletzt wieder gestiegen ist.

Peter meint
Da sieht man deutlich, was das breite Gefasel von „Technologieoffenheit“ bewirkt: Verunsicherung. Daraus resultiert Kaufzurückhaltung, daraus resultiert Absatzschwäche, daraus resultiert die Verstärkung wirtschaftlicher Probleme.
Bravo!
Ein „Bravo!“ auch an die Planer der Kommunikationskampagne „Technologieoffenheit“: ihr Plan zur Verunsicherung hat hervorragend funktioniert. Den Beweis liefert die Studie:
„Inzwischen glauben 29 Prozent der Befragten, dass sich alternative Antriebe nicht gegen Benzin- oder Dieselautos durchsetzen können – sieben Prozentpunkte mehr als 2020.“
das ist wichtig, weil: „11 Prozent gehen davon aus, dass sich ein einzelner alternativer Antrieb durchsetzen wird. Die Mehrheit dieser Gruppe nennt Elektroautos.“
Kurz: Wer alternativen Antrieben vertraut, vertraut am ehesten dem Elektroantrieb. DAS muss(te) verhindert werden.
R2D2 meint
Welche Unsicherheiten bitte? Wenn ich massig fahren muss, vermutlich ständig mehrmals täglich Anhänger von Füssen nach Kiel bringen muss, nehme ich den Verbrenner. Wenn ich nur meine Sporttasche und die kurzen zur KIta reicht ein tamaghotische auf 4 Rädern. Wenn ich dann noch 24h am Tag daheim bin und mir mit pv und tibber aushelfen kann, nehme ich das BEv. und wenn ich mal im jahr 2,5x weiter als 500 km fahre, dann stehen da diese alpitronics. das leben ist schön.
Powerwall Thorsten meint
Ja was meint den unser Maik so zum aktuellen Sparpotential seines geliebten Diesel insbesondere auf der Langstrecke?
ap500 meint
@Powerwall Thorsten der fährt seit über 20 Jahren nach wie vor ganz hervorragend auf der Autobhan auf Langstrecke. Kein Vergleich zum langsamen und teurem Eauto.
Powerwall Thorsten meint
Unser angeblich teures Elektrofahrzeug fährt von März bis Oktober quasi umsonst auf Überschusssolarstrom. Ist es bei dir auch so mit dem Diesel?
GH meint
Was Technologien betrifft gilt: Das bessere, einfachere, performante, vielfältigere …..setzt sich durch, anderes wird obsolet. Das gilt auch für den Verbrennermotor und irgendwann später auch mal für ElektroAutos.
Der Antriebswechsel ist kulturell „Peanuts“, im Vergleich zu dem was auch kommt. Nämlich wenn KI den Fahrer ersetzt. Dann streike ich auch !
Skodafahrer meint
Ich habe mal die Google KI befragt:
Wie viele Jahre sind die Elektroautos mit der Reichweite hinter den Autos mit Verbrennungsmotor zurück?
…
Zeitliche Einordnung der Entwicklung
Vor 10 Jahren (ca. 2016): Die meisten E-Autos schafften real kaum 160 Kilometer.
Heute (2026): Der Durchschnitt hat sich verdreifacht. Experten gehen davon aus, dass E-Autos bis etwa 2030 technologisch vollständig mit Verbrennern gleichziehen werden, wobei Reichweiten von bis zu 1.000 Kilometern durch neue Batterietechnologien wie Feststoffbatterien erwartet werden.
Effizienzsprünge: Die Batterietechnologie macht aktuell alle zwei Jahre Effizienzsprünge von etwa 20 Prozent, während die Optimierungsmöglichkeiten bei Verbrennungsmotoren als weitgehend ausgeschöpft gelten.
Vergleichstabelle Reichweite (ca. Werte 2026)
Fahrzeugtyp Reichweite (Durchschnitt) Reichweite (Top-Modelle)
Verbrenner (Benzin/Diesel) 600 – 1.200 km 1.200+ km
Elektroauto (BEV) ~480 km 750 – 800+ km
Zusammenfassend: Während E-Autos im Durchschnitt noch etwa 5 Jahre hinter der Reichweite klassischer Langstrecken-Verbrenner zurückliegen, haben High-End-Modelle diese Lücke bereits fast geschlossen.
M. meint
Jetzt kann die dumme KI natürlich reale- und Normreichweite nicht auseinanderhalten.
Reale Autobahnreichweiten von 1200 km gibt es beim Diesel durchaus (was natürlich nicht an besserer Effizienz, sondern einfach am ~6x so großen Energievorrat liegt), aber auch HighEnd-BEV wie Lucid Air, Mercedes EQS oder (bald) BMW i3 kommen da kaum an die Hälfte. Da finde ich die Aussage, die Lücke sei fast geschlossen, schon irreführend. Dass die Reichweite beim Verbrenner auch deutlich günstiger zu haben ist (Anschaffungspreis), mal komplett außen vor.
Diese Lücke wird sicher geschlossen werden. Aber da gehen noch ein paar Jahre ins Land.
Die andere Frage ist eher, wie viel Reichweite 95% der Menschen tatsächlich brauchen. Abseits von Marathonfahrten in den Urlaub und Pferdetransporten wird das meist überschätzt.
Günstig Laden ist wichtiger, auch wohnortnah.
Ben meint
Ist das so, wie kann es dann sein dass BEV jetzt schon für 90% der PKW Besitzer die bessere Alternative ist ?
ap500 meint
und wie kommt es das nur 4% im Bestand gefahren werden wovon die Masse Firmenwagen sind?
Könnte das am extremen Kaufpreis liegen?
Oder meinst du wirklich das die Leute ein Eauto mit 100er Akku nicht bedienen können?
Mark Müller meint
„Diese Einschätzungen stehen in einem gewissen Spannungsverhältnis zur aktuellen Entwicklung auf dem Markt.“
Das ist kein Fehler der Einschätzung. Die Einschätzung der Zukunft weicht sehr oft von der aktuellen Entwicklung am Markt ab. Weil es eben Neuentwicklungen gibt. Man muss sich nur überlegen, wie die ‚aktuelle Entwicklung am Markt‘ und die Einschätzung der Zukunft vor 10 oder 20 Jahren waren. Oder man denke an die extreme Wellenbewegung der Einschätzung der PHEV.
.
Noch kurz zu den aktuell sehr positiven Entwicklungs-Aussichten der BEV. Sehr oft schätzt man die nächste Zeit sehr gut ein, die fernere Zukunft aber sehr schlecht. Ich denke, das wird auch hier so sein. Die nächsten paar Jahre sind BEV-Jahre. Es gibt aber auch sehr gute Gründe, warum sich das mittel- bis langfristig stark ändern könnte. Am Elektromotor gibt es nichts zu mäkeln, der ist sensationell gut – schon seit über 100 Jahren. Die Achillesverse der BEV ist die Batterie und sie wird es auch bleiben. Bisher konnte ich die Energie für 500-1000 km mit einem Gewicht von 100 kg in einem Tank von ein paar Dutzend Euro mittransportieren. Dafür brauche ich nun mehrere hundert bis tausend kg, ein paar Tausend Euro, und die Nachladezeit ist auch noch viel höher. Das ist es uns aktuell wert, weil es ökologischer ist. Aber es ist wirklich nicht elegant, nicht gut und nicht überzeugend. Die langfristige Lösung muss wieder deutlich näher bei der Treibstoff-Lösung liegen, und sie wird es auch.
Snork der Dritte meint
„ein paar Dutzend Euro“ – der ist gut! Aktuell toleriere ich auf Fernstrecke die 20 Minuten mehr Pause als die Spritpreise.
ap500 meint
Und die Masse toleriert die Spritpreise als die doppelt so teuren Eautos.
In Norwegen und Dänemark ist das anders dort sind Eauto deutlich günstiger in der Anschaffung als ein Verbrenner.
BeatthePete meint
Nein, das sehe ich anders.
Treibstoff-Lösung ist Zentral, solange das Auto nicht mit 3ten geteilt wird, steht es >95% der Zeit. Da braucht man Dezentrale Treibstoff-Lösungen.
Die Frage, reicht die Energiemenge der „Stehzeit“ aus um die ganze „Bewegzeit“ abzudecken?
Falls ja, dann recht Dezentral aus, falls nein, dann braucht man zusätzlich Zentrale Lösungen um schnell die Energiemenge nachzufüllen. Fokus ist dann auf schnell.
Nächste Frage wäre, wie man die Energie in Bewegung umwandelt und welche Umwandlungsstoffe entstehen. Im Idealfall kann man die Umwandlungsstoffe wieder zu Energie machen. Klar ist, die Umwandlung Energie zu Bewegung mus maximaleffizient sein.
Extremas müssen vermieden werden,es wird noch ein paar Einschänkungen in Grösse und Gewicht geben, aber das wäre so die Treibstoff-Spielwiese.
Ben meint
Wenn Stwhzeit so ein Problem ist warum stehen dann so viele Verbrenner an Raststätren und Autohöfen rum meist sogar länger als ich lade…ich dachte damit kann man 12h am Stück 1000km fahren ?
BeatthePete meint
Weil sie mit dem nachladen schon fertig sind.
Stehzeit beim Nachladen ( und Weiterfahrt) ist wirklich ein Problem, denn diese muss so kurz wie möglich sein.
In der Theorie ist die Beste Lösung, die Nachfüllzeit identisch mit der Standzeit zu setzen.
Bei z.B 1H Mittagspause dann am 50kw Lader zu laden und nicht am 400kw.
In der Praxis wird sich das aber nicht durchsetzen. ( Kosten & pers. Individualität)
ap500 meint
Unsicher? Das Eauto kommt. Aber erst wenn die Ölindustrie das wirklich will.
M. meint
Wenm es so wäre, gäbe es bis heute nicht ein BEV auf den Straßen.
Aber natürlich versucht die Ölindustrie alles bis hin zur Falschinformation, um das so lange wie möglich einzudämmen.
Future meint
Die Fossilen Industrien sind damit auch ausgesprochen erfolgreich unterwegs. In Amerika haben sie sich mit viel Geld Trump installiert und in Deutschland hat es mit Reiche auch schon gut geklappt.
Powerwall Thorsten meint
Tja wie meine Frau immer zu sagen pflegt:
„Denken hilft“
und
„selber denken hilft noch mehr“
M. meint
Das waren lange nicht alleine „die fossilen“, die Trump installiert haben.
Besonders hervorgetan hat sich jemand, der früher mal so tat, als ginge es ihm um den Klimaschutz. Nach meiner Übersicht ist außer dem auch keiner über die Bühne gehüpft, als wäre er auf einer Theatervorführung der Grundschule.
Aber dass dunden aisgelassen hast… ich versteh’s. Tut halt weh, sich daran zu erinnern.
Bei dem „Selbstdenker“ ist das ganz genauso.
Mike meint
Wobei man sich vor Menschen in Acht nehmen sollte, die sich als Selbst- oder Querdenker beschreiben.
Peter meint
Die „Ölindustrie“ wird niemals ein E-Auto wollen. Denn ein E-Auto verbraucht kein Öl.