Renault führt den neuen, rein elektrischen Twingo ein. Die Franzosen betonen mit Blick auf das Segment die Schwierigkeit, Wettbewerbsvorteile, die Einhaltung von Normen und das Erfüllen moderner Kundenerwartungen unter einen Hut zu bringen. Die meisten Hersteller hätten sich deshalb einfach aus diesem Segment zurückgezogen. Renault mache das Gegenteil – und das mit E-Antriebstechnik, die noch mehr Herausforderungen bei den Kosten bringt.
„Aufbauend auf seiner Geschichte und seinem Know-how im Bereich Kleinwagen hat der französische Automobilhersteller beschlossen, diese Herausforderung anzunehmen und sie als große Wachstumschance zu begreifen“, heißt es von den Franzosen. Das Ergebnis sei der Twingo E-Tech elektrisch: „ein modernes vollelektrisches Stadtfahrzeug mit hohem Kundennutzen und erschwinglichem Preis“. Hierzulande wird der Kleinstwagen ab 19.990 Euro verkauft,
Für das Modell habe man seine Konstruktions- und Produktionsmethoden grundlegend überdenken und die gesamte im Unternehmen vorhandene Expertise nutzen müssen, erklärt Renault. Der neue Ansatz spiegele sich unter anderem darin wider, dass der Twingo E-Tech als erstes Modell des Konzerns über eine LFP-Batterie (Lithium-Eisenphosphat) verfügt. Diese Technologie nutzt reichlich vorhandene und weit verbreitete natürliche Ressourcen wie Eisen und Phosphat und reduziert die Abhängigkeit von kritischen Metallen. In Verbindung mit der Cell-to-Pack-Architektur werden dadurch die Batteriekosten den Angaben nach um rund 20 Prozent gesenkt. Bei Cell to Pack entfallen die Batteriemodule, die Batteriezellen werden direkt in das Akkupack integriert.
Zu den verringerten Batteriekosten gesellen sich niedrigere Betriebskosten. „Dank der umfangreichen Entwicklungsarbeit mit detaillierten Studien zu Motoreffizienz und Aerodynamik war es möglich, Größe und Gewicht der Batterie zu begrenzen“, heißt es. „Dadurch zeichnet sich der Twingo E-Tech elektrisch durch einen außergewöhnlich niedrigen Energieverbrauch aus und kann direkt mit Fahrzeugen derselben Klasse mit Verbrennungsmotor konkurrieren.“
Verkürzung der Fahrzeugentwicklungszeiten auf zwei Jahre
Der Twingo E-Tech wurde schneller entwickelt als jedes andere Modell in der Geschichte von Renault. „Er wurde in nur hundert Wochen entworfen und gebaut – doppelt so schnell wie frühere Elektromodelle – und erfüllt dabei die neuesten Qualitätsstandards des Konzerns“, unterstreichen die Verantwortlichen. „Um dieses Ziel zu erreichen, hat Renault eine einzigartige Organisation aufgebaut, die europäisches Know-how und chinesische Innovation vereint.“
Das Design des neuen Elektro-Twingo wurde im „Technocentre“ in Frankreich auf den Weg gebracht – auf Basis der Plattform RGEV Small, die für Elektrofahrzeuge des A- und B-Segments entwickelt wurde. „Eine gestraffte Führungsstruktur ermöglichte eine schnelle Entscheidungsfindung, reduzierte den erforderlichen Austausch zwischen den Geschäftsbereichen und stellte eine vollständige Integration in die Elektrostrategie von Renault sicher“, so der Konzern.
Die zweite Phase wurde in China mit ACDC umgesetzt – dem Forschungs- und Entwicklungszentrum der Renault Group in Shanghai. Ziel war es hier, vom lokalen Ökosystem zu profitieren, das für schnelle Entwicklungszeiten, wettbewerbsfähige Kosten und technologische Expertise bekannt ist. „Unterstützt durch das lokale Ökosystem und neue Industriepartner nahm das Projekt Fahrt auf“, berichtet Renault. Am Twingo-Projekt waren demnach rund 100 ACDC-Ingenieure beteiligt, die für die Systemintegration und das Projektmanagement verantwortlich waren. In Frankreich wiederum erfolgte die Entwicklung von Plattform, Elektronik, Software, Multimedia-Komponenten und Assistenzsystemen.
Gebaut wird der Twingo E-Tech im Werk Novo Mesto in Europa, das garantiert laut Renault Qualität und Zuverlässigkeit.
„Mit diesem neuen Ansatz hat Renault den Übergang von einer konventionellen, linearen Entwicklung zu einem kollaborativen, funktionsübergreifenden Prozess vollzogen – wie, wenn man bei einem Fahrzeug die Anzahl der Teile reduziert“, so die Franzosen. „Dadurch war es möglich, die Entwicklungszeit gegenüber einem vergleichbaren Fahrzeug um ein ganzes Jahr zu verkürzen und gleichzeitig die erforderlichen Investitionen um die Hälfte zu reduzieren.“ Das sei eine bedeutende Errungenschaft, die nun den Maßstab für die zukünftigen Projekte der Gruppe mit den Marken Renault, Dacia und Alpine setzen werde.

Sukram meint
130km RW ~ 50km Einsatzradius auf der Bahn im Kernwinter lt. DATABASE ist jetzt doch etwas arg mühsam.
Eher Dritt-Auto, Pizza Lieferdienst oder Altenpflege. Oder Luisa Neubauers Putzfrau, wenn sie sich nicht mehr in den ÖPNV wagt.
Future meint
Endlich kommen nach den Kleinwagen auch die Kleinstwagen wieder nach Europa. Scheinbar gelingt es den Konzernen durch eine hohe Produktionseffizienz, trotzdem noch genügend Marge damit zu erzielen. Es war wohl schlau von Renault, sich bei der Entwicklung von der chinesischen Expertise unterstützen zu lassen – dort wird eben auch 12 Stunden lang gearbeitet und das an 6 Tagen in der Woche (Quelle: SPON, 31.03.2026, »Renault Twingo E-Tech im Test: Der kleine Stromer, der VW ärgert«)
eBikerin meint
Hast du eigentlich nur Artikel die hinter der Bezahlschranke sind?
Yoyo meint
Viel Akku, viel Gewicht, viel Verbrauch.
Der Twingo kann z.B. bei ALDI in 30 Minuten von 10% auf 80% aufgeladen werden.
Das reicht vollkommen aus trotz Reichweitenangst. ;-)
M. meint
An „meinem“ Aldi lädt der in 30 Minuten brutto 5,5 kWh. Netto also knapp 5.
Es gibt Menschen, denen das reicht.
Aber alle?
Miro meint
Sie haben den Twingo wohl eher mit einem extrem kleinen Akku realisiert.
Sorry, aber das reicht, besonders im Winter wo du aerodynamisch so gut sein möchtest wie du willst, nicht. Eine Heizung braucht (für Akku und Innenraum) eine absolute Zahl an kWh und keine prozentuale Angabe, was manche anscheinend denken. Ich finde deshalb solche ernstgemeinten Autos schädlich für die Elektromobilität, weil die Leute das dann kaufen und sich wundern warum sie kaum über 100 km weit kommen wenn sie mal über die Autobahn zur Arbeit fahren und zurück. Ein E-Auto muss in meinen Augen in allen Szenarien mindestens 300 Autobahnkilometer schaffen. Sonst wirst du damit nicht wirklich viele Kunden überzeugen. Selbst wenn sie es in der Praxis nicht brauchen so ist der psychologische Effekt (besser haben als brauchen) viel größer als viele denken!
Stefan meint
Das ist ein Kleinstwagen. Wenn man häufig viel Reichweite braucht, kauft man sich was größeres. Im Beispiel von Renault wäre es z.B. der Renault 5.
David meint
Daran sieht man nur, wie die German Reichweitenangst auch 2026 noch Leute im Griff hat.
Miro meint
Als Mieter ohne Lademöglichkeit zuhause hätte ich gar keinen Bock jeden Tag zu laden. Auch nicht an einer AC Säule, die nicht direkt am Haus ist wo ich jeden Tag 5 minuten vom und zum Auto bei Wind und Wetter müsste. Und aufgrund der Blockiergebühr müsste ich mich aufs Auto einstellen und nicht andersrum.
Leute ich fahre selbst E-Auto aber für jemanden dem Elektromobilität nicht am Herzen liegt und er einfach nur unkompliziert von A nach B will ist so etwas ein K.O. Kriterium.
A-P meint
Dann nimmt man eben einen Renault 5 E-Tech als Leasingrückläufer oder jungen Gebrauchten. Selbst wenn man bei einem Gebrauchten von einem degradierten Akku mit nur noch 48 kWh ausgeht, ist das immer noch deutlich komfortabler als die 27 kWh des neuen Twingo.
A-P meint
Man sollte von einem Kleinstwagen keine Wunder bei der Reichweite erwarten. Renault zielt hier bewusst auf Kunden ab, die fast nur Kurzstrecke fahren. Da man im Schnitt oft unter 40 km am Tag fährt, wäre ein riesiger Akku für 300 km Autobahn nicht sinnvoll – das macht das Auto nur unnötig schwer und teuer.
Viele Kleinstwagen-Verbrenner haben ja auch kaum Kilometer auf dem Tacho. In der Stadt nutzt man das Auto meist nur zum Einkaufen, für die Arbeit oder um die Kinder wegzubringen. Für lange Strecken nehmen viele dann eher die Bahn. Es ist eben ein spezialisiertes Stadtauto und keine Reiselimousine.
EVrules meint
Ja das stimm ich zu, 35kWh wären schöner gewesen, als die knappen 28kWh.
Freillich reicht es in beiden Fällen für einen Kleinstwagen aus, aber anstelle von 260km Reichweite, wären so 330km möglich gewesen.
Vmtl. wäre der Abstand zum R5 zu klein geworden, weswegen es doch eine modellpolitische Entscheidung sein könnte.