Volkswagen und Elli bereiten den Marktstart eines integrierten Vehicle-to-Grid-Angebots für Privatkunden in Deutschland vor. Ab dem vierten Quartal 2026 sollen Kunden ihre Elektroautos nicht nur laden, sondern in das Energiesystem einbinden und damit zusätzliche Erlöse erzielen können. Eine Vorregistrierung ist ab Juni 2026 vorgesehen, weitere europäische Länder sollen schrittweise folgen.
Das Angebot baut auf dem bestehenden Heimlade- und Energieökosystem des Konzerns auf. Vehicle-to-Grid wird dabei als nächster Entwicklungsschritt eines umfassenden Energie-Angebots rund um das Elektroauto beschrieben. VW-Pkw-Vertriebschef Martin Sander: „Elektromobilität entfaltet ihr volles Potenzial nur dann, wenn sie für unsere Kundinnen und Kunden auch wirtschaftlich überzeugt.“
Für Kunden entsteht damit ein Modell, mit dem sich Mobilitätskosten aktiv steuern lassen. Durch die Bereitstellung verfügbarer Batteriekapazität aus dem E-Auto und durch Flexibilität beim Ladeverhalten sind Einsparungen und perspektivisch auch Einnahmen möglich. Das Potenzial wird im Markt im besten Fall auf 700 bis 900 Euro pro Jahr geschätzt. In einem ersten Schritt ist eine Vergütung dafür vorgesehen, dass Fahrzeugbatterien für den Energiehandel bereitgestellt werden. Diese Vergütung erfolgt unabhängig vom Handelserfolg und richtet sich nach der gewählten Flexibilität beim Laden.
Das Angebot verknüpft dynamischen Stromtarif, DC-bidirektionale Wallbox, Smart Meter und digitale App systematisch miteinander. E-Auto sollen dabei eine doppelte Funktion übernehmen: als Mittel der Fortbewegung und als flexible Energiespeicher. Überschüssige Energie, insbesondere aus erneuerbaren Quellen, kann im Fahrzeug gespeichert und bei Bedarf wieder in das Stromnetz eingespeist werden.
Volkswagen verweist zudem auf gesamtwirtschaftliche Potenziale. Studien zufolge könnten in Europa bis 2040 jährlich rund 22 Milliarden Euro an Systemkosten eingespart werden. In Deutschland wurden zuletzt etwa 9500 GWh erneuerbare Energien abgeregelt – genug, um rund drei Millionen Elektrofahrzeuge ein Jahr lang zu betreiben.
Die technologische Grundlage bildet Volkswagens modularer E-Auto-Baukasten MEB. Rund eine Million Fahrzeuge in Europa sind laut den Wolfsburgern bereits technisch für bidirektionales Laden vorbereitet. Mit der kommenden ID.-Software 6 soll die Funktionalität auf weitere Batteriegrößen ausgeweitet und damit einem breiteren Kundenkreis zugänglich gemacht werden, einschließlich zukünftiger Volumenmodelle. Volkswagen versichert, bidirektionales Laden beeinflusse die Batterielebensdauer dank robuster Hochvoltbatterien und Schutzsystemen nicht nennenswert.
Eine zentrale Rolle übernimmt Elli, das Stromtarif, Wallbox, digitale App-Steuerung, die Aggregation von Fahrzeugbatterien sowie den Zugang zu Energiemärkten und Energiehandel verbindet. Elli-CEO Giovanni Palazzo: „Jetzt machen wir den nächsten Schritt: Wir vernetzen die Batterien.“ Für die breite Nutzung ist nach Darstellung des Unternehmens die Integration von Smart Metern entscheidend. Kunden werden dafür über die Elli-Website an einen wettbewerblichen Messstellenbetreiber weitergeleitet. Die Installation soll in der Regel innerhalb von acht bis zehn Wochen erfolgen. Nach der anschließenden Konfiguration kann der V2G-Tarif genutzt werden.

Paule meint
„Das Potenzial wird im Markt im besten Fall auf 700 bis 900 Euro pro Jahr geschätzt.“
Diese Schätzung kann ich nicht nachvollziehen. Aktuell gibt es noch immer die Limitierung (bei VW). Die bidirektionale Entladefunktion ist fahrzeugseitig begrenzt. Sie steht maximal bis zu einer Entladung von 10.000 kWh oder einer Betriebsdauer von 4.000 Stunden zur Verfügung. Wird einer dieser Werte erreicht, endet die Funktion.
Nehmen wir an, ich kann durch den kleinen Stromhandel 10 Cent/kWh rausschlagen, ist also nach 1000 EUR Ende mit Geld verdienen. Dafür hat der Elektriker die Wallbox angeschraubt, das wars. Zuzüglich Hardware. Wo sollen 700 bis 900 Euro pro Jahr herkommen? Jedes Jahr? Brauche ich dafür jedes Jahr ein neues Auto mit leerem 10.000 kWh-Budget?
David meint
Es geht los. Ich bin gespannt auf die genaueren Konditionen. VW hat die größte Flotte bidirektionaler Fahrzeuge.
Ben meint
Musste doch wissen, ist doch in der 360° App alles aufgeführt.