E.On geht mit einem branchenübergreifenden Konsortium aus Industrie, Netzbetrieb und Forschung den nächsten Schritt beim bidirektionalen Laden: Mit dem Start des Pilotbetriebs im Förderprojekt „BDL Next“ erproben die Projektpartner unter realen Bedingungen, welche Voraussetzungen für eine zukünftige breite Skalierung der Technologie erforderlich sind. Das Ziel: E-Fahrzeuge nahtlos in den Energiemarkt zu integrieren, um das Stromnetz zu unterstützen und die Energiewende in die Haushalte zu bringen.
Durch Interoperabilität und die Einbindung von Photovoltaik, Heimspeichern und intelligentem Energiemanagement schafft BDL Next ein offenes System, das die Basis für den herstellerübergreifenden und flächendeckenden Einsatz legt. „Damit schlägt das Projekt die Brücke zwischen der privaten Eigenverbrauchsoptimierung und den Anforderungen eines sicheren, bezahlbaren Energiesystems“, heißt es.
Zum Start des Pilotbetriebs wurden kürzlich die Fahrzeuge in der BMW Welt in München an die teilnehmenden Pilothaushalte übergeben, mit Fokus auf den neuen iX3. Die Pilotphase ist auf mehrere Monate angelegt. Die Ergebnisse fließen in die Weiterentwicklung der Technologie ein – auch mit Blick auf die erforderlichen regulatorischen Rahmenbedingungen, etwa bei Steuerbarkeit, Messkonzepten und der Einbindung von Flexibilität in bestehende Markt- und Netzprozesse.
Flexibilität muss im Energiesystem ankommen
Mit dem Hochlauf der Elektromobilität, zunehmender dezentraler Erzeugung und weiteren elektrischen Verbrauchern wächst der Bedarf an Flexibilität im Energiesystem, insbesondere in den Verteilnetzen. Sie leistet einen zentralen Beitrag zur Stabilität der Stromnetze, wenn sie sich intelligent steuern und kundenfreundlich integrieren lässt.
„Der nächste Schritt beim bidirektionalen Laden ist klar: weg von der Einzellösung hin zur Nutzung im Energiesystem. Der Pilotbetrieb macht konkret, woran wir schon seit einiger Zeit arbeiten: eine steuerbare, messbare und netzdienliche Nutzung im großen Maßstab“, sagt Stefan Padberg, Leiter Innovation bei E.On. „Damit wird Flexibilität aus Haushalten zu einem echten Baustein der Energiewende – für mehr Stabilität im Netz, eine effizientere Nutzung erneuerbarer Energien und ein bezahlbares Energiesystem. Gleichzeitig eröffnen sich für Kundinnen und Kunden neue Möglichkeiten, finanziell zu profitieren, wenn sie ihre Flexibilität zur Verfügung stellen.“
Netzdienlichkeit und Redispatch 3.0: E-Mobilität löst Netzengpässe
Statt das bidirektionale Laden aus der Perspektive des einzelnen Haushalts zu betrachten, denkt BDL Next größer. Ziel ist es, tausende kleinteilige Kapazitäten aus Haushalten zu koordinieren, um das Gesamtsystem zu entlasten. E.On testet hierbei mit den Projektpartnern, wie Flexibilität aus Elektroautos gezielt aktiviert und in Echtzeit gesteuert werden kann, ohne den Alltag der Kunden zu beeinträchtigen. Eine zentrale Herausforderung ist dabei die präzise Messung und Zuordnung der Energieflüsse – zum Beispiel wann Strom aus dem Fahrzeug kommt, ob er aus erneuerbaren Quellen stammt und wie er bilanziell erfasst wird.
Gleichzeitig wird untersucht, wie diese Flexibilität in bestehende Netz‑ und Marktprozesse integriert werden kann, etwa in Form von standardisierten Signalen zwischen Transportnetzbetreiber, Verteilnetzbetreiber und Haushalt. Dies sind entscheidende Schritte hin zum Redispatch 3.0: Einem modernen Engpassmanagement, das erstmals dezentrale Ressourcen auf Niederspannungsebene nutzt, um das Stromnetz der Zukunft stabil zu halten. Hierfür braucht es einheitliche Prozesse, die eine koordinierte Steuerung von vielen einzelnen Anlagen ermöglichen. Die Praxiserkenntnisse aus BDL Next sollen diese Lücke schließen.
Photovoltaik-Integration schafft Brücke zwischen Eigenheim und Strommarkt
Ein weiterer Schwerpunkt des Pilotbetriebs ist die intelligente Verknüpfung mit Photovoltaik. In BDL Next werden die Fahrzeuge für die Maximierung des Eigenverbrauchs genutzt, mittels Vehicle-to-Grid (V2G) die Flexibilität vermarktet und ebenso die Netzdienlichkeit berücksichtigt.
„Dieser hybride Ansatz harmonisiert private Erzeugung und öffentliche Netzanforderungen. Das E-Auto wird so zum zentralen Manager eines ganzheitlichen Energiehaushalts, der die Energiewende vor Ort mit den Erfordernissen des Strommarktes verbindet“, erklärt E.On.
Offene Standards als Schlüssel für die branchenweite Skalierung
Damit bidirektionales Laden perspektivisch den Massenmarkt erreichen und das volle Potenzial im Energiesystem entfalten kann, braucht es laut E.On Lösungen, die im Alltag einfach funktionieren und sich flexibel in unterschiedliche Umgebungen integrieren lassen. Nur so könne der Schritt von ersten marktfähigen Anwendungen hin zu einer breiten, systemübergreifenden Nutzung gelingen.
Ein zentrales Zielbild des Projekts sei daher die Interoperabilität zwischen den eingesetzten Komponenten – von Fahrzeug, über Wallbox bis hin zum Energiemanagementsystem, Photovoltaik-Anlage und Heimspeicher. Entscheidend dabei sei die enge Zusammenarbeit von Automobilindustrie, Energiewirtschaft und Forschung, die gemeinsam an herstellerübergreifend funktionierenden Lösungen arbeiten. Nur durch solche offenen Standards ließen sich Flexibilitäten in einem Maßstab bündeln, der das Energiesystem nachhaltig stützt.

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