Bei Tesla sind im Mai die letzten Exemplare der beiden Oberklassebaureihen Model S und Model X vom Band gelaufen. Der US-Elektroautobauer hat die Limousine und das SUV eingestellt, um sich mehr auf autonome Fahrtechnologie sowie Robotik zu konzentrieren. Eine Neuauflage der großen Stromer ist wohl eine Option, aktuell für das Unternehmen aber zu aufwändig.
Führungskräfte von Tesla erklärten im Podcast Ride the Lightning, dass man eine zukünftige Rückkehr des Model S und des Model X nicht ausschließe, auch wenn es derzeit Ressourcen auf Produkte der nächsten Generation wie den Cybercab-Robotaxi, den humanoiden Roboter Optimus und den Semi-Lkw verlagere.
„Es war einfach so: Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, um das weiterzuführen. Das heißt aber nicht, dass es für immer vorbei ist. Ich sage nie ‚nie‘“, sagte Lars Moravy, Vice President of Vehicle Engineering. „Ich finde, S und X haben großartige Arbeit für uns geleistet und genau das getan, was sie tun mussten. Aber ich glaube, wenn wir nach vorne blicken, ergeben sich immer neue Chancen.“
Auf die Frage, wessen Idee es gewesen sei, die Produktion der Modelle einzustellen, antwortete der Tesla-Chefingenieur, es habe „keine Diskussion“ gegeben. „Ich glaube, wir waren uns alle der Herausforderungen bewusst, die mit der Weiterführung verbunden waren. Ich meine, diese Plattform – wir haben 2008 mit der Entwicklung angefangen, oder?“, so Moravy. „14 Jahre später ist es im Grunde dasselbe Auto, mit ein paar Verbesserungen, die im Laufe der Zeit vorgenommen wurden.“
Der Manager nannte regulatorische Herausforderungen in Europa als einen der Gründe für die Einstellung von Model S und Model X, neben dem Vorantreiben der autonomen Projekte von Tesla. „Etwa alle fünf Jahre aktualisiert Euro NCAP seine Prüfprotokolle“, erklärte Moravy. „Wir haben die Fünf-Sterne-Crashtest-Anforderungen mit dem Model S und dem Model X erfüllt, als wir vor einigen Jahren die Modellpflege durchführten, und mit Blick auf die Zukunft werden diese Anforderungen immer strenger.“
Die beiden großen Elektroautos seien die ersten gewesen, die er und sein Team entworfen hat, erklärte Moravy. Sie seien heute „für diese Welt am wenigsten gerüstet“. Demnächst wäre eine umfassende Überarbeitung erforderlich gewesen, man hätte im Grunde von null anfangen müssen. „Und es war so: Nun, wir müssen viele hundert Millionen Dollar ausgeben, um das in dieser Fabrik neu zu gestalten, aber wir brauchen auch eine Pilotfabrik für Optimus … Ich glaube, die beiden Dinge gingen Hand in Hand.“
Wie viele Exemplare von Model S und Model X Tesla zuletzt noch absetzte, lässt sich nicht genau sagen. In den Veröffentlichungen des Konzerns werden die beiden Baureihen zusammen mit dem Pick-up-Truck Cybertruck als „andere Modelle“ aufgeführt. Davon hat die Marke im letzten Jahr nur rund 50.000 Exemplare verkauft. Von den Mittelklasse-Elektroautos Model 3 und Model Y wurden dagegen fast 1,6 Millionen Einheiten abgesetzt. Letztere stellen bis auf Weiteres das komplette internationale Auto-Portfolio von Tesla dar.

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