Die infolge des Iran-Kriegs steigenden Kraftstoffpreise kurbeln die Nachfrage nach neuen sowie gebrauchten Elektrofahrzeugen in Europa an. Branchenexperten führen diese Entwicklung auch auf verbesserte Ladeinfrastrukturen und eine größere Auswahl erschwinglicher Modelle zurück, darunter zunehmend Angebote chinesischer Hersteller.
Daten der Forschungsgruppe New Automotive und des Branchenverbandes E-Mobility Europe belegen diesen Trend, berichtet Automotive News. In 17 Märkten, die über 90 Prozent der Autoverkäufe der EU und der EFTA abdecken, stiegen demnach die Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen im Mai im Vergleich zum Vorjahr um 34 Prozent an. Fast jedes vierte neu registrierte Fahrzeug in diesen Regionen war ein rein elektrisches Modell.
Auch bei etablierten Herstellern sind Auswirkungen spürbar. Der CEO von Renault, Francois Provost, gab gegenüber Reuters bekannt, dass das Auftragsvolumen für Elektroautos in einigen Ländern seit Beginn des Krieges Ende Februar um 50 Prozent gestiegen sei. Er prognostizierte allerdings, dass das Wachstum abnehmen werde, falls die Kraftstoffpreise wieder sinken. Jim Baumbick, Chef von Ford Europa, bestätigte, dass der Krieg das Interesse der Kunden an Elektrofahrzeugen erhöht hat. Er mahnte jedoch zur Vorsicht mit Blick auf eine dauerhafte Veränderung.
Chinesische Automobilproduzenten erweitern ihr Angebot in Europa zunehmend um kleinere Kompaktwagen. „Das Interesse der Verbraucher an Elektroautos wird eindeutig durch kostengünstige, sehr gute chinesische Fahrzeuge angeheizt, die auf den Markt kommen“, so Andy Palmer, ein ehemaliger Nissan-Manager, der das einst weltweit erfolgreichste Massenmarkt-Elektroauto Leaf auf den Markt gebracht hat.
Auch gebrauchte E-Autos gefragt
Der Markt für gebrauchte E-Autos verzeichnet dem Bericht zufolge ebenfalls eine hohe Nachfrage bei wachsendem Angebot. So stiegen auf dem französischen Online-Marktplatz OLX die Verkaufsanfragen für chinesische Marken im Mai im Vergleich zum Vorjahr um mehr als das Vierfache. Bei der Plattform Carwow hat sich das Interesse an Elektrofahrzeugen, gemessen an Konfigurationen und Anfragen, auf 70 bis 75 Prozent stabilisiert, nachdem es zuvor bei etwa 40 Prozent lag.
Die Preise für gebrauchte Elektroautos sind derzeit vergleichsweise niedrig und liegen unter denen ähnlicher Modelle mit Verbrennungsmotoren. Insbesondere Preissenkungen von Elektroauto-Pionier Tesla führten zu einem deutlichen Rückgang der Wiederverkaufswerte. Doch die Preise steigen aufgrund der Nachfrage nun wieder leicht an. Die dänische Plattform Bilbasen etwa erwartet für gebrauchte Elektroautos in diesem Jahr einen Preisanstieg von 10 Prozent.
Philip Nothard vom Automobilexperten Cox geht davon aus, dass das wachsende Angebot an erschwinglichen Neu- und Gebrauchtwagen die Nachfrage auch bei sinkenden Kraftstoffpreisen stützen wird. Er äußerte die Vermutung, dass sich der Markt stabilisieren werde und bezweifelt einen Rückgang.

Futureman meint
Inzwischen ist die Reaktion bei einige E-Auto-Händlern eher ein abwinken beim Reinkommen. Der Satz „dieses Jahr nicht mehr“ kommt bei immer mehr Anbietern. Und das, wo einige Anbieter doch versuchen mit allen Mitteln Marktanteile in Deutschland zu bekommen. Bedeutet also, selbst optimistischste Annahmen zu Verkaufszahlen wurden inzwischen übertroffen. Daher gehe ich eher von einer weiter (stark) steigenden Kurve bei den E-Verkäufen aus.