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Hohe Spritpreise beflügeln E-Auto-Verkäufe, Wachstum könnte aber nachlassen

22.06.2026 in Autoindustrie von Thomas Langenbucher | 8 Kommentare

Skoda_Elroq_Sportline

Bild: Skoda (Symbolbild)

Die infolge des Iran-Kriegs steigenden Kraftstoffpreise kurbeln die Nachfrage nach neuen sowie gebrauchten Elektrofahrzeugen in Europa an. Branchenexperten führen diese Entwicklung auch auf verbesserte Ladeinfrastrukturen und eine größere Auswahl erschwinglicher Modelle zurück, darunter zunehmend Angebote chinesischer Hersteller.

Daten der Forschungsgruppe New Automotive und des Branchenverbandes E-Mobility Europe belegen diesen Trend, berichtet Automotive News. In 17 Märkten, die über 90 Prozent der Autoverkäufe der EU und der EFTA abdecken, stiegen demnach die Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen im Mai im Vergleich zum Vorjahr um 34 Prozent an. Fast jedes vierte neu registrierte Fahrzeug in diesen Regionen war ein rein elektrisches Modell.

Auch bei etablierten Herstellern sind Auswirkungen spürbar. Der CEO von Renault, Francois Provost, gab gegenüber Reuters bekannt, dass das Auftragsvolumen für Elektroautos in einigen Ländern seit Beginn des Krieges Ende Februar um 50 Prozent gestiegen sei. Er prognostizierte allerdings, dass das Wachstum abnehmen werde, falls die Kraftstoffpreise wieder sinken. Jim Baumbick, Chef von Ford Europa, bestätigte, dass der Krieg das Interesse der Kunden an Elektrofahrzeugen erhöht hat. Er mahnte jedoch zur Vorsicht mit Blick auf eine dauerhafte Veränderung.

Chinesische Automobilproduzenten erweitern ihr Angebot in Europa zunehmend um kleinere Kompaktwagen. „Das Interesse der Verbraucher an Elektroautos wird eindeutig durch kostengünstige, sehr gute chinesische Fahrzeuge angeheizt, die auf den Markt kommen“, so Andy Palmer, ein ehemaliger Nissan-Manager, der das einst weltweit erfolgreichste Massenmarkt-Elektroauto Leaf auf den Markt gebracht hat.

Auch gebrauchte E-Autos gefragt

Der Markt für gebrauchte E-Autos verzeichnet dem Bericht zufolge ebenfalls eine hohe Nachfrage bei wachsendem Angebot. So stiegen auf dem französischen Online-Marktplatz OLX die Verkaufsanfragen für chinesische Marken im Mai im Vergleich zum Vorjahr um mehr als das Vierfache. Bei der Plattform Carwow hat sich das Interesse an Elektrofahrzeugen, gemessen an Konfigurationen und Anfragen, auf 70 bis 75 Prozent stabilisiert, nachdem es zuvor bei etwa 40 Prozent lag.

Die Preise für gebrauchte Elektroautos sind derzeit vergleichsweise niedrig und liegen unter denen ähnlicher Modelle mit Verbrennungsmotoren. Insbesondere Preissenkungen von Elektroauto-Pionier Tesla führten zu einem deutlichen Rückgang der Wiederverkaufswerte. Doch die Preise steigen aufgrund der Nachfrage nun wieder leicht an. Die dänische Plattform Bilbasen etwa erwartet für gebrauchte Elektroautos in diesem Jahr einen Preisanstieg von 10 Prozent.

Philip Nothard vom Automobilexperten Cox geht davon aus, dass das wachsende Angebot an erschwinglichen Neu- und Gebrauchtwagen die Nachfrage auch bei sinkenden Kraftstoffpreisen stützen wird. Er äußerte die Vermutung, dass sich der Markt stabilisieren werde und bezweifelt einen Rückgang.

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Via: Reuters
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Über den Autor

Thomas Langenbucher ist Experte für Elektromobilität mit beruflichen Stationen in der Automobilindustrie und Finanzbranche. Seit 2011 berichtet er auf ecomento.de über Elektroautos, nachhaltige Technologien und Mobilitätslösungen. Mehr erfahren.

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. South meint

    22.06.2026 um 14:07

    Man braucht wie so oft im Leben einen kleinen Ruck, um was neues auszuprobieren…ansonsten ist einem das gewohnte oft genug. Witzigerweise hat genau das völlige undurchdachte und chaotische Vorgehen von Trump (mittlerweile der größte Wohlstandsvernichter aller Zeiten und die größte selbstverschuldete Demütigung der USA, ausbaden darf das der genau der dumpfe Maga Wähler ;-) ) mit der Irankrise die Spritpreise ordentlich in die Höhe geschraubt und das wurde gleich noch mit der sehr offenen Abzocke der Ölmultis garniert. Das hat viel Kunden wachgerüttelt, welche sich nun ernsthaft mit dem eAuto beschäftigen.
    Bedeutet. Es gibt mehrere Effekte. Das kurzfristige Strohfeuer, dass tatsächlich bei günstigeren Spritpreisen zu einer Stagnation oder auch mal zu einem Rücksetzer bei eAutos auf mittlerweile hohem Niveau führen könnte. Aber. Auch die nicht zu unterschätzende Effekte, dass sich Kunden, selbst wenn er sich nicht adhoc ein eAuto zulegt, sich nun ernsthaft dafür interessiert. Auch der Multiplikatoreffekt ist nicht zu unterschätzen. Wir sind Herdentiere. Es fällt leichter sich zu verändern, wenn man mitschwimmt, was sieht, jemanden fragen kann.
    Übrigens wird es dauern, bis der Sprit wieder wirklich billig wird. Momentan verdecken die 17ct den wahren Preis an der Tanke und viele Länder müssen auch erstmal wieder ihre Reserven auffüllen…
    In Kürze. Genau der wirklich völlig verplante und verbitterte Trump hat witzigerweise nachhaltig die Entwicklung der eAutos vorangetrieben

    Antworten
    • banquo meint

      22.06.2026 um 17:28

      bitte:..wiederholte selbstverschuldete Demütigung..* da 2. Wahlperiode.

      Antworten
  2. Futureman meint

    22.06.2026 um 12:01

    Inzwischen ist die Reaktion bei einige E-Auto-Händlern eher ein abwinken beim Reinkommen. Der Satz „dieses Jahr nicht mehr“ kommt bei immer mehr Anbietern. Und das, wo einige Anbieter doch versuchen mit allen Mitteln Marktanteile in Deutschland zu bekommen. Bedeutet also, selbst optimistischste Annahmen zu Verkaufszahlen wurden inzwischen übertroffen. Daher gehe ich eher von einer weiter (stark) steigenden Kurve bei den E-Verkäufen aus.

    Antworten
    • M. meint

      22.06.2026 um 13:51

      Ein Bekannter von mir hat ein Seat / Cupra Autohaus.
      Hab ihn nicht gefragt, aber wenn ich die ganzen E-Neuwagen sehe, die bei ihm auf dem Platz stehen, könnte er vielleicht noch was besorgen.
      Ein Raval steht auch schon im Glaspalast.

      Antworten
      • MK meint

        22.06.2026 um 15:43

        @M.
        Aber dann fragen Sie doch mal tatsächlich…die Lieferzeiten sind nämlich teils tatsächlich exorbitant.
        Meine Erfahrung bei meiner Neuwagenauslieferung: Beim Zulassen haben die sich verhalten, als würden die das zum ersten Mal machen. Mein Auto stand also nach Anlieferung da noch rund 4 Wochen auf dem Hof. Ich kenne die Zahlen des Autohauses (das alle VW-Marken anbietet) als ganzes nicht, habe aber gesagt bekommen, die würden alleine 500 Skoda-Neuwagen pro Jahr verkaufen (inkl. Verbrenner). Wenn da jeder 4 Wochen steht, sind das rechnerisch alleine 40 Skoda Neuwagen, die da permanent rumstehen, aber schon verkauft sind. Und grade bei Geschäftskunden-Neuwagen habe ich den Eindruck, dass die teils deutlich länger als 4 Wochen stehen…wahrscheinlich wird da frühzeitig bestellt, dann aber das Auslaufen des Leasingvertrags des vorherigen Fahrzeugs abgewartet.
        Aber auch ja: „Besorgen“ können die immer irgendwas, weil die meisten Autohäuser bei Modellen mit langer Lieferzeit Fahrzeuge auf Verdacht bestellen. Dann kann man halt nicht konfigurieren.

        Antworten
        • MichaelEV meint

          22.06.2026 um 23:54

          4 Wochen sollen die rumstehen!? Krasse Sache! Vor allem in Anbetracht der Stories, die man einem anderen Hersteller immer andichten will. 2-3 Wochen Inventar bei Lieferungen rund um die halbe Welt werden zum Problem stilisiert, während bei anderen Fahrzeuge ggf. alleine 4 Wochen beim Händler vor Auslieferung rumstehen.
          Die immer positiv dargestellten 4-6 Monate Lieferzeit sind ja sowieso nicht mehr als eine Farce, die sind nur eine Mischung aus Ineffizienz und Kundenverarsche.

        • MK meint

          23.06.2026 um 14:24

          @MichaelEV:
          Sage ich ja hier seit Monaten immer wieder: VW hat es da echt vergeigt und viel zu wenige Teile (vor Allem Akkuzellen) bestellt.
          Eine lange Lieferzeit kann ja immer an zwei Aspekten liegen:
          Einer sehr hohen Nachfrage oder aber einer zu geringen Produktionsmenge. Da die Verkaufszahlen unter den noch vor 2 oder 3 Jahren ausgegebenen Zielen liegen, kann eine „zu hohe“ Nachfrage nicht der Grund sein. Da man z.B. im ID.3/Cupra Born-Werk Zwickau Stellen abbaut, kann es auch keine zu geringe eigene Produktionskapazität sein. Also muss es an der Teileversorgung des Werks liegen. Und da VW nicht lautstark auf einen Zulieferer zeigt (wie es BMW zuletzt bei den fehlenden Felgen getan hat), bin ich mir doch ziemlich sicher, dass man zu wenig bestellt hat.
          Wobei sich gewisse Lieferzeiten natürlich auch aus der Variantenvielfalt ergeben: Bietet man Kunden z.B. 15 verschiedene Sitze (beim VW T6.1 z.B. gab es wohl über 1.000 Sitzvarianten) an, hält man sich die als Hersteller nicht auf Lager. Erst wenn ein Kunde das Auto bestellt, bekommt also irgendwer irgendwo den Auftrag, Sitzbezüge herzustellen, die an eine andere Fabrik zu schicken, die dann den Auftrag bekommt, den Sitz herzustellen, der dann zum Werk geschickt werden kann. Wenn sich das unpraktisch über die Welt verteilt, gehen alleine da schon Mal 2-3 Monate ins Land…

          Was das man wolle „einem anderen Hersteller“ etwas andichten angeht: Dabei ging es zumindest bei dem, was ich gelesen habe, nie darum, einen Bestand von 2-3 Wochen „auf Lager“ zu haben, sondern pro Quartal mehr produziert als verkauft zu haben. Der VW Konzern nimmt ja seit Jahren immer einen solch hohen Bestand mit vom einen Quartal ins nächste, produziert demnach pro Quartal genau so viel nach, wie man auch verkauft.
          Ansonsten haben lange Standzeiten am Autohaus ja recht wenig mit dem Konzern zu tun…bei mir war es wie beschrieben das Autohaus (also ein kleiner regionaler Familienbetrieb, der das Fahrzeug vom Konzern schon gekauft hatte um es mir dann weiterzuverkaufen), das den Zulassungsservice angeboten, dann aber nicht auf die Reihe bekommen hat.
          Außerdem sind wir nun Mal in Deutschland: Gibt es an der Zulassungsstelle keinen Termin, kann auch „ein anderer Hersteller“ daran nichts ändern. Braucht die Post länger, dauert es auch mit der Zulassung länger, da die Papiere zum Zulassungstermin nun Mal im Original in Papierform vorliegen müssen. Da gibt es für keinen Hersteller der Welt eine Ausnahme.

      • Stefan meint

        22.06.2026 um 21:11

        Die langen Lieferzeiten betreffen also oft von den Kunden selbst konfigurierte Varianten/Modelle. Wenn E-Autos auf dem Hof stehen und noch nicht verkauft sind, betrifft das eher unbeliebtere Varianten/Modelle.
        Es gibt also schon noch schnell verfügbare E-Autos, aber nur selten das, was man geplant hatte.

        Antworten

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