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Daimler-Truck-CEO fordert „Realitätscheck“ bei EU-CO₂-Zielen für Lkw

14.07.2026 in Politik, Transport von Thomas Langenbucher | 3 Kommentare

Mercedes-Benz-eActros

Bild: Daimler Truck

Die Existenz der europäischen Nutzfahrzeugindustrie ist gefährdet, sagte Karin Rådström, CEO von Daimler Truck, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Wenn die CO2-Regulierung unverändert bleibe, setze Europa die Wettbewerbsfähigkeit seiner Industrie aufs Spiel. Rådström, die zudem den Nutzfahrzeug-Ausschuss des Verbandes europäischer Automobilhersteller (Acea) leitet, sieht in der aktuellen politischen Lage eine Gefahr für das Segment Mercedes-Benz Trucks.

Die EU-Vorgaben sehen vor, dass die CO2-Emissionen schwerer Nutzfahrzeuge bis 2030 im Vergleich zu 2019 um 43 Prozent sinken müssen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten laut Rådström etwa 35 Prozent aller neu zugelassenen Lkw in Europa im Jahr 2030 batterieelektrisch oder mit Wasserstoff betrieben werden. 2025 lag der Anteil elektrischer schwerer Lkw in Europa jedoch bei lediglich 2 Prozent.

Die wirtschaftlichen Risiken bei Nichterreichung der Ziele sind hoch, da Daimler Truck für jeden verfehlten Prozentpunkt Rådström zufolge etwa 120 Millionen Euro zahlen muss. Ein Verfehlen der Ziele um 10 Prozentpunkte würde bedeuten, dass mit dem Segment Mercedes-Benz Trucks praktisch kein Geld mehr verdient wird.

Ein zentrales Hindernis stellt die Infrastruktur dar. Rådström berichtet, dass sich selbst Kunden, die auf Elektromobilität umstellen möchten, unsicher über die Lademöglichkeiten entlang der Strecken seien. Zudem fehle es an einem schnellen Ausbau der notwendigen Infrastruktur für elektrische Lkw.

Ein weiteres Problem sei das Erreichen der Kostenparität zwischen Elektro-Lkw und Verbrennern, was stark von den Strom- und Dieselpreisen abhängt. Da Diesel eine vergleichsweise günstige Energiequelle sei und Kunden oft mit geringen Gewinnspannen arbeiteten, bleibe der Betrieb mit Diesel in den meisten Fällen sinnvoll. „Sie können sich keine teuren Experimente leisten“, erklärt Rådström.

Die Managerin fordert eine Überprüfung der CO2-Regulierung als „Realitätscheck“. Die Regulierung sollte unter anderem an den Hochlauf der Infrastruktur gekoppelt werden. Außerdem müsse die Infrastruktur schneller ausgebaut werden. „Es ist noch zu früh zu sagen, dass wir die Ziele ändern müssen“, so die Daimler-Truck-Chefin. Aber angesichts des zu langsamen Aufbaus der Infrastruktur und des mangelnden Willens wichtiger EU-Mitgliedsstaaten, eine CO₂-Differenzierung bei der Lkw-Maut zu implementieren, sei deutlich absehbar, dass die Branche mehr Zeit zum Erreichen der Ziele für 2030 braucht.

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Tags: Emissionen, EU, LkwUnternehmen: Daimler Truck
Antrieb: Elektro-Nutzfahrzeuge

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Über den Autor

Thomas Langenbucher ist Experte für Elektromobilität mit beruflichen Stationen in der Automobilindustrie und Finanzbranche. Seit 2011 berichtet er auf ecomento.de über Elektroautos, nachhaltige Technologien und Mobilitätslösungen. Mehr erfahren.

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. Skeptiker meint

    14.07.2026 um 12:51

    Den Realitätscheck verweigert die CEO.
    Elektro LKW funktionieren. Sie müssen nur zu einem attraktiven Preis angeboten werden. Warum die Aufschläge so hoch sind ist nicht zu erklären, am Material kann es nicht liegen. Die Batterien sind viel billiger geworden.
    Die Hersteller hier produzieren sie im Manufakturstil, deshalb teuer, deshalb geringe Nachfrage. Es müssen nicht die Emissionsziele angepasst werden, die Hersteller müssen in die Massenproduktion gehen, wie es in China passiert. Lernt Ihr Hersteller nix aus dem PKW Bereich? Der Politik fehlt leider der Mut, Elektro für bestimmte Marktsegemente einfach verpflichtend für Neuzulassungen vorzuschreiben, das wäre die einfachste Lösung.

    Antworten
  2. CaptainPicard meint

    14.07.2026 um 12:45

    Man könnte auch für den elektrischen LKW nicht das 2,5- bis 3-fache verlangen, dann würden auch mehr davon gekauft werden. In den nächsten 12-18 Monaten werden mehrere chinesische Hersteller ihre Elektro-LKWs in Europa für deutlich bessere Preise anbieten, statt dass man sich auf diese Konkurrenz vorbereitet und versucht mit höheren Skaleneffekten die Preise zu senken macht man genau den selben Fehler wie beim PKW, man will kurzfristig wieder mehr Verbrenner verkaufen und wird dann jammern weil man aus dem Markt gedrängt wird.

    Antworten
  3. M meint

    14.07.2026 um 12:00

    Wir erleben eine der schlimmsten Hitzewellen überhaupt und überall wird gefordert, doch noch mehr CO2 freisetzen zu wollen.
    Wir müssen massiv in Netze, Lademöglichkeiten und Energiespeicher investieren, jedes Cent der noch in fossile Technik fließt ist verlorenes Geld.
    In 10 Jahren haben dann BYD und Sany übernommen, während wir uns fragen warum niemand hocheffiziente Diesel will.

    Antworten

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