Die Volkswagen Financial Services AG (VWFS) verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 einen operativen Gewinn von knapp 1,7 Milliarden Euro. Damit übertraf die Finanzsparte die Ertragskraft aller Automarken des Konzerns. Trotz dieses Ergebnisses sank das operative Ergebnis jedoch um 7,6 Prozent, da die Kosten für Restwertrisiken gestiegen sind. Das liegt insbesondere auch an Elektroautos, berichtet das Manager Magazin.
Der seit Anfang des Jahres amtierende CEO Anthony Bandmann strebt demnach eine umfassende Transformation an. Es sollen die Ertragskraft gesteigert und die Kosten so gering wie möglich gehalten werden. Hierzu wurden laut dem Bericht Unternehmensberater mit einer Vertragsleistungsbeschreibung beauftragt, um ein neues Betriebsmodell sowie einen Transformations-Fahrplan zu entwickeln.
Ein zentraler Faktor für die finanzielle Situation sind die steigenden Restwertrisiken, so der Bericht. Da Fahrzeuge vermehrt geleast statt gekauft werden, wuchs das Volumen der Wagen in den Büchern der Finanzsparte von 2024 auf 2025 um gut eine Milliarde Euro auf fast 5,9 Milliarden Euro. Seit Beginn des zweiten Quartals 2026 sind diese Risiken erneut gestiegen.
Risiko Elektroauto
Besonders die Elektroautos stellen eine Herausforderung dar, da in Deutschland über 80 Prozent der VW-Stromer über die Finanzsparte laufen. Während hohe Leasinganteile profitabel sein können, sind die Restwerte von E-Autos Branchenanalysten zufolge mit durchschnittlich 50,9 Prozent des Neupreises nach drei Jahren vergleichsweise schwach. Zudem stehen auch Verbrenner unter Druck, da die mittleren Restwerte für Benziner (59,6) und Diesel (58,8) im Juni so tief wie seit 2021 nicht mehr waren.
Das Transformationsprojekt soll laut VWFS-CEO Bandmann einen „klaren wirtschaftlichen Impact“ erzielen und etwa eine „signifikante“ Reduzierung der Gemeinkosten beinhalten, schreibt das Manager Magazin. Die Ergebnisse der Projektarbeit sollen dem Aufsichtsrat Ende November präsentiert werden. Ein finales Angebot der zur Hilfe genommenen Berater wird für Ende August erwartet.
Während im Volkswagen-Konzern die Senkung der Gemeinkosten um etwa 20 Prozent sowie Anpassungen bei der Mitarbeiterzahl angestrebt werden, distanziert sich die Finanzsparte mit 10.400 Stellen von ähnlichen Plänen. Bandmann erklärte dazu dem Bericht zufolge, dass kein Arbeitsplatzabbau oder Verkauf von Unternehmensteilen geplant sei.
Die Bilanz der VWFS beläuft sich auf fast 290 Milliarden Euro, wobei eine jährliche Refinanzierung von rund 115 Milliarden Euro erforderlich ist. Investoren beobachten die Situation aufgrund der steigenden Risiken nach Informationen des Manager Magazins genau, bewerten das Vertrauen des Marktes in die Finanzsparte jedoch derzeit als stabil.

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