Der europäische Automobilsektor erlebt einen starken Rückgang der Beschäftigtenzahlen. Die Schaffung neuer Stellen etwa in den Bereichen Elektrifizierung und Software reicht nicht aus, um die Stellenstreichungen bei Herstellern und Zulieferern zu kompensieren. Ursächlich hierfür sind eine schwache Produktion sowie hohe Kosten, welche die Kapazitäten reduzieren.
Automotive News berichtet unter Berufung auf den Automobilzuliefererverband CLEPA, dass europäische Zulieferer 2024 und 2025 den Abbau von insgesamt 104.000 Jobs angekündigt haben. 50.000 Streichungen gab es dabei 2025, während im vergangenen Jahr nur 7000 neue Positionen geschaffen wurden. Der Sektor beschäftigt in der EU rund 1,7 Millionen Menschen.
Besonders betroffen ist Deutschland als größter Automobilproduzent Europas. Laut dem Bundesamt für Statistik sank die Zahl der Beschäftigten in der hiesigen Autoindustrie in diesem Jahr bis Juni um 42.300 Personen, was einem Rückgang von 5,8 Prozent entspricht. Mit 691.500 Arbeitsplätzen wurde der niedrigste Stand seit 2005 erreicht.
„Steiler Abwärtspfad“
Innerhalb dieses Marktes sank die Beschäftigung bei Automobilherstellern um 6,1 Prozent, während sie bei Zulieferern für Teile und Zubehör um 7,6 Prozent zurückging. Benjamin Krieger, Generalsekretär von CLEPA, erklärte gegenüber Automotive News, dass die Geschwindigkeit des Rückgangs unter anderem durch die Elektrifizierung frühere Prognosen übertroffen habe. „Die Richtung der Reise ist überall gleich“, so Krieger. „Die Beschäftigung befindet sich auf einem steilen Abwärtspfad.“
Bei Zulieferern herrscht ein Mangel an Ingenieuren und Software-Spezialisten, was die Entwicklung von Elektro-, Digital- und Software-Technologien und damit die Schaffung neuer, zukunftsträchtiger Jobs behindert. Der Personalbedarf reicht aber nicht, um den allgemeinen Rückgang in der arbeitsintensiven Fertigung umzukehren. Die Produktion von Fahrzeugen in der EU liegt 2025 nach CLEPA-Schätzungen 20 Prozent unter dem Niveau von 2019, was einem Defizit von etwa 3,1 Millionen Fahrzeugen entspricht.
Da die Produktion ab diesem Jahr voraussichtlich weitgehend unverändert bleiben wird, stehen die Zulieferer unter Druck, Werke zu schließen, Arbeitsaufträge zu verlagern oder Personal abzubauen, um sich an den schrumpfenden Markt anzupassen. Manuel Kallweit vom deutschen Autoindustrieverband VDA bezeichnet die Situation gegenüber Automotive News als alarmierend. Er führt den Druck auf die traditionell ohnehin schon teurere Produktion in deutschen Werken auf steigende Kosten, insbesondere für Energie, sowie auf das Ausbleiben von Reformen bei Steuern und Sozialabgaben zurück.
Der VDA prognostiziert unter dem aktuellen regulatorischen Rahmen bis 2035 einen weiteren Verlust von 125.000 Arbeitsplätzen in Deutschland. Zusammen mit den rund 100.000 Arbeitsplätzen, die seit 2019 abgebaut wurden, würde die Zahl der Beschäftigten damit um 225.000 unter dem Stand vor der Pandemie liegen.
Sigrid de Vries vom europäischen Verband der Automobilhersteller ACEA sagt gegenüber Automotive News, dass neue Stellen in Bereichen wie Batterietechnik oder Ladeinfrastruktur den Wegfall traditioneller Jobs nicht automatisch ausgleichen könnten. Zudem bestehe das Risiko, dass Investitionen und Produktionskapazitäten aufgrund mangelnder Wettbewerbsfähigkeit zunehmend aus Europa abwandern könnten.

David meint
Alle diese Betrachtungen vermeiden das Wort Arbeitslosigkeit. Denn es wird keine geben. Es handelt sich um den Rückgang der Beschäftigtenzahlen, der demographisch bedingt ist.