Eine Analyse der Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) kommt – anders als die Autolobby – zu dem Ergebnis, dass bis 2030 ausreichend in der EU produzierte Akkus für batterieelektrische Fahrzeuge im Geltungsbereich des Industrial Accelerator Act (IAA) verfügbar sein könnten. Voraussetzung ist, dass alle berücksichtigten Projekte umgesetzt werden, einschließlich solcher mit mittlerer Realisierungswahrscheinlichkeit.
T&E sieht lokale Inhaltsvorgaben für Batteriezellen und Kathodenaktivmaterialien als möglichen Hebel für zusätzliche Nachfrage nach EU-Produktion. Solche Anforderungen könnten die Nachfrage nach Batterien aus der EU im Jahr 2027 gegenüber dem derzeitigen Basiswert um 34 Prozent erhöhen. Zugleich bezeichnet die Organisation eine verlässliche Nachfrage als entscheidend für die Skalierung des europäischen Batteriesektors.
Als Engpass in der europäischen Batterielieferkette nennt T&E Kathodenaktivmaterialien (CAM) und deren Vorprodukte (pCAM). China kontrolliere je nach Batteriechemie bis zu 90 Prozent der weltweiten Produktionskapazität für diese Materialien, bei LFP (Lithium-Eisenphosphat) sogar 95 Prozent. Die europäische Batterieindustrie habe weiterhin Schwierigkeiten mit verbindlichen Abnahmezusagen und zusätzlichen Investitionen in CAM- und pCAM-Anlagen.
Für CAM hält T&E Anforderungen im Rahmen des IAA bei Firmenfahrzeugen für umsetzbar. Um auch die Nachfrage für private Fahrzeuge abzudecken, sei jedoch zusätzliche Kapazität erforderlich. Für pCAM fordert die Organisation zudem eine Mindestschwelle für Produktion in der EU mit vertrauenswürdigen Partnern, da dieser Bereich als besonders anfälliger Teil der europäischen Wertschöpfungskette bezeichnet wird.
Xavier Sol, Direktor für nachhaltige Investitionen und Batterien bei T&E: „Eine starke lokale Batterie-Wertschöpfungskette kann strategische Unabhängigkeit schaffen und Beschäftigung in einer anfälligen Phase für den EU-Automobilsektor sichern.“ Dafür ist nach seiner Darstellung ein starkes politisches Signal über den IAA erforderlich, um Potenzial zu erschließen und private Investitionen abzusichern.
Noch vor dem Inkrafttreten des IAA sollen im Januar lokale Inhaltsregeln für Elektrofahrzeuge im Handels- und Kooperationsabkommen zwischen EU und Vereinigtem Königreich gelten. T&E schreibt, Autohersteller drängten erneut auf eine kurzfristige Verschiebung. Die Organisation fordert die EU auf, an den vorgesehenen Regeln festzuhalten.
Dem zugrunde gelegten Kommissionsvorschlag zufolge müssten Batteriekomponenten für Firmenfahrzeuge innerhalb der EU hergestellt werden, während bei privat geförderten Autos auch Freihandelspartner berücksichtigt werden könnten. Die T&E-Analyse nimmt unter anderem an, dass der IAA leichte Elektrofahrzeuge einschließlich Transportern umfasst und die EU-Zellproduktion LFP- und NMC-Projekte (Lithium-Eisenphosphat/Nickel-Mangan-Cobalt) einschließt. Außerdem wird davon ausgegangen, dass das Verhältnis zwischen privaten und gewerblichen Absatzkanälen unverändert bleibt.
„Die letzten Jahre haben gezeigt, dass sich eine starke europäische Batterie-Wertschöpfungskette leider nicht von selbst aufbaut – die Konkurrenz aus Asien ist einfach zu groß“, so Sol. „Ohne kluge nachfrageseitige Regelungen für lokal produzierte Batteriekomponenten riskiert Europa, im Wettlauf um saubere Technologien den Anschluss zu verlieren. Der Aufbau einer sicheren, lokalen Wertschöpfungskette kann die Versorgungssicherheit gewährleisten, Arbeitsplätze schaffen und die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit stärken.“

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