Porsche hat seine neue Strategie „Sportwagenschmiede ’35“ vorgestellt. Der Hersteller will sich stärker auf Wertschöpfung pro Fahrzeug statt auf Stückzahlen konzentrieren und seine Position zwischen sportlichem Premium- und Luxussegment ausbauen. Mittelfristig strebt die Marke eine operative Konzernumsatzrendite von 10 bis 15 Prozent und eine Netto-Cashflow-Marge im Automobilbereich von 9 bis 12 Prozent an. Langfristig liegen die Zielwerte bei 15 beziehungsweise 12 Prozent.
Ein zentraler Bestandteil ist eine deutlich niedrigere Gewinnschwelle. Porsche will den Break-even auf weniger als 200.000 verkaufte Fahrzeuge senken und damit die Abhängigkeit von hohen Stückzahlen reduzieren. Erreicht werden soll dies unter anderem durch eine schlankere Organisation, geringere Produktions- und Vertriebskosten, kürzere Entwicklungszeiten und mehr Synergien im Volkswagen-Konzern. Für die mittlere Frist nennt Porsche zudem ein Umsatzziel von 41 bis 45 Milliarden Euro.
Beim Modellprogramm soll die Zahl der Varianten um rund 20 Prozent sinken. Gleichzeitig will Porsche den Anteil besonders margenstarker Modelle in den oberen D- und E-Segmenten deutlich erhöhen; mittelfristig soll deren Anteil am Portfolio nach Unternehmensangaben um rund 45 Prozent steigen. Zusätzlich plant Porsche, bis 2030 jedes Jahr mindestens ein für die Marke prägendes neues Produkt auf den Markt zu bringen.
Zu den angekündigten Projekten gehört eine neue Mittelmotor-Supersportwagenplattform für eine Baureihe oberhalb des 911. Auch das Angebot innerhalb der 911-Familie soll um weitere hoch positionierte Derivate ergänzt werden. Darüber hinaus prüft Porsche ein SUV im D-Segment oberhalb des Cayenne. Im B-Segment ist für 2028 ein neues SUV vorgesehen, das mit Verbrennungs- und Plug-in-Hybridantrieb parallel zum vollelektrischen Macan angeboten werden soll.
Drei Antriebe, weniger Kosten, mehr Effizienz
Bei den Antrieben hält Porsche an einem dreigleisigen Ansatz aus Verbrennungsmotoren, Plug-in-Hybriden und rein batterieelektrischen Fahrzeugen fest. Investitionen sind sowohl für Verbrennungs- und Hybridantriebe als auch für die nächste Generation der Batterietechnik vorgesehen. Die vollelektrischen 718 Boxster und Cayman nennt Porsche weiterhin als Bestandteil der Produktplanung, sie sollen 2028 ihr erstes volles Produktionsjahr erreichen. Die Zukunft der rein elektrischen Sportlimousine Taycan bleibt abzuwarten.
Die Zusammenarbeit mit der Volkswagen-Konzernschwester Audi über die Plattformen PPE und PPC soll intensiviert werden, um Entwicklungsressourcen effizienter zu nutzen. Die Kostenstruktur soll deutlich verändert werden. Porsche strebt bei künftigen Baureihen bis zu 20 Prozent niedrigere Entwicklungskosten an. Die Produktionspersonalkosten sollen mittelfristig um bis zu 30 Prozent und die Vertriebs- und Distributionskosten um 20 Prozent sinken. Für neue Fahrzeugprojekte sieht das Unternehmen zudem ein Materialkostenprogramm vor, das die Einzelmaterialkosten gegenüber bisherigen Planungen um etwa zehn Prozent reduzieren soll.
Zusätzliche Erlöse sollen stärker aus Individualisierung und hochpreisigen Angeboten kommen. Porsche will den durchschnittlichen Verkaufspreis seiner Spitzenmodelle mittelfristig um rund 20 Prozent erhöhen und den Umsatz des Sonderwunsch-Geschäfts versechsfachen. Parallel sollen Garantieaufwendungen durch eine Qualitätsinitiative um bis zu 45 Prozent sinken.
Die organisatorische Neuaufstellung umfasst deutliche Einschnitte. Porsche will die Zahl der Managementpositionen mittelfristig um 40 Prozent reduzieren. Die Belegschaft in direkten und indirekten Funktionen soll mittelfristig um 25 Prozent sinken, strategisch werden 30 Prozent angestrebt. Bereits vereinbart ist ein sozialverträglicher Abbau von insgesamt 9000 Stellen. Gleichzeitig gelten für die Stammbelegschaft eine Beschäftigungs- und Standortsicherung bis Ende 2035 sowie zugesagte Investitionen von kumuliert 2,1 Milliarden Euro in Zuffenhausen und Weissach.
„Mit unserer Strategie Sportwagenschmiede ’35 verfolgen wir einen klaren Plan. Oberstes Ziel ist es, unsere einzigartige Sportwagenmarke weiter zu stärken – über alle Modellreihen hinweg und mit neuen, begehrenswerten Modellen in besonders margenstarken Segmenten”, sagt Michael Leiters, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG. „Mit unserer Strategie schaffen wir die Voraussetzungen, um Porsche in drei Phasen deutlich effizienter, produktiver und profitabler zu machen. Aktuell geht es vor allem darum, Kosten zu senken und das Unternehmen finanziell robuster zu machen. Wichtige Meilensteine haben wir bereits erreicht.“

Besser-BEV-Wisser meint
Porsche ist groß geworden weil sie echte Sportwagen zu einem nachvollziehbaren Preis verkauft haben.
Luxus ist sicher gut für die Marge. Nur auf Luxus zu setzten raubt dir die Basis und die Fans werden immer weniger.
Ein Freund von mir kam mit Mitte 20 zu etwas Geld und hat sich seinen gebrauchten Boxter gekauft. Als erfolgreicher Unternehmer fährt er inzwischen einen Cayenne und einen Taycan. Ohne den Einstieg mit Boxter wäre er nicht zur Marke gekommen.
Mäx meint
Hat die Abteilung die das formuliert auch mit der Entwicklungsabteilung gesprochen?
Wie will man das denn genau erreichen?
Aktuell hat man Macan (electric), Taycan, Panamera, 911, Cayenne und Cayenne electric.
Demnächst kommt der 718 electric wieder dazu, ein neuer Macan Verbrenner 2028 und der große K1 2028/29 > 9 Baureihen. Dazu wird ja diskutiert ob man nicht zumindest einen 718 GT4(RS) als Verbrenner anbieten wird.
Was dann 10 Baureihen wären.
Es müsste also zwei Baureihen an den Kragen gehen…welche wird das sein?
Macan, Cayenne und K1 können sich PPC teilen.
Macan electric, Cayenne elctric teilen sich PPE und sind daher auch nicht besonders teuer.
911 hat Sonderstatus und verdient sein Geld über Sondermodelle etc.
Einen Verbrenner GT4(RS) abzuleiten ist auch nicht so teuer, da vorher schon gleiche Plattform.
Vom Volumen her sind Macan, Cayenne (Verbrenner und elektrisch) zu wichtig, der 911 ebenfalls und ein K1 wird schon Geld verdienen in den USA und Naher Osten.
Bleiben Taycan und Panamera…laut Gerüchten sollen sie zusammengefasst werden.
Aber auf zwei Plattformen mit gleichem Blechkleid? Das wäre recht teuer.
Außerdem nur 1 Variante eingespart.
Luxuslimousinen sind jetzt nicht gerade der Absatzhit.
Der bisherige gute Markt für den Panamera China wird lokal besetzt und größtenteils elektrisch, Europa geht eigentlich auch nur noch elektrisch.
Einzig USA+Naher Osten wäre für Verbrenner übrig, ob das eine ganze Baureihe rechtfertigt.
Vielleicht fallen einfach beide weg…das wären 20%.
Dazu finde ich es lustig wie man vorher von weniger Varianten spricht und im nächsten Absatz aber schreibt dass man dem 911 mehr Derivate zuschreiben will…
South meint
Prinzipiell ist es gut, dass Porsche tiefgreifende Reformen durchführt, die schon lange überfällig waren. Die jahrelangen sehr guten Geschäfte vorallem in China und den USA haben viele Probleme einfach überdeckt. Das hat zu enormer Behäbigkeit, Ignoranz und ich würde sogar sagen ein unfassbaren Überheblichkeit geführt, so nach dem Motte ohne uns gehts nicht und das Geschäft wird immer laufen. Reformen und Einschnitte sind was für „arme“ Industrien.
Aber. Kürzungen sind nur eine Seite der Medaille. Zwar ermöglichen effizientere Strukturen die dringend benötigte Basis, aber auch im Luxussegment geht es um Preis- Leistung, mit Fokus auf Leistung. Selbst, wenn man noch höherpreisige Segmente ansteuert, der Name Porsche allein zieht nicht mehr. Es geht hier sogar noch stärker um Innovationen und da wird es genau spannend. Die Zukunft wird elektrisch sein, ein paar Jahre hin oder her, vielleicht stimmts sogar, dass Sportwagenfahrer da konservativer sind, aber der Einfachheit mal alles geschenkt.
Porsche braucht eine eAutolösung und die muss sich von der Konkurrenz deutlich positiv abheben, welche den noch höheren Preis rechtfertigt, sonst kann das die Konkurrenz eben günstiger oder sogar besser. Denn genau das ist Porsche in China auf die Füsse gefallen… der Name allein reicht nicht. Im Gegenteil. Wenn Porsche den Bogen nicht hinkriegt, dann wird der Name eher für rückständig stehen… die Systematik gilt nicht nur für Porsche, da sind sie nicht allein… das gilt für alle Hersteller…
banquo meint
Von mir aus sollen se ihre Porsche Verbrenner ab 2035 mit efuels betanken. Ist zwar absolut unnötig weil das Zeug mehr für Schiffe benötigt wird aber die Reichen wollen das so. Ist ja auch nach dem aktuellen EU-Plan so akzeptabel.
Miro meint
Wieso setzen sie Ihre Strategien so weit in die Zukunft bei der wir alle wissen, dass bis dahin das Ganze mindestens 2 mal übern Haufen geworfen wird?!
Daniel S meint
Verzweiflung und Planlosigkeit. Kein Fokus, man macht weiter alles.