Ford stellt sich in Europa neu auf: Der US-Konzern erklärte, hierzulande unter anderem stärker auf elektrifizierte Fahrzeuge und SUV zu setzen. Eine schlankere Organisationsstruktur soll für höhere Profitabilität und mehr Effizienz sorgen. Dem Plan fallen zahlreiche Arbeitsplätze zum Opfer.
„Ford wird im Einklang mit der globalen Neuausrichtung des Unternehmens ein mehr fokussiertes Geschäftsmodell in Europa etablieren. Höhere Gewinne werden durch eine noch stärkere Kundenorientierung und schlankere Struktur erreicht“, sagte Europa-Präsident Stuart Rowley. Die neue Strategie werde Investitionen und den Ausbau des Nutzfahrzeuggeschäfts sowie ein erweitertes Angebot von E-Fahrzeugen, SUV, „aufregenden Performance-Modellen und charakterstarken Importmodellen“ ermöglichen.
Ab 1. Juli wird Fords Europa-Geschäft in drei Geschäftsbereiche für Nutzfahrzeuge, Personenkraftwagen und Importmodelle definiert. Das soll schnelle Entscheidungsprozesse erleichtern und eine stärkere Orientierung am Bedarf der Kunden erlauben. Jeder der Bereiche erhält ein eigenes Führungsteam, das jeweils für Marketing, Produktion und Produktentwicklung verantwortlich sein wird.

Ford teilte weiter mit, seine Aktivitäten im Nutzfahrzeugsegment in Europa ausbauen zu wollen – unter anderem mit Hilfe von Volkswagen. Für das zukünftige Portfolio von in Europa produzierten Personenkraftwagen und SUV werde der in Köln angesiedelte Pkw-Bereich zuständig sein. Die Entwicklung für europäische Pkw, einschließlich Batterie-Modelle, werde in Köln-Merkenich gebündelt. Funktionsübergreifende Projektteams sollen sicherstellen, dass sich die individuellen Modelle an den Kundenbedürfnissen orientieren.
Fords Geschäft mit Importmodellen beinhalte zukünftig ein Portfolio von Nischenprodukten einschließlich des Mustang, Explorer und ein Ende 2020 kommendes, von der Sportwagen-Ikone Mustang inspiriertes Hochleistungs-SUV mit reinem Batterie-Antrieb. Bis 2024 wolle Ford das Volumen importierter Pkw in Europa verdreifachen.
Neue Modelle & Komplett-Elektrifzierung
Ford kündigte an, sein Produktangebot in Europa mit mindestens drei neuen Produktlinien in den nächsten fünf Jahren zu erweitern und den Ausbau der SUV-Palette weiterzuführen. Die Modelle sollen zusätzlich zum neuen Kuga, Puma und Explorer Plug-in-Hybrid, die bis Anfang 2020 vorgesehen sind, angeboten werden.
„Kraftstoffeinsparungen und Verbesserungen in den CO2-Emissionen werden durch Verbesserungen bei den konventionellen Antrieben, einer länderspezifischen Anpassung des Fahrzeugportfolios und einem breiten Angebot an neuen Hybrid und batterie-elektrischen Antriebsoptionen erreicht“, heißt es weiter. Jede Pkw-Modellreihe von Ford werde zukünftig mindestens eine elektrifizierte Antriebsoption erhalten. Außerdem werde „eine zukünftige Familie von batterie-elektrischen Fahrzeugen“ in Europa produziert.
„Unsere Zukunft wurzelt in der Elektrifizierung“, unterstrich Europa-Chef Rowley. „Wir elektrifizieren unser ganzes Portfolio, stellen allen unseren Kunden vielfältige Fahrzeugoptionen zur Wahl, die Fahrspaß und optimierten Kraftstoffverbrauch bieten sowie umweltfreundlicher sind.“
Umfassender Personalabbau
Die Grundlage von Fords neuem Geschäftsmodell für Europa ist ein breit aufgestelltes Programm zur Effizienzsteigerung. Die Effizienz in der Produktion soll durch Schließungen oder den Verkauf von sechs Produktions- und Komponentenwerken in Großbritannien, Frankreich, Russland sowie der Slowakei bis Ende nächsten Jahres verbessert werden. Die Anzahl der Werke in Europa werde bis Ende 2020 von 24 auf 18 Standorte reduziert.
In seinem deutschen Werk Saarlouis sowie in Spanien will Ford Arbeitsschichten reduzieren und „verschlankte“ Managementstrukturen sowie Marketing- und Verkaufsorganisationen etablieren. „In der Summe werden ungefähr 12.000 Arbeitsplätze in den Ford eigenen und Joint Venture Standorten in Europa bis Ende 2020 betroffen sein, hauptsächlich durch freiwillige Abfindungsprogramme“, erklärte das Unternehmen. Darin eingeschlossen seien 2000 Angestellte, die Teil von 7000 Mitarbeitern sind, die Ford weltweit abbauen will.
„Die Trennung von Mitarbeitern und die Schließung von Werken sind die härtesten Entscheidungen, die wir treffen und in Anerkennung der Auswirkungen auf Familien und die Gesellschaft, gewähren wir Unterstützung, um diese zu mildern“, so Rowley. „Wir sind für die laufenden Beratungen mit unseren Betriebsräten, Gewerkschaftspartnern und gewählten Vertretern dankbar. Zusammen entwickeln wir uns weiter, konzentriert auf den Aufbau einer langfristigen nachhaltigen Zukunft für unser Geschäft in Europa.“
Mike Lehmann meint
Ford hat die Hybridtechnik im Haus (siehe Mondeo, siehe C-Max), aber sie haben es versäumt, sie in Focus und Fiesta einzubauen – ohne dass der Kofferraum kleiner wird.
Wann wird es den Fiesta ohne Kofferraumeinschränkung mit 250-300km WLTP geben?
Egon meier meint
VW ist spät aufgewacht und Ford erst jetzt.
Jetzt wollen sie ihre Baureihen mit Elektro-Versionen ergänzen.
Geht das mit den Verbrenner-Umbauten immer weiter?
PSA/Opel führen gerade vor, dass das nix wird – nur ein oberfauler Kompromiss für geringe Stückzahlen.
Zur Entwicklung einer BEV-Plattform fehlt augenscheinlich jetzt die Zeit und das Geld.
Bis die Kisten fertig wären sind in Europa unendlich viele Co2-Strafen fällig ..
Also wird gebastelt in der vagen Hoffnung nicht zu viel spät und in der Sache völlig falsch zu liegen. Wahrscheinlich werden aber die, die richtig einsteigen (es sieht danach aus, dass es nur VW und Tesla sind), den Markt besetzen und (im Fall VW) die Preise nach beliegen so nach unten drücken, dass der Rest der Hersteller nicht mitkommt.
die bisherigen Vorlagen im Kleinstwagensegment (e-citigo und co) sowie Id.3 weisen in diesen Richtung
Peter meint
Hyundai bastelt wohl auch an einer reinen Elektroplattform, die Ende 2020 in Serie gehen soll. Von Toyota wird wohl auch relativ bald eine rein elektrische Plattform kommen.
Niklas meint
Zur Not können sie ja alle die MEB bei Volkswagen einkaufen.
Keine schlechte Strategie von VW
Swissli meint
Das einzig zeitnahe BEV Projekt von Ford dürfte ein Pick up sein – F-150 (sind dran) oder zusammen mit Rivian (Beteiligung). Alles andere „elektrifizierte“ ist Hybrid. Der Grund dürfte wohl in den Multiplattformen liegen.
Wer bei BEVs vorne mitspielen will, braucht eine reine BEV Plattform (Batterie flach im Unterboden). Mit Multiplattform ist man beim BEV technisch limitiert (Batteriegrösse/Reichweite, Optionen wie Allrad usw.) und hat zu hohe Produktionskosten… beides zusammen ergibt mittelmässige BEVs mit zu hohem Preis.
Trauriger Ford Fan meint
Viel zu spät, viel zu wenig und völlig emotionslos.
Verschlafen/Verpennt wäre ganz vorsichtig gesagt die Wahrheit.
Ford wird sogar noch vor BMW abgewickelt. Das ist eigentlich traurig, aber wahr.
Bye bye Ford.
RIP
Pferd_Dampf_Explosion_E meint
„Umfassender Personalabbau“
„In der Summe werden ungefähr 12.000 Arbeitsplätze in den Ford eigenen und Joint Venture Standorten in Europa bis Ende 2020 betroffen sein, ….“
Das hat aber nichts mit E-Autos zu tun, Ford hat es auch mit den ach so lukrativen Verbrennern ganz allein in die roten Zahlen geschafft.
Aber wie bei VW wird aktueller großer Personalabbau immer im Zusammenhang mit E-Autos genannt. Das E-Auto ist Schuld, trägt zu seinem großen CO2-Rücksack jetzt auch noch ein Jobkiller-Rucksack.
Priusfahrer meint
„Jede neue PKW-Baureihe auch als elektrifizierte Version.“
Werden in absehbarer Zeit erst neue Fabriks-Hallen in Europa entstehen,
und dann nach und nach, bis irgendwann, die Planung abgeschlossen ist und
unsere Enkel die Studien in den Schaufenstern bewundern. Hätte mal
was werden können ….
Gute Nacht Ford!