Beim US-Elektroauto-Startup Faraday Future ist seit 2019 Ex-BMW-Manager Carsten Breitfeld Geschäftsführer. Zuvor stand er an der Spitze des chinesischen E-Auto-Projekts Byton, das er zusammen mit einem weiteren deutschen BMW-Manager gegründet hatte. In einem Interview mit dem Portal CleanTechnica sprach Breitfeld über seine aktuelle Wirkungsstätte.
Seinen überraschenden Abgang bei Byton hatte Breitfeld mit zu starker Einflussnahme der chinesischen Politik begründet. Die anschließende Tätigkeit beim chinesischen Konkurrenten Iconiq Motors gab er nach wenigen Monaten wieder auf. Seit etwas über einem Jahr treibt er die Geschicke von Faraday Future voran, das eigentlich schon länger sein erstes Elektroauto FF 91 ausliefern wollte. Das SUV verzögerte sich jedoch wegen finanziellen Problemen, derzeit wird der Marktstart für 2022 angepeilt. Neben den USA und China hat Faraday Future auch Europa im Visier.
Breitfeld sagte im Gerspräch mit CleanTechnica, dass er „extrem glücklich“ mit seiner bisherigen beruflichen Laufbahn sei und nichts bereue. Besonders dankbar sei er für die bei BMW gesammelten Erfahrungen, dort hatte er einst den teilelektrischen Sportwagen i8 beaufsichtigt. Für das nächste Kapitel seiner Karriere bei Faraday Future fühle er sich gut gewappnet. Zu dem Startup sei er gegangen, weil dieses seiner Meinung nach aus Technologie-, Produkt- und wirtschaftlicher Perspektive einer der Spitzenreiter im Markt sein könne. Das Unternehmen sei viel reifer und weiter fortgeschritten als die anderen Wettbewerber in diesem Bereich.

Das nötige Kapital für den weiteren Geschäftsbetrieb will sich Faraday Future ab dem zweiten Quartal dieses Jahres am US-Aktienmarkt sichern. Dazu wurde eine Vereinbarung zur Fusion mit der bereits börsennotierten Firma Property Solutions Acquisition Corp. getroffen. Der eigentlich für einen Börsengang erforderliche langwierige Prozess wird so übersprungen. Faraday Future habe einen sehr konservativen Geschäftsplan und sei zuversichtlich, diesen umsetzen zu können, sagte Breitfeld. Das würden auch die Investoren so sehen.
Der Firmenchef ist überzeugt, dass der FF 91 erfolgreich am Markt platziert werden kann. Man plane zudem bereits die Einführung der weiteren Modelle FF 81 und FF 71 ab dem Jahr 2023. Die nächste Baureihe der Marke FF 81 wird laut Breitfeld im Segment der Premium-Stromer Model S und Model X von Konkurrent Tesla um Kunden werben. Es dürfte sich also um einen kleiner als der FF 91 ausfallenden Crossover handeln. Mit dem von Breitfeld ebenfalls nicht näher beschriebenen FF 71 will Faraday Future dann zu einem Grundpreis von um die 45.000 Dollar vor Steuern (37.350 Euro) erstmals den Massenmarkt bedienen.
Der FF 91 sei noch 12 Monate von der Serienproduktion entfernt, der FF 81 werde 18 Monate später starten, erklärt Breitfeld. Dafür stünden durch den Börsengang eine Milliarde Dollar Kapital zur Verfügung. „Wir geben nicht auf und wir tun stets das, was zum Vorankommen erforderlich ist“, so Breitfeld. „Ich bin sehr froh, der CEO einer Aktiengesellschaft und zu einer so ausschlaggebenden Zeit bei Faraday Future zu sein. Es ist nicht immer eine leichte Aufgabe, aber es zwingt einen dazu, sich auf sich selbst zu konzentrieren und die Ziele überzuerfüllen.“
Daniel S meint
Könnte es sein, dass Farady Future ein tolles Produkt hat, das in Serie gebaut gute Marktchancen hat?
Wenn ja würden die mutigen Experten in diesem Forum ein tolles Geschäft verpassen. Aber die haben ja nicht die Investitonskraft dazu sondeen geben nur ihre Meinung zum Besten. Hat evtl. genau da seinen Grund. Auch gut so.
AK swiss meint
Lass uns Ende Jahr nochmal darüber reden. Vielleicht sogar noch früher.
Priusfahrer meint
Wenn man so ein großes Projekt startet, muß im Hintergrund mindestens ein stabiler
Finanzier oder ein eigenes liquides Unternehmen stehen. Das war bei Elon Musk so,
das war so bei Red Bull, und bei vielen anderen Startups.
Die Vorgehensweise bei Faraday Future, so wie man das liest, stimmt nicht sehr
positiv.
„Das nötige Kapital für den weiteren Geschäftsbetrieb will sich Faraday Future ab dem zweiten Quartal dieses Jahres am US-Aktienmarkt sichern.“
Die Fondsmanager sollen dann Wunder vollbringen.
Pferd_Dampf_Explosion_E meint
Das kann durchaus klappen, es gibt genügend Leute, die genügend Geld haben und dieses gerne in riskante Investments einbringen, siehe Sion. Ist wie in der Spielbank.
AK swiss meint
Im Faraday–Käfig abgeschirmt von jeglichem Realitätssinn.
Faraday no Future.
Peter W meint
Irgendwie erstaunlich, dass diese Startups nur von Träumen so lange am Leben erhalten werden können. Der Kapitalmarkt scheint eine unerschöpfliche Quelle zu sein. Als Laie muss man sich da aber gelegentlich fragen, wie lange das alles noch gut geht, und aus wem dieses viele Geld herausgequetscht wird.
Andreas Ehrenfelder meint
Im Bereich E-Mobilität wird noch einiges Kapital den Bach runtergehen. Aber man kann es immer wieder mal probieren und eventuell seinen Aktienposten noch gewinnbringend versilbern, bevor der jeweilige Laden dicht macht. Muss auch sagen, der Name „Faraday Future“ hört sich richtig bescheiden an. Wer denkt sich sowas aus? Die BWL-Freundin vom Webdesigner?