Der private Pkw ist laut dem Öko-Institut in einigen ländlichen Regionen bislang erforderlich, um verlässlich zur Arbeit, zur Schule, zum Arzt oder zum Einkaufen zu kommen. Doch um Mobilität nachhaltiger und gleichzeitig sozial gerecht zu gestalten, brauche es entsprechende Maßnahmen gegen steigende Emissionen, eingeschränkte Mobilität für Menschen ohne Auto und hohe Kosten für Haushalte. Auf dem Land sei ein Mix aus Elektromobilität, mehr Angeboten im öffentlichen Verkehr und von privaten Dienstleistern sowie besserer Infrastruktur für Fahrrad und zu Fuß nötig.
Ein Fünftel der Bevölkerung in Deutschland lebe auf dem Land, genauer gesagt auf bis zu zwei Dritteln der Gesamtlandesfläche. Im Gegensatz zur Stadt fehle es häufig an Mobilitätsangeboten oder diese entsprächen nicht den Bedarfen vor Ort. Daneben bestehe weiterhin die Notwendigkeit die CO2-Emissionen des Verkehrssektors insgesamt zu reduzieren, auch in ländlichen Regionen. „Es braucht entsprechende Maßnahmen, doch wie können die auf dem Land aussehen? Ein multimodaler Ansatz umfasst alternative Konzepte sowie den Ausbau der E-Mobilität“, so das Öko-Institut.
Mobilitätsbedarfe in Kommunen seien so individuell wie die Umstände vor Ort – je nach Landformen, Wetterbedingungen, Altersstruktur und mehr. Dafür gelte es, die passenden Mobilitätsangebote wie etwa Carsharing, Lastenrad-Sharing oder den Ausbau des öffentlichen Verkehrs zu finden.
Nelly Unger, Expertin für nachhaltige Mobilität am Öko-Institut, sieht die Vorteile partizipativer Prozesse: „Im besten Fall gibt es einen Prozess, in dem die Bürger*innen mitgenommen werden.“ Es biete sich zudem an, verschiedene Optionen zu testen. So könnten beispielsweise im sogenannten Reallabor Kommunen und Bürger unter Hilfestellung von Wissenschaftler transdisziplinär zusammenarbeiten und adäquate Lösungen entwickeln. Es gebe Erfolgsbeispiele wie die Entstehung eines sozialen Fahrdienstes und eines Lastenrad-Sharings in Waldburg (Baden-Württemberg). Auch in Wunsiedel (Bayern) gebe es gleich mehrere Angebote, darunter das „fichtelcar“ Carsharing oder den „night Liner“ – ein Busverkehr, der zu ausgewählten Veranstaltungen auf individuellen Routen eingesetzt wird.
Um den Bedarfen zu begegnen und nachhaltige Mobilität zu fördern, müssten die Angebote allerdings auch beständig sein. Denn nur dann sei die Transformation hin zu nachhaltiger Mobilität möglich.
„E-Mobilität sozialgerecht fördern“
Der Zugang sowohl zum Auto als auch zu alternativen Mobilitätsangeboten sei für einkommensschwache Haushalte häufig eingeschränkt, da das eigene Auto und auch die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ein hoher Kostenfaktor sein können, so das Öko-Institut. Auch der Zeitfaktor spiele eine Rolle bei der Frage nach sozial gerechter Mobilität, denn das tägliche Pendeln könne viel Zeit in Anspruch nehmen. „Es braucht Angebote, die die Leute da abholen, wo sie stehen“, so die Wissenschaftlerin Unger. „Beispielsweise ist es für eine Großfamilie nicht immer einfach und attraktiv auf den Zug umzusteigen, wenn es mit dem Auto günstiger und zeitsparender wäre.“
Die E-Mobilität sei auch auf dem Land ein zentraler Baustein für die Verkehrswende. Doch die Anschaffungskosten von Neuwagen seien aktuell noch hoch, zudem gebe es noch keinen ausreichenden Gebrauchtwarenmarkt für günstige E-Autos. „Social Leasing“ könnte eine Lösungsoption sein. Frankreich biete diese Option bereits für Menschen mit mittlerem und unterem Einkommen sowie einem Arbeitsweg von mindestens 15 Kilometern an. Beim Social Leasing subventioniert der Staat Leasingverträge für E-Autos, wodurch die Leasingraten auf 100 bis 150 Euro monatlich reduziert werden können.
MrBlueEyes meint
Gerade die ländlichen Gegenden mit zumeist Eigenheim sind prädestiniert für Elektroautos… Lademöglichkeit direkt am Haus… kein Besuch einer Tankstelle mehr nötig, die ja oft auch nicht um jede Ecke sind… nur leider wohnen dort auch oft viele Ignoranten… 🤷🏼♂️
hu.ms meint
Vorteil auf dem land: viele private stellplätze mit einfach zu schaffender lademöglichkeit, da viele EFH und ZFH.
Nachteil: grundsätzlich konservativer und vorsichtiger gegenüber neuem.
Und die blauen (= BEV verweigerer) haben in den ländlichen wahlkreisen auch die höchsten werte.
Dieseldieter meint
Vorurteile at its best
Wer auf dem Land lebt kann ja nur konservativ sein. Alle die links der CDU wählen sind längst in die Großstadt abgewandert.
RainerLEV meint
Das sind keine Vorurteile, sondern bloß Statistik. Muss man sich nicht angegriffen fühlen, würde ich sagen.
Dieseldieter meint
Ich lebe ja gar nicht auf dem Land.
Land=Anti Bev
Porsche= alte weiße Männer
Verbrennerfahrer= Dieseldieter vom Stammtisch
Die Statistik sagt auch, dass knapp 75% der Bevölkerung in Deutschland in der Stadt wohnen, also progressiv und pro BEV sind. Warum liegt dann die Neuzulassungsquote nicht Ansatzweise in dieser Region?
Weil fast niemand Lust auf diese Autos hat, wenn er sie nicht per extrem günstigen leasing oder wie ich als Firmenwagen hingestellt bekommt.
MrBlueEyes meint
Das sind keine Vorurteile… frag dich mal auf der Schwäbischen Alb durch, was da so gewählt wird 😉 …Schwarz-Blau… und die fahren dann auch keine Elektroautos meistens…
BerndV meint
Kann ich nur bestätigen. Ich komme vom Land und da herrschen immer noch die gleichen Vorurteile gegen Elektromobilität wie vor 15 Jahren. Das ändert sich nur sehr, sehr langsam.
Elektromotoriker meint
„Im besten Fall gibt es einen Prozess, in dem die Bürger*innen mitgenommen werden.“
Revolutionäre Erkennnisse. Es ist bloß nicht nur der beste Fall, sondern die einzige Möglichkeit.
Grüne Bevormundung, da reagieren nur noch alle allergisch.
Tom meint
Wenn der konservativ regierte Landkreis Busverbindungen zusammenstreicht und Radwege vernachlässigt: Was für eine Art von Bevormundung ist dann das?
Mike meint
> Grüne Bevormundung, da reagieren nur noch alle allergisch.
Aber nur die Leute, die es als Bevormundung betrachten. Die, die es als überfällig betrachten, haben damit kein Problem.
Dieseldieter meint
Letztere sind zum Glück deutlich in der Unterzahl
Mike meint
Nein, Erwachsene sind nicht in der Unterzahl.