Im September startet die IAA Mobility in München. Jens Sulek, Leiter des Automobilbereichs bei der Unternehmensberatung Capgemini in Deutschland, gibt einen Ausblick auf die Messe. Er glaubt: „Von deutschen Herstellern ist ein Modellfeuerwerk zu erwarten.“
Die Premium-Hersteller würden um die Vorherrschaft im gehobenen Elektro-Crossover-Segment wetteifern. „Sie werden aufgewertete Batterietechnik und rekordverdächtig hohe Ladeleistungen präsentieren- in dieser Hinsicht müssen sie sich wirklich nicht mehr verstecken“, so der Branchenexperte.
„Kunden dürfen sich auf ultrakurze Ladezeiten und hohe Reichweiten freuen. Zudem warten einige Hersteller mit gänzlich neuen Plattformen und einer neuen Softwarestruktur auf“, so Sulek.
Mit Blick auf den Wettbewerb aus Asien meint der Berater: „Für die deutschen Premiumhersteller wird sich mit den neuen Modellen entscheiden, ob sie ihren technischen Führungsanspruch und ihre Wettbewerbsfähigkeit im Elektrozeitalter behaupten können. Die Konkurrenz aus Asien ist immens.“
Allerdings sei bei vielen chinesischen Herstellern mittlerweile Ernüchterung eingekehrt. Ihre ambitionierten Expansionspläne ließen sich in Europa nicht so leicht umsetzen, wie gedacht. Viele der asiatischen Akteure werden laut Sulek in München ihre überarbeiteten Modellpaletten präsentieren und hoffen, dass damit endlich der Durchbruch auf dem europäischen Volumenmarkt gelingt. „Autokunden können sich in jedem Fall über attraktive Preise freuen, da der Verdrängungswettbewerb in vollem Gange ist.“

A.Hörmann meint
Toll das Feuerwerk !
Nur schade, daß sich diese Autos die Wenigsten mehr leisten können…
Die ganze Branche ist abgehoben und arbeitet an den Menschen vorbei.
Durch die verlockenden Raten-Finanzierungsmöglichkeiten, haben sich die Autopreise vordoppelt und es scheint jetzt normal zu sein, dass heute ein Mittelklasse Fahrzeug 40.000-50.000 Euro kostet. (halloooo ?)
Mal schaun, wei lange die Konsumenten da mithalten können …
M. meint
Verstehe ich ehrlich gesagt nicht.
Niemand muss 50.000 Euro oder mehr für ein Auto ausgeben. Und die 50.000 Euro heute sind die 30.000 Euro von vor 20 Jahren, und die musste man damals auch nicht ausgeben.
Wenn ich ein Auto für 50.000 oder 100.000 Euro kaufen WILL, musste ich mir das immer schon leisten können – oder einen Gebrauchtwagen nehmen. Aber man muss das ja nicht machen, ein Golf geht ja auch. Das war (für die meisten) kein Traumwagen – aber den Job, jemanden von A nach B zu bringen, den hat er gemacht.
Und der elektrische Golf ist aktuell nun mal der ID.3, oder ein BYD Dophin, ein Atto 3, Citroën ë-C3, ë-C4, Skoda Elroq, Toyota Urban Cruiser, Opel Astra, Renault 4 E-Tech,… und dafür kann man über 40.000 Euro ausgeben – aber man muss es nicht.
Und nebenbei bermerkt, weil viele Kommentatoren daraus schließen, dass man sich ja nur noch Autos aus China leisten kann:
Die Leute, die diese Autos bauen, können sie sich nicht leisten, und das nicht mal zum (halb so hohen) chinesischen Preis. In der Relation sollte man das vielleicht auch mal sehen, bevor man in Luxus-Deutschland jammert.
Gernot meint
Die chinesischen Hersteller können auf ihrem brutal umkämpften Heimatmarkt in China problemlos die deutschen Premiummarken wie Audi, Mercedes und BMW schlagen. Und dann haben sie angenommen, dass ihnen das in Europa und insbesondere Deutschland als größtem europäischen Markt auch gelingt. Die Meisten wollten hier ins Premiumsegment und Audi, Mercedes und BMW genau so die Kunden abnehmen wie in China.
In einer Mischung aus Ignoranz und Arroganz haben sich die Chinesen nicht ausreichend mit dem Markt beschäftigt. Wer hier ein Auto für 50.000 Euro und mehr kauft, der will nicht nur komfortabel von A nach B kommen und paar Gimmicks im Auto haben. Der will auch zeigen „Ich hab’s geschafft. Ich bin wichtig.“ Es geht um Status und Prestige. Das bieten die chinesischen Newcomer nicht im Geringsten und deswegen scheitern sie alle.
Eigentlich müssten sich die Chinesen mit besonders billigen Autos erst mal Marktanteile erarbeiten. Wenn sie sich ein gewisses Vertrauen und Image erarbeitet haben, könnten sie versuchen, sich über 10-20 Jahre ins Premiumsegment zu transformieren. Aber mit effektiv 27,4 bis 47,6% Zoll ist es kaummöglich, sich hier über den Preis Marktanteile zu erkämpfen, wenn man nicht draufzahlen möchte. Es wird jahrelange Investments brauchen, um hier Fuß zu fassen. Am ehesten können das die großen, etablierten, profitablen Hersteller durchhalten: BYD, Geely (Volvo, Polestar), SAIC (MG), Changan, ggf. auch FAW, Dongfeng. Für Nio, Xpeng, Leapmotor sieht es recht finster aus. Sie müssen hoffen, übernommen zu werden.
E.Korsar meint
Die Zölle kamen ja erst 2024. Da haben die chinesischen Strategen nicht mit gerechnet. Die deutschen Strategen, die in China produzieren und in der EU zu EU-Preisen verkaufen wollten, auch nicht.
Da braucht es wohl bis 2027, um beurteilen zu können, ob sich die chinesischen Hersteller anpassen können.
David meint
Das alles ist richtig. Es sind nicht die deutschen Hersteller arrogant, die chinesischen Hersteller sind arrogant. Sie lernen nicht mehr. Dabei hat es Hyundai vorgemacht, wie ein Markteintritt gelingen kann. Erst extrem günstige Preise, dann die Qualität steigern und europäische Designer einstellen, aber die Preise immer noch niedrig halten und auf dieser solide Basis sich langsam in höhere Preisklassen zecken. Das wird man den Chinesen vorgeschlagen haben. Aber da waren sie wahrscheinlich entrüstet. Denn die Begeisterung im Heimatmarkt ist auf den Rest der Welt definitiv nicht übergeschwappt.
Thorsten 0711 meint
@Gernot,
Genau so schätze ich das chinesische Engagement in Europa auch ein. Mit einem Unterschied:
„Eigentlich müssten sich die Chinesen mit besonders billigen Autos erst mal Marktanteile erarbeiten.“
Billig = von minderer Qualität. Ersetzen wir „billig“ mit „günstig“, dann passt es ✌️
Ben meint
„Mischung aus Ignoranz und Arroganz“
Du meinst so wie die deutschen OEMs die gedacht haben weil sie deutsche OEMs sind verkaufen sich ihre BEV automatisch auf ihrem Hauptmarkt China ?
Future meint
„Ich hab’s geschafft. Ich bin wichtig.“
Ich kenne einige, die es definitv „geschafft“ haben und trotzdem Carsharing nutzen oder nur einen biligen Kleinwagen nutzen, wenn sie überhaupt ein Auto brauchen. Also ich bin mir nicht sicher, ob man heute immer noch ein Auto braucht, um damit anzugeben und es den anderen zu „zeigen“. Früher war das wohl mal so, besonders bei Männern in bestimmten Altersgruppen. Heute verändert sich aber auch hier etwas. Nichts bleibt wie es in der guten alten Zeit war. Auch Werte und Lebensmodelle verändern sich und das ist auch gut so.
OnlyAFoolUsesGoogleAndroid meint
„ob man heute immer noch ein Auto braucht, um damit anzugeben …“
Gab es Zeiten, dass man dafür ein Auto brauchte? Hab es die eingangs beschriebene Personengruppe früher nicht?
Thorsten 0711 meint
„ob man heute immer noch ein Auto braucht, um damit anzugeben …“
Nicht jeder wohnt in Berlin. In zB München, Stuttgart, Baden-Baden, Sylt, Kitzbühel, St. Moritz oder am Comer See… sieht das schon anders aus.
M. meint
Ich kenne auch Menschen, die es „geschafft“ haben – und keiner davon nutzt Carsharing.
Was sagt das nun über die Bedeutung unserer persönlichen Erfahrungen für die Realität?
Tinto meint
Er wollte uns nur mitteilen, dass er Leute kennt. Soweit wird seine Geschichte wohl stimmen.
M. meint
Er kennt ständig Leute.
Er kennt ja auch die Ausbildung sämtlicher Nachbarn der ganzen Straße und weiß daher, dass alle (alle) Akademiker dort Tesla fahren.
Außerdem weiß er, dass sämtliche Cayenne der Stadt nur als Zweitwagen genutzt werden, um den Nachwuchs zu Schule zu bringen.
Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt.
Er kennt echt viele Leute. Die lernt er immer spontan kennen, wenn er hier einen Beitrag schreibt.
E.Korsar meint
Die Erfahrungen von allen überwiegen die Erfahrungen von vielen oder eines Einzelnen. =^=
Future meint
Ich glaube, dass sich neue Werte- und Lebensmodelle vermutlich in der Großstadt deutlich schneller entwickeln als in der Pampa.
hu.ms meint
Da kann ich nur zustimmen.
Ich könnte mir auch ein dreimal so teures BEV kaufen (nicht leasen).
Da ein auto fast immer an wert verliert kaufe ich nur eins, das meine anfroderungen gerade so erfüllt. Und diese anforderungen sind bekanntlich bei jedem anders.
Allerdings gibt es ausnahmen beim wertverlust:
Mein 1/2 anteil an einer MB pagode in dunkelgrün bj. 1970 steigt jedes jahr an wert.
Future meint
Werte und Lebensmodelle ändern sich. Es geht dabei natürlich auch um Verantwortung und Nachhaltigkeit. Das ist eine Trend und diesen Trend werden auch die Autohersteller noch spüren. Da bin ich mit ganz sicher. Sammlerstücke stehen dann wieder für andere Werte.