Die Bundesregierung plant eine neue Förderung für Elektroautos und will zugleich auch wieder den Kauf von Plug-in-Hybriden unterstützen. Parallel deutet sich in der EU eine mögliche Aufweichung des Aus für neue, fossil betriebene Verbrenner an, nicht zuletzt auf Druck der deutschen Politik. Vor diesem Hintergrund warnt E-Mobilitäts-Experte Achim Kampker von der RWTH Aachen vor falschen Annahmen. Es sei „ein Mythos, dass die Autoindustrie gegen die E-Mobilität arbeitet“. Und die politischen Vorschläge seien ein pragmatischer Schritt in einer schwierigen Transformationsphase.
Kampker plädiert dafür, dass sich die Politik technologisch stärker zurückhält. Aus seiner Sicht gibt es neben der Elektromobilität weiterhin relevante Fortschritte bei Verbrennern und Wasserstoffantrieben. Diese seien wichtig, weil Autobauer finanziell stark unter Druck stünden und mit Elektroautos bislang kaum Gewinne erzielten.
Plug-in-Hybride sieht Kampker als sinnvollen Zwischenschritt. Da große E-Auto-Batterien einen erheblichen CO₂-Rucksack aus der Herstellung mitbringen, könne Hybridtechnologie die Emissionen einer Flotte schneller verringern. Viele innerstädtische Strecken ließen sich rein elektrisch zurücklegen, während der Verbrenner nur auf längeren Fahrten einspringe.
Dass viele Hybridfahrer dennoch überwiegend den Verbrenner nutzen, bestätigt Kampker. Dies liege an falscher Anwendung oder daran, dass Fahrer das Laden vergessen. Dabei könnten insbesondere Kurzstrecken günstig und emissionsfrei elektrisch gefahren werden – zumindest, wenn zu Hause oder am Arbeitsplatz geladen wird.
Der Experte fordert ein Ende endloser Grundsatzdebatten. Andere Länder wie China setzten auf Vielfalt bei den Antrieben und förderten damit Wettbewerb. Dort existiere eine gemischte Flotte, zu der auch Plug-in-Hybride gehören, die bereits vor Jahren gefördert wurden. China verfolge insgesamt eine breit angelegte Strategie, die bis zu synthetischen Kraftstoffen reiche. Auch dort werde erwartet, dass Verbrenner weiterhin eine Rolle spielen.
Für Kampker sollte sich die Politik daher aus der exakten Lenkung der Technologien heraushalten und eher auf CO₂-Preise als auf konkrete Antriebsvorgaben setzen. Die aktuelle europäische Regelung zum Verbrenner-Aus hält er für problematisch. Er habe dieses faktische Verbot „nie für sinnvoll gehalten“, da es auch beim Verbrenner „interessante Weiterentwicklungen“ gebe.
Was genau ein von der Politik geforderter „hocheffizienter Verbrenner“ sein soll, habe ihm bisher jedoch keiner so richtig erklären können. „Es sind Verbesserungen möglich, aber die sind winzig, im kleinen Prozentbereich. Schaut man sich im Vergleich dazu Batterien an, sieht man dort Effizienzsprünge in einer Größenordnung von 20 Prozent – alle zwei Jahre. Dort gibt es nach wie vor eine Menge ungenutztes Potenzial“, so Kampker.
„Antriebe nicht gegeneinander ausspielen“
Wichtig sei, dass man die Antriebe nicht gegeneinander ausspielt, sondern sich überlegt: „Können wir unsere Kompetenzen später anderweitig einsetzen? Sind synthetische Kraftstoffe eine sinnvolle Nische?“ Die Bestandsflotte fahre noch viele Jahre herum, es gehe beim von der EU ab 2035 geplanten Verbrenner-Aus nur um Neuzulassungen. Solche Gedankenspiele seien auch deshalb sinnvoll, weil China den Batteriebau kontrolliert. Es sei sinnvoll, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Der Verbrenner-Anteil gehe von ganz allein zurück. „Bald werden 50 Prozent der Menschen elektrisch unterwegs sein“, glaubt der Experte.
Die Diskussion gebe es auch beim Wasserstoff. Im Pkw-Segment werde der batterieelektrische Antrieb dauerhaft der sinnvollste, effizienteste und günstigste sein. Es gebe aber Bereiche, bei denen es für die Batterie eng werde: Schiffe und Flugzeuge. Für diese Branchen benötige man synthetische Kraftstoffe und auch Wasserstoff. „Diese Segmente müssen wir ohnehin aufbauen und entwickeln, und neben den Autobauern muss auch ein riesiges Lieferantennetzwerk den Sturm überstehen. Das ist genauso relevant wie Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Wenn man die Forschungsbeträge neben die der Volkswirtschaft legt, ist es kein Argument zu sagen: Das können wir uns nicht leisten“, sagte Kampker.
Es sei „ein Mythos“, dass die deutschen Autohersteller gegen die E-Mobilität arbeiten, meinte Kampker. Allen sei bewusst, dass das Verbrenner-Segment schmilzt. Aber die Autobauer müssten auch in dieser Überbrückungsphase Geld verdienen, um das neue Geschäft aufzubauen und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie zu sichern. „Wir kämpfen ums Überleben. Und mit Blick auf die nackten Zahlen muss man festhalten: Die E-Mobilität ist nicht so hochgefahren, wie sich das alle gewünscht haben.“ Damit verdiene bisher niemand das große Geld. Deswegen sei es nicht schlecht oder böse, auf die Bremse zu treten, sondern nachvollziehbar und logisch.
Das abrupte Aus der staatlichen deutschen Elektroauto-Kaufprämie Ende 2023 habe dem Absatz geschadet, die Restwerte aber auch, erklärt Kampker. Man könne E-Autos bisher nicht gut weiterverkaufen. „Dazu kommt, dass wir eher teurere Fahrzeuge für längere Strecken bauen. Die E-Mobilität hat logischerweise im kleineren Segment für kürzere Strecken begonnen. Jetzt wird das fehlende Angebot mit einer vernünftigen Kostenstruktur nachgezogen, dann wird der Markt anspringen. Man sieht ja das weltweite Wachstum.“

mipu meint
Da kommen sie jetzt wieder alle aus ihren Löchern gekrochen: „Experten“, von denen man nie gehört hat, die aber umso eifriger ihre Meinung kundtun, und natürlich die Position der Bundesregierung unterstützen. Was für ein Zufall! Und was da für Argumente kommen:
„Für Kampker sollte sich die Politik daher aus der exakten Lenkung der Technologien heraushalten und eher auf CO₂-Preise als auf konkrete Antriebsvorgaben setzen. Die aktuelle europäische Regelung zum Verbrenner-Aus hält er für problematisch. Er habe dieses faktische Verbot „nie für sinnvoll gehalten“, da es auch beim Verbrenner „interessante Weiterentwicklungen“ gebe.“
Echte jetzt? Toll! Genau das hatte die EU beschlossen, du „Experte“! Nach über 100 Jahren Entwicklung bin ich natürlich gerne gespannt, welche „Wunder“vollen, geradezu sagenhaften Effizienzsteigerungen die Überraschungsbox Verbrennermotor noch zu bieten hat. Bis die so weit sind, sollte es gesetzmäßig so bleiben wie es ist, ändern kann man dann kurzfristig noch, sollte dieses „Wunder“ geschehen. Liebe Fossillobby: fragt doch mal bei Staat an, ob ihr nicht als Kirche akzeptiert werden könnt, das hat da auch alles ganz viel mit Glauben zu tun ….
Elvenpath meint
„Für Kampker sollte sich die Politik daher aus der exakten Lenkung der Technologien heraushalten und eher auf CO₂-Preise als auf konkrete Antriebsvorgaben setzen.“
Was erzählt der Typ da für einen BS? Es gibt weder eine exakte Lenkung der Technologien noch konkrete Antriebsvorgaben. Sondern nur Vorgaben bezüglich des CO2.
Anonym meint
Tatsächliche Experten sind u.a. Maximilian Fichtner. Warum? Er hat im Bereich E-Fuels, Wasserstoff geforscht und ist Professor für Festkörperchemie. Er schwurbelt nicht rum, erzählt keine Falschaussagen und widerspricht sich nicht selbst.
Junge junge dieser Kampker ist weniger Experte als viele Kommentatoren hier. ;)
vector3d meint
Entfernt. Bitte verfassen Sie konstruktive Kommentare. Danke, die Redaktion.
Stp_64 meint
Es wurden Anfangs nur so viele E-Autos in Europa gebaut, um die Flottengrenzen einzuhalten?
Bei den heutigen Wartezeiten auf ein neues E-Auto scheint es immer noch so zu sein. Ausser bei reinen E-Auto Hersteller. Kunden werden immer noch zu einem Verbrenner überredet.
Wir warten ja alle auf Wasserstoff und E-Fuels, um weiterhin abhängig von Konzernen zu bleiben. Energie vom eigenen Dach zu nutzen, oder jeder Steckdose, ist ja nicht gewollt , Presse und Politik tun Ihr weiteres.
brainDotExe meint
BMW übererfüllt die Flottengrenzwerte schon länger, warum verkaufen die dann immer noch weiter E-Autos?
MichaelEV meint
BMW erfüllt die Flottengrenzwerte exakt, Mini verhilft zu einer kleinen Übererfüllung um 2g. Guter Job, aber mehr nicht (taugt überhaupt nicht, um daraus ableiten zu wollen, dass die Flottengrenzwerte für BMW keine Rolle mehr spielen würden).
Mercedes Benz Group verfehlt die Ziele aber um satte 18g und VW Group um 11g.
cbzac meint
Das sind teils ziemlich widersprüchliche Aussagen:
„Kampker plädiert dafür, dass sich die Politik technologisch stärker zurückhält.“ Das tut sie, das „faktische Verbrennerverbot“ ist schließlich nur deshalb ein solches, weil die Verbrennertechnolgie bei Technologieoffenheit nicht wirtschaftlich ist.
„Aus seiner Sicht gibt es neben der Elektromobilität weiterhin relevante Fortschritte bei Verbrennern und Wasserstoffantrieben“ „„Es sind Verbesserungen möglich, aber die sind winzig, im kleinen Prozentbereich. Schaut man sich im Vergleich dazu Batterien an, sieht man dort Effizienzsprünge in einer Größenordnung von 20 Prozent – alle zwei Jahre.“
„Andere Länder wie China setzten auf Vielfalt bei den Antrieben und förderten damit Wettbewerb.“ Fakt: E-Autos in China 47%, in D 20%
„Da große E-Auto-Batterien einen erheblichen CO₂-Rucksack aus der Herstellung mitbringen, könne [Plug-In-]]Hybridtechnologie die Emissionen einer Flotte schneller verringern.“ „Dass viele Hybridfahrer dennoch überwiegend den Verbrenner nutzen, bestätigt Kampker.“
„Die aktuelle europäische Regelung zum Verbrenner-Aus hält er für problematisch. Er habe dieses faktische Verbot „nie für sinnvoll gehalten““ „Sind synthetische Kraftstoffe eine sinnvolle Nische?“ Die Bestandsflotte fahre noch viele Jahre herum, es gehe beim von der EU ab 2035 geplanten Verbrenner-Aus nur um Neuzulassungen.“
„Der Experte fordert ein Ende endloser Grundsatzdebatten. “ Er heizt sie mit diesem wirren Argumentationsmix eher an.
Und das klingt nach genau dem Interessenmix, den er als Aufsichtsratmitglied des Autoteilezulieferers Mahle vertreten dürfte. Das hätte man im Artikel erwähnen dürfen, anstatt ihn nur als E-Mobilitäts-Experte von der RWTH Aachen vorzustellen.
Die Wahrheit meint
Das Aus vom Aus ist das Aus.
Dann baut doch Verbrenner, die die Euro 7 Norm erreichen. Wer schon bei der Euro 6 scheitert umd hocheffizient pfuscht und betrügt; zeigt mehr als deutlich sein Versagen.
Skodafahrer meint
Es gibt nicht „die“ Autoindustrie.
Automobilhersteller haben mit Umstellung zum Elektroauto Ihre Fertigungstiefe im Bereich der Antriebe erhöht. Daher kaufen sie weniger bei Autozulieferern in diesem Bereich ein, als das noch beim Verbrenner so war.
South meint
Also, dass sich einer „Experte“ nennt, heisst erstmal gar nichts, schon gar nicht, dass dieser unabhängig eine sachliche Einschätzung von sich abgibt. Auch wenn einer an einer staatlichen Hochschule angestellt ist, ist es üblich, dass diese trotzdem mit der Branche eng verzahnt sind und dort sogar ihr Geld in Projekten oder als Berater beziehen, denn genau so hört sich der Artikel an, der hätte genauso vom VDK kommen können.
Denn es enthält auch den gleichen Unsinn. Die Konzerne tun sich keinen Gefallen, alle Antriebsarten weiterzuentwickeln. Es geht im Kern darum, dass die Industrie es immer noch nicht schafft, mit E Autos Geld zu verdienen und deshalb ist ganz klar kein Mythos, dass die Branche gegen das E Auto arbeitet. Ich würde sogar sagen, sie ziehen alle Register, die nur irgendwie möglich sind.
Die Branchen muss die ausufernden Kosten abbauen, die Lieferketten diversifizieren und genau sich auf die E Autos fokussieren. Denn eine bleibt uns der Experte schuldig. Von einer Nische wird die Branche nicht überleben können…
EV1 meint
Google-Suche:
Seit April 2023 ist er Mitglied des MAHLE-Aufsichtsrats.
Noch mehr Fragen?
South meint
Nö… ich habs aber schon vermutet…. ;-)
Es müsste tatsächlich mal einen Disclaimer geben, ob eine Quelle sachlich berichtet, eben ein Experte, oder ob er einfach das trällert, was seine Geldquelle will.
David meint
Da hat er völlig recht und das ist ja sogar schon von einigen hier im Kommentarbereich erkannt worden, die sonst nicht so die Blitzmerker sind. Die Automobilindustrie ist ganz sicher nicht gegen das Elektroauto. Sonst wären die Investitionssummen nicht zu hoch und man kann sehr gut an Toyota und an Stellantis bis 2023 sehen, wie das ist, wenn man tatsächlich dagegen ist. Stellantis ist jetzt in großer Umstrukturierung und Toyota setzt auf die Karte Feststoff im Sinne einer Risikominimierung, engagiert sich ansonsten immer noch nicht. Allerdings kann man nicht von allen Zulieferern sagen, dass sie konsequent für das Elektroauto sind.
Gerry meint
…und VW war zu lang mit der Dieselmanipulation beschäftigt, da hatten sie keine Zeit für eFahrzeuge. Und dann kein Geld mehr😉.
Aber langsam wirds ja, wenn auch im Schneckentempo 👍.
Futureman meint
Blöd nur für Toyota und VW, das andere viel schneller sind. Bei weltweit gleichbleibenden Gesamt Verkaufszahlen wird der Anteil von „neuen“ Herstellern immer größer, da sie für den Markt die passenden Fahrzeuge bauen.
South meint
Da wird doch gelogen, dass sich die Balken biegen. Zuerst wurde auf eine Nachfrageschwäche verwiesen und was noch nicht alles herhalten musste. Jetzt kommt Stück für Stück raus, um was es tatsächlich geht. Geld und Besitzstandwahrung. Der „Experte“ spricht es ja direkt an…. „Deswegen sei es nicht schlecht oder böse, auf die Bremse zu treten“….
Es ist glasklar die Industrie, die auf die Bremse tritt. Das können wir uns aber nicht lange leisten, sonst muss der Kunde für teure alte Verbrennertechnik und/oder überteuerte E Autos zahlen. Man kann da nicht mehr lange zuschauen, sonst reden wir nicht mehr von einer produktiven Branche, sondern von einer staatlich getragenen Geldvernichtungsmaschine. Hauptsache Bonus passt…
Tt07 meint
„… Die Automobilindustrie ist ganz sicher nicht gegen das Elektroauto…“
Dann hast Du den Artikel nicht gelesen oder nicht wirklich verstanden…such Dir was aus. In jedem Fall, bist Du dem Herrn gehörig auf den Leim gegangen.
Jeff Healey meint
…aber so was von auf den Leim gegangen! 👍
Elvenpath meint
Also gerade bei Toyota haben die Führungskräfte sehr deutlich gemacht, dass sie gegen E-Autos sind.
Sowohl verbal, als auch mit konkreten Desinformationskampagnen.