Volvo hat im Sommer den XC70 mit neuem Plug-in-Hybrid-System vorgestellt. Das Modell soll möglichst schnell auch nach Europa kommen, sagte nun CEO Hakan Samuelsson im Gespräch mit Automotive News. Die Antriebstechnik soll künftig eine zentrale Rolle bei den Schweden spielen, aber auch Vollstromer weiter vorangetrieben werden.
Aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht sollten 90 Prozent der Fahrten mit den Volvo-Plug-in-Hybriden der neuen Generation im Elektromodus erfolgen, erklärte Samuelsson. „Gleichzeitig müssen Sie sich keine Sorgen machen, dass Ihnen die Batterie ausgeht, wenn Sie etwas weiter fahren, da der Motor dann einspringt. Die zukünftigen PHEVs werden eher wie Elektroautos sein, jedoch mit einem Backup-Motor.“
Während Volvo langfristig vollständig auf Elektroautos umstellen werde, benötige das Unternehmen kurzfristig einige Elektroautos mit einem Backup-Motor. Diese bezeichnet es als Plug-in-Autos der zweiten Generation. Volvo hat im letzten Jahr das Ziel abgeblasen, ab 2030 ein reiner Elektroautobauer zu sein. Stattdessen stehen nun die neuen Plug-in-Hybride der zweiten Generation verstärkt im Fokus.
„Wir werden diese Brückentechnologie bis 2035/2040 benötigen“
„Wir werden diese Brückentechnologie bis 2035/2040 benötigen. Aber bis 2030 werden wir auch eine wirklich gute Auswahl an Elektroautos haben“, erklärte der CEO. „Um beide Optionen zu haben – und dies auf intelligente Weise zu tun – werden wir uns ansehen, was wir von der Geely Group übernehmen können. Das haben wir mit dem XC70 gemacht. Jetzt wollen wir das Auto auf Europa ausweiten.“ Volvo ist schon länger Teil des chinesischen Geely-Konzerns und profitiert von dessen Technologie- und Produktionsressourcen.
Der XC70 nutzt die Scalable Modular Architecture (SPA), die gemeinsam von Volvo und Geely entwickelt wurde. Eine der Vorgaben seit dem erneuten Amtsantritt von Samuelsson als Unternehmenschef im April war es, die Synergien innerhalb der Gruppe zu steigern, zu der Marken wie Zeekr, Lynk & Co, Polestar und Lotus gehören.
„Zunächst einmal müssen wir nicht doppelt in Elektro- und Langstrecken-Plug-in-Hybride investieren, unterstrich der Volvo-Boss. Ein weiterer Bereich, in dem Synergien erzielt werden könnten, sei die Software, die zunehmend zwischen China und dem Rest der Welt aufgeteilt werden müsse. Daher benötige man zwei verschiedene Fahrerassistenz-, Infotainment- und Sprachsteuerungssysteme. Hier könne man auf bereits vorhandene Lösungen für China zurückgreifen, etwa von Zeekr oder Lynk & Co.
Nach dem SUV EX90 und der Limousine ES90 im Oberklassesegment steht bei Volvo ein weiterer Elektroauto-Technologiesprung an. Mit dem EX60 wird demnächst die erste rein batteriebetriebene Version des Mittelklasse-Bestsellers der Marke vorgestellt. Das Modell basiere auf der neuesten Weiterentwicklung der SPA-Plattform, „einer sehr skalierbaren, vollelektrischen Architektur ohne Kompromisse“, erläuterte der Volvo-Boss. „Diese Plattform wird im Vergleich zu anderen E-Auto-Modellen aus unserem Haus bahnbrechende Vorteile bieten. Wir sehen darin einen Meilenstein und einen Neuanfang für Premium-Elektroauto-Fahrzeuge.“
„Wir wollen, dass das Null-Emissions-Ziel bestehen bleibt“
Die EU wird nach Druck von Autoherstellern und Politikern – insbesondere auch deutsche – wahrscheinlich seine geplante Gesetzgebung aufweichen. Eigentlich sollten ab 2035 in der Region nur noch Pkw neu zugelassen werden, die keine CO2-Emissionen haben – also praktisch hauptsächlich Elektro- und Wasserstoffautos. Es werden nun aber wohl noch länger auch Verbrenner verkauft werden dürfen. Bei Volvo hält man davon nichts.
„Wir wollen, dass das Null-Emissions-Ziel bestehen bleibt. Wir haben uns an die Vorschriften angepasst und viel Geld investiert, um das Ziel zu erreichen. Wir haben dies in dem Wissen getan, dass wir CO2-Zertifikate verkaufen könnten, was uns wiederum helfen würde, unsere Elektroauto-Entwicklung zu finanzieren“, erklärte Samuelsson. Wenn die EU die Vorschriften ändere, sei das „sehr schlecht“ für Volvo.
„Ich glaube nicht, dass irgendjemand daran glaubt, dass Diesel- und herkömmliche Benzinmotoren ein Comeback erleben werden. Die Zukunft gehört den Elektroautos“, so Samuelsson. „Die Frage ist nur, wie schnell dieser Wandel stattfinden wird. Aber wenn man wie wir daran glaubt, dass dieser Wandel stattfinden wird, halte ich es nicht für richtig, darüber zu diskutieren, wie man diesen Prozess verlangsamen könnte. Es ist besser, sich so schnell wie möglich anzupassen, denn ich habe noch nie erlebt, dass jemand durch langsame Anpassung stärker geworden ist.“
Die EU sollte Ziele, aber auch Vorschriften für den Aufbau der Ladeinfrastruktur vorgeben, meinte der Volvo-Chef. Man könne nicht einfach Ziele für die Automobilindustrie festlegen und hoffen, dass die Infrastruktur dann schon vorhanden sei. „Die USA haben in acht Jahren einen Menschen auf den Mond gebracht, also sollte es möglich sein, die Ladeinfrastruktur in Europa in zehn Jahren aufzubauen. Ich weigere mich zu glauben, dass das unmöglich ist.“

R2D2 meint
Es gibt keine 0 Emissionen.
Gerry meint
Die Krückentechnologie Plugin ist komplett überflüssig. Weiß jeder der schon BEV fährt 👍.
Futureman meint
Da wird der Geely-Konzern den Bereich außerhalb Europas noch mehr aufbauen und der Markt für VW und Co beschränkt sich dann auf Europa.
Jürgen W. meint
„Die zukünftigen PHEVs werden eher wie Elektroautos sein, jedoch mit einem Backup-Motor“.
Ein Back-up Motor den man grundsätzlich nicht benötigt, ist aber ein verdammt teurer Spaß und zudem zu 90 Prozent sinnlos.
Zudem bezweifele ich bis heute, dass irgendein Mensch jemals den Mond betreten hat.
Ich weiß was jetzt alles kommt……….. :-)
Anti-Brumm meint
Wer das Verbrenner-Aus gekippt hat:
– die europäische Autoindustrie
– die dem Stammtisch/Boulevard nachäffenden, konservativen Kräfte
Was uns die Medien nun verkaufen:
– die arme Autoindustrie hat jetzt keine Planungssicherheit mehr
– die arme Bevölkerung ist jetzt ganz verwirrt, was sie kaufen soll
Steffen meint
Sie ist auch verwirrt, das hat man ja bei den Wärmepumpen gesehen. Erst dieses Jahr hat sich das wieder gefangen, die Verunsicherung durch die damalige Opposition einschließlich FDP ließ nach und es wurden ordentlich viele produziert und installiert.
Daniel meint
Haha, da hat sich einer verzockt!
Jürgen W. meint
Noch ist nichts beschlossen, aber alle tun so. Es gibt jede Menge Widerstand.