2026 wird laut Geotab ein herausforderndes, aber auch ein spannendes Jahr für Flottenmanager. Fabian Seithel von dem Anbieter für vernetzte Fahrzeuglösungen und Flottenmanagement zeigt fünf Trends für die Branche im neuen Jahr auf.
KI wird proaktiver und branchenspezifischer – datengetriebene Unternehmen profitieren
Die nächste Generation der Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) wird über reine Chatbots hinausgehen und ein zentraler Teil des Tagesgeschäfts werden. Proaktiv wird die KI Aufgaben koordinieren, Arbeitsabläufe steuern und Informationen verknüpfen. Teams können so mehr Zeit mit wertschöpfenden Arbeiten verbringen, als mit manuellen Abstimmungen. Von einem reinen Werkzeug wird KI so zu einem echten Partner im Arbeitsalltag. Ein Beispiel aus der Telematik: Bisher mussten Flottenmanager Wartungsintervalle aufgrund ihrer Datengrundlage selbst planen und sich eigene Erinnerungen erstellen. Dies können zukünftig in die Telematikplattform integrierte KI-Assistenten proaktiv übernehmen.
KI funktioniert jedoch nur so gut wie ihre Datengrundlage. Daher werden im nächsten Jahr Unternehmen, die über einen umfassenden Datenschatz verfügen, klar im Vorteil sein. Plattformen, die Fahrzeugdaten erfassen, aggregieren und aufbereiten können, werden noch wichtiger. Parallel dazu wächst der Bedarf an branchenspezifischen, hochgradig angepassten Lösungen: Flotten in Bereichen wie öffentliche Sicherheit, Bauwesen oder Last-Mile- und Ferntransport fordern Software- und Datenpakete, die exakt zu ihren operativen Anforderungen passen.
Logistikbranche manövriert zwischen Rezession, Kostendruck und zaghaftem Aufschwung
Die getrübte Stimmung in vielen Bereichen der Wirtschaft wirkt sich auch auf die Logistik aus. Ein guter Indikator dafür in Deutschland ist der Lkw-Maut-Fahrleistungsindex. Dieser lag im Oktober 2025 0,9 Prozent unter dem Wert des Vorjahres, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Für das nächste Jahr erwarten Experten zwar ein Konjunkturwachstum, allerdings soll dieses gering ausfallen und die Erwartungen wurden erst kürzlich nochmals gesenkt. Die Gesamtsituation der Wirtschaft wirkt sich auch auf die Logistik aus, wo ohnehin bereits hohe Konkurrenz, starker Kostendruck und geringe Margen den Ton angeben.
Daneben steht die Branche auch gesellschaftlich und politisch unter Druck und soll ambitionierte Nachhaltigkeitsziele erreichen. Andererseits bleiben funktionierende Transportwege essenziell und ohne zuverlässige Lieferketten wird es keinen Aufschwung geben. Flottenmanager müssen jetzt dringend auf Modernisierung setzen, um in diesen herausfordernden Zeiten bestehen zu können. Moderne Telematikplattformen können ihnen dabei helfen, Routen zu optimieren, Kraftstoff einzusparen und Fahrer zu entlasten. Das wirkt sich schließlich auch auf Kosten und den CO2-Ausstoß von Flotten aus.
Autonomes Fahren kommt im Eiltempo
Das autonome Fahren könnte in diesem Jahr einen ähnlichen Wendepunkt erreichen, wie ihn künstliche Intelligenz bereits überschritten hat: von einer Phase des Experimentierens zum praktischen und produktiven Einsatz im Alltag. Das sieht auch ein Strategiepapier der Bundesregierung vor, laut dem der Übergang vom Erprobungsbetrieb in den Regelbetrieb bis 2026 erfolgen soll. Was die rechtlichen Rahmenbedingungen angeht, gilt Deutschland tatsächlich als Vorreiter auf dem Gebiet und es gibt bereits einige Pilotprojekte wie beispielsweise in Hamburg, wo autonomes Ridepooling bereits funktioniert.
Die Technologie könnte sich 2026 auch in der Logistik verbreiten. Schließlich sprechen viele Vorteile für den Einsatz dieser Technologie: geringere Betriebskosten, keine Ruhezeiten und hohe Verfügbarkeit. Für eine Branche, die mit Fachkräfte- und Nachwuchsmangel zu kämpfen hat, könnte autonomes Fahren zu einem echten Game-Changer werden. Doch die Technologie bringt auch Herausforderungen mit sich, denn sie gilt als eine der datenintensivsten überhaupt. Das betrifft nicht nur die Kommunikation zwischen autonomen Fahrzeugen untereinander und mit der Verkehrsinfrastruktur – auch Unternehmen müssen die Verbindung mit ihren selbstfahrenden Transportmitteln halten und deren Daten verarbeiten können. Es lohnt sich also bereits heute, die Dateninfrastruktur für das Flottenmanagement auszubauen, um dieser Herausforderung gewachsen zu sein.
Förderung für privat genutzte E-Dienstwagen verändert sich
Wollen Unternehmen privat genutzte elektrische Dienstwagen fördern, gibt es im neuen Jahr einen wichtigen Punkt zu beachten: Pauschale Erstattung für das Laden zuhause werden nicht mehr zulässig sein. Der Verbrauch muss genau erfasst werden. Damit Mitarbeitende keinen zusätzlichen Zähler installieren oder private Verbrauchsdaten teilen müssen, empfiehlt sich die Erfassung über fahrzeuginterne Zähler. Die Übermittlung dieser Daten ist mit einem modernen Telematiksystem problemlos und automatisch möglich. Von dort können sie auch einfach in ERP- oder Finanzsysteme weitergeleitet werden.
Der Markt wird von Allianzen und Kooperationen profitieren
Die Welt der kommerziellen Flotten ist heute ein hochkomplexes Ökosystem mit vielen verschiedenen Stakeholdern – von Herstellern über Händler zu den Flottenbetreibern im Zentrum bis hin zu ihren Dienstleistern. Überall bestehen verschiedene Wechselwirkungen und im digitalen Zeitalter fließen überall Daten. Um als Dienstleister für digitale Lösungen in diesem Markt zu bestehen, sind Partnerschaften und Integrationen in verschiedene Systeme essenziell. Das Konzept offener Plattformen wird daher im digitalen Flottenmanagement noch wichtiger werden. So können Daten aus unterschiedlichen Quellen, beispielsweise von Fahrzeugen unterschiedlicher Hersteller und nachgerüsteten Telematikgeräten, an einem Ort konsolidiert werden. Mit einer offenen Plattform ist es zudem möglich, hochspezialisierte Tools externer Anbieter zu integrieren, die auf die individuellen Anforderungen einer Flotte zugeschnitten sind.

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