Der Marktbeobachter Deutsche Automobil Treuhand (DAT) sieht die politische Entscheidung für eine Elektroauto-Kaufprämie ausschließlich für Neuwagen kritisch und mit zahlreichen offenen Fragen verbunden.
Nach Einschätzung der DAT könnte eine solche Maßnahme den bestehenden Pkw-Bestand an Elektroautos negativ beeinflussen, insbesondere Fahrzeuge, die aktuell zum Verkauf stehen. Bereits die letzte, Ende 2023 eingestellte E-Auto-Prämie habe gezeigt, dass Förderungen „erhebliche Auswirkungen“ auf die Restwerte hatten und diese weiter unter Druck geraten können.
Besondere Unsicherheit sieht die DAT beim Leasing. Viele Elektrofahrzeuge befinden sich derzeit in laufenden Leasingverträgen, deren zum Vertragsende vereinbarte Restwerte durch die neue Prämie schwer erreichbar sein könnten. Da der Leasinganteil bei E-Autos proportional höher ist als bei Verbrennern, stellt sich für die Branche die Frage, wie Leasinggesellschaften mit möglichen Wertverlusten umgehen, zumal eine nachträgliche Erhöhung der Leasingraten während der Laufzeit kaum möglich ist.
Zweifel äußert die DAT auch an der Zielgenauigkeit der Förderung. Laut einer Befragung für den kommenden DAT Report zahlten private Neuwagenkäufer 2025 im Schnitt 47.160 Euro für ein Elektroauto. Dieser Betrag liegt über dem Haushaltseinkommen von 45.000 Euro, das – zuzüglich Kinder – Voraussetzung für die maximale Förderung ist. Nach Kenntnis der DAT orientiert sich diese Zielgruppe eher am Gebrauchtwagenmarkt als am Neuwagenkauf.
Ein weiterer Kritikpunkt ist der erwartete Bürokratieaufwand. Für die Beantragung der Förderung seien umfangreiche Nachweise nötig, etwa zu Einkommen sowie Anzahl und Alter der Kinder. Dies betreffe nicht nur die Antragsteller, sondern auch die Händler, die das Thema zwangsläufig in Verkaufsgespräche einbeziehen müssten.
Martin Weiss, Leiter DAT Fahrzeugbewertung, verweist zudem auf die Ursachen des jüngsten Marktwachstums: „Nachgewiesenermaßen kam der bedeutende Zuwachs der Zulassungszahlen für E-Autos im zurückliegenden Jahr (+43% gegenüber 2024) auch aufgrund des großzügigen Engagements der Hersteller und Importeure zustande.“ Offen sei, ob dieses Engagement fortgeführt oder durch die staatliche Förderung teilweise ersetzt werde.
Weiss erinnert außerdem daran, dass zuletzt fast zwei Drittel der E-Auto-Zulassungen gewerblich waren und auch steuerliche Vorteile wie die „0,25-%-Versteuerung“ für privat genutzte Dienstwagen dazu beigetragen hätten. Eine nachhaltige Steigerung der Attraktivität von Elektrofahrzeugen hätte die DAT nach eigenen Angaben eher in einer flächendeckenden Förderung des Ladestroms gesehen.
Die neue staatliche E-Auto-Kaufprämie richtet sich an Privatkunden. Sie unterstützt beim Kauf oder beim Leasing eines neuen, erstmals in Deutschland zuzulassenden Fahrzeugs mit rein elektrischem oder extern aufladbarem Hybridantrieb. Förderfähig sind Käufer, deren zu versteuerndes Haushaltsjahreseinkommen maximal 80.000 Euro beträgt. Die Einkommensgrenze erhöht sich für bis zu zwei Kinder um 5000 Euro je Kind. Unter dem Strich kann die Förderung bis zu 6000 Euro betragen.

MichaelEV meint
„Besondere Unsicherheit sieht die DAT beim Leasing“
Überraschung…
Der häufig beschworene technologische Fortschritt spielt für die Gebrauchten kaum eine Rolle. Aber wenn die Neuwagenpreise (oder Mobilität anderweitig besser/günstiger wird) sinken, aktivieren sich selbstverständlich die schlummernden enormen Restwertrisiken in den Bilanzen.
Lanzu meint
„Dies betreffe nicht nur die Antragsteller, sondern auch die Händler, die das Thema zwangsläufig in Verkaufsgespräche einbeziehen müssten.“
Warum müssen die Verkäufer das einbeziehen? Der Verkäufer kann ganz unabhängig von der Prämie einen Preis mit dem Kunden verhandeln und der Käufer dann nachträglich die Prämie beantragen. Der Händler hat damit doch nichts zu tun.
Werner Mauss meint
Der Händler wüsste das natürlich zu gerne. Spielt es doch bei der Verhandlung für ihn eine große Rolle. Der Unterschied kann ihm schnell ein bis zweitausend Euro mehr einbringen.
MrBlueEyes meint
Naja, die Gebrauchtwagenpreise in (ab) 3 Jahren wird es auf jeden Fall beeinflussen meines Erachtens…
MichaelEV meint
Warum? Der ursprüngliche Verkaufspreis spielt doch keine Rolle, sondern die dann vorliegende Marktlage.
Wenn Neuwagenpreise nachgeben und der Unterschied zu Gebrauchten zu klein wird, müssen Gebrauchte billiger werden. Nicht in 3 Jahren, sondern zeitnah (falls Preise sich wirklich als niedriger herausstellen und mit Adaptionsphase).
MrBlueEyes meint
Also gibst du mir Recht und erweiterst das sogar auf aktuelle Gebrauchtwagen…
Weil in 3 Jahren werden die heute subventionierten Neuwagen auf jeden Fall günstiger verkauft werden können als ohne heutige Förderung… was natürlich die Gebrauchtwagenpreise kaputt macht für entsprechende Modelle…
MichaelEV meint
Es geht doch nicht darum, was der Verkäufer früher mal für das Produkt bezahlt hat, sondern was Käufer aktuell dafür bezahlen wollen.
Wenn die 3 Milliarden in 3 Jahren aufgebraucht sind und die Förderung nicht mehr wirkt, ist die Wirkung weg (zumindest von der Förderung, sinkende Kosten für BEVs und deren Weitergabe wirken analog).
Ben meint
Ist doch völlig egal, BEV Gebrauchte haben doch sowieso einen massiven Wertverlust, meinen 1 Jahr alten KIA EV 6 126(126km) hab ich mit Vollausstattung als Tageszulassung für 38k bekommen.
Mein jetzigen ID.4 GTX EZ 12/24 mit 6000km mit Vollausstattung hab ich im Sommer 25 für 42k bekommen, das sind nach 6 Monaten knapp 50% Wertverlust.
MichaelEV meint
Das sind keine Wertverluste, sondern Ausprägungen von Rabatten auf wahnwitzige Listenpreise. Auf Intransparenz gedreht, damit man noch ein paar findet, die wesentlich mehr dafür bezahlen (die tun mir leid).
Der EV6 war 1 Jahr alt beim Kauf? Die beiden Beispiele stehen wohl exemplarisch für die beschriene Halde.
Der ID.4 kostet Liste doch keine 84k, oder? Das wäre ja der absolute Irrsinn…
Mäx meint
Also ich hab jetzt alles angedrückt was man andrücken kann und komme bei 73k raus. 42k wären dann also 43% Verlust.
Immer noch massig viel, aber keine knapp 50%.
Ich frage mich da nur wieder, warum du nach Model Y zuerst auf den EV6 gewechselt bist und dann jetzt doch wieder zu einem ach so schlechten ID4 zurückgekehrt bist.
Warum kein Model Y?
Die sind doch konkurrenzlos gut und günstig?
MichaelEV meint
Das Model Y ist doch 10.000 € teurer. Ich vermute das beantwortet die Frage.