Trotz der geplanten Aufweichung des EU-„Verbrenner-Verbots“ sollten die Autohersteller weiter in die Elektromobilität investieren, fordert Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) im Gespräch mit Auto Motor und Sport. Die von der EU geplanten neuen, aufgeweichten Vorgaben sei kein Ende des „Verbrenner-Aus.“
Die EU-Kommission hat Ende 2025 das „Automobilpaket“ vorgelegt. Die Politiker kommen in ihrem Vorschlag für die künftige Gesetzgebung dem Sektor mit aufgeweichten CO2-Zielen entgegen: Der CO2-Ausstoß von neuen Pkw soll 2035 nur um 90 und nicht um 100 Prozent gesenkt werden. Damit können weiter auch Verbrennerfahrzeuge für die Neuzulassung verkauft werden, während das frühere Vorhaben praktisch die Umstellung auf Elektroautos und Wasserstofffahrzeuge bedeutet hätte.
„Welches Aus vom Verbrenner-Aus? Wenn unsere Automanager das glauben würden, wäre das ein großer Fehler“, warnt Schneider gegenüber Auto Motor und Sport. „Im Übrigen wird das nicht nur die EU regeln, sondern vor allem der Markt – nicht nur in Europa, sondern auch in China und anderen Teilen des Weltmarkts. Wir ermöglichen den Übergang, aber die Unternehmen stehen in der Verantwortung, exzellente Produkte herzustellen, die weltweit gekauft werden.“
Er habe „volles Vertrauen, dass die Industrie das verstanden hat“, so Schneider. „Ich kann verstehen, dass man auf abgeschriebenen Produktionsmaschinen bewährte Technik herstellen und damit hohe Gewinne machen will. Aber man darf den Zug der Zeit nicht verpassen, wenn man ökonomisch vorne bleiben will.“
Mit Blick auf den Hochlauf der Elektromobilität forderte der SPD-Politiker die Autoindustrie auf, sich finanziell „an dieser gemeinsamen Kraftanstrengung“ beteiligen. „Wir haben uns flexibel gezeigt. Jetzt sind die Firmen am Zug, und da lasse ich dann auch für den Standort Deutschland keine Ausreden mehr zu.“
E-Fuels sind für den Bundesumweltminister kein Weg, um Verbrenner länger im Markt zu lassen. „Die sind viel zu teuer und haben im Vergleich zu batterieelektrischen Antrieben eine fünf- bis sechsmal schlechtere Energieeffizienz. Das bedeutet, dass Sie mit derselben Menge Strom im Elektroauto sechsmal so viel fahren können, als wenn Sie damit E-Fuels produzieren und dann tanken.“


Tt07 meint
Eine Lanze für das BEV, ohne Wenn und Aber. Das wird den vielen Jüngern der Technologieoffenheit hier ganz und gar nicht schmecken.
Sehr, sehr gut Herr Schneider!
MrBlueEyes meint
So ähnlich sprach Herr Wissing auch am Anfang (pro Elektroauto), bis er von der Partei und Fossillobby eingenordet wurde… hoffentlich hält Herr Schneider länger durch…
Michael Koch meint
Endlich auch mal ein hochrangiger Politiker der aktuellen Regierung, der die Fakten ausspricht und nicht die ganze Zeit „Ich sag ja schon, dass Diesel toll sind, aber wählt bitte mich statt der AfD“ jammert. Wenn man Stimmen für die AfD verhindert, in dem man die Ziele der AfD umsetzt, hat man nichts gewonnen, hat die AfD gewonnen.
Aber vor Allem muss uns eines klar sein: VW z.B. hat den Anspruch, als Konzern 10 Millionen Fahrzeuge pro Jahr abzusetzen und hat dies in Spitzenjahren auch schon getan. In eben diesen Spitzenjahren ginngen davon rund 700.000 nach Deutschland. Das sind 7%. Heißt im Umkehrschluss: 93% landen im Ausland. In eben diesen Spitzenjahren hatte alleine China einen Anteil von über 40% an den VW-Verkäufen, also rund das 6fache Deutschlands. Was deutsche Bürger und Politiker wollen ist für den erfolg der deutschen Automobilindustrie also weitgehend irrelevant.
Und ja, eAutos sind in China auch deshalb so erfolgreich, weil sie politisch bevorzugt werden und nicht unbedingt, weil jeder Chinese schon immer davon geträumt hat, vom Verbrenner aufs eAuto umzusteigen. Aber auch da gilt: Für VW und die Mitarbeiter dort ist es vollkommen irrelevant, warum sich eAutos immer besser und Verbrenner immer schlechter verkaufen. Fakt ist: Es ist so.Will man Arbeitsplätze hierzulande erhalten, muss man mitziehen. Da geht es also gar nicht um Fragen wie Umweltschutz, Sinnhaftigkeit oder ähniches. Es geht nur um einen einzigen Aspekt: Mit welcher Technologie kann ein solcher Welt-Konzern in 10 Jahren noch Geld verdienen? Die Antwort darauf lautet ganz sicher nicht „Dieselmotor“.
R2D2 meint
Mich fasziert immer wieder, wie man beim Auto ständig dieses Politik Geschwätz zu Tage tragen kann. Köstlich. Meinste Hildegard M. aus dem 8ten Stock im Block, die als alleinverziehende Krankenschwester nicht den Gral der Erleuchtung erlangt hat, fährt sturr und absichtlich Verbrenner? Den sie sich lange angespart und dann für 6.000 Euro gekauft hat? Und deren Lebensverhältnisse sich auch in vermutlich 10 Jahren nicht massiv verändern werden, aus eigener Kraft? Denkt Ihr clowns wirklich so über andere Mitmenschen?
ph91 meint
Was für Strecken fährt diese Hildegard M. denn täglich? 10 km zur Arbeit, kurz noch zum Einkaufen und dann wieder nach Hause?
Da tut es auch ein günstiger Gebrauchtwagen, die gibt es auch elektrisch mittlerweile für 5 bis 10.000 €.
Ja wo soll sie im Block denn laden fragst du? Gar nicht, immer mehr Arbeitgeber bieten Lademöglichkeiten und auch an Supermärkten entstehen immer mehr Schnelllader. Ein 30 Min. Einkauf und gleichzeitig Laden reicht dann auch für die ganze Woche.
Wer will findet Wege, wer nicht will findet Gründe.
Wird Zeit das endlich die wahren Umweltkosten auf die Preise umgelegt werden.
Future meint
Endlich mal ein Politiker, der das ausspricht: »die Unternehmen stehen in der Verantwortung, exzellente Produkte herzustellen, die weltweit gekauft werden.«
Es soll ja immer noch Unternehmer geben, die die Politik für den Mißerfolg des eigenen Unternehmentums verantwortlich machen.
tutnichtszursache meint
SPD Politiker – Söder, Merz und Weber haben den schon einbestellt und unter Schwefelgeruch aus der Hölle kommt der Exorzist.
Gunnar meint
Der EU+EFTA+UK-Schnitt lag 2025 bei 19,5% BEVs.
Norwegen: 95,90%
Dänemark: 68,50%
Island: 41,20%
Niederlande: 40,20%
Malta: 37,90%
Finnland: 37,20%
Schweden: 36,50%
Belgien: 34,70%
Luxemburg: 26,90%
UK: 23,40%
Portugal: 23,20%
Liechtenstein: 23,10%
Schweiz: 22,80%
Österreich: 21,30%
Frankreich: 20,00%
Deutschland: 19,10%
Irland: 18,90%
Slowenien: 11,20%
Zypern: 10,10%
Spanien: 8,80%
Ungarn: 8,50%
Litauen: 7,50%
Polen: 7,20%
Lettland: 7,10%
Estland: 6,60%
Italien: 6,20%
Griechenland: 6,20%
Tschechien: 5,60%
Rumänien: 5,60%
Bulgarien: 4,90%
Slowakei: 4,70%
Kroatien: 1,80%
Gunnar meint
Die Länder, die jetzt schon über 30% liegen, werden unter Garantie 100% BEV Anteil in 10 Jahren schaffen.
Wer zwischen 30% und 20% hat, könnte es knapp werden, 90% sollten aber gesetzt sein.
Alle Länder, die aktuell unter 20% haben, benötigen noch größere Anstrengungen, um in die Nähe dieser Zielmarken zu kommen. Es sind leider vor allen Dingen die kaufkraftärmeren Ostblock-Länder + südeuropäische Länder, die noch Nachholbedarf haben.
Michael Koch meint
„kaufkraftärmere Länder“ bedeutet aber eben oft auch, dass Fahrzeuge nicht neu gekauft werden, sondern dass ein Teil der Leasingrückläufer von z.B. deutschen Unternehmen oder von Autovermietungen dorthin geht. Und das wiederum heißt: Dort kann das recht schnelll und rapide kippen, wenn aus Nord- und Mitteleuropa plötzlich hauptsächlich eAutos als Leasingrückläufer von den Firmen zurückgegeben werden. Es ist dann halt drei bis 4 Jahre zeitversetzt zu dem was hier passiert.
Und ja, das kann bedeuten, dass es nicht direkt in 10 Jahren was wird, aber dann werden es halt 12 oder 14 Jahre. In der neuen, überarbeiteten Richtlinie sind ja auch die Ziele, welche CO2-Reduktion bis dahin erreicht werden soll für jedes Land individuell.
Futureman meint
Gute Übersicht, die zeigt, dass je kälter das Klima ist umso höher ist die Marktdurchdringung.
Wurde nicht immer gesagt, E-Autos sind nichts für kaltes Wetter? Wieder eine Theorie widerlegt.
eBikerin meint
„Gute Übersicht, die zeigt, dass je kälter das Klima ist umso höher ist die Marktdurchdringung.“
Nö zeigt etwas ganz anderes: da wo man am meisten in die Förderung gesteckt hat, ist die Marktdurchdringung am höchsten.
Ach und noch so ein kleiner Funfakt für dich: Dänemark und Island haben ein ausgeglicheneres Klima als zB Deutschland. Da ist es zwar im Schnitt kälter, dafür ist es dort im Winter aber „wärmer“. In Reykjavik ist es zB gerade etwas wärmer als in München.
South meint
Naja, ich will jetzt nicht polemisieren, aber die nordischen Länder sind moderner, liberaler und technisch aufgeschlossener….
Gunnar meint
„da wo man am meisten in die Förderung gesteckt hat, ist die Marktdurchdringung am höchsten.“
Ich würde es positiver ausdrücken:
Da wo man die Notwendigkeit der Elektrifizierung am besten verstanden hat und erkannt hat, dass man verlässliche, stabile Rahmenbedingungen langfristig benötigt, um den Wandel zu schaffen.
eBikerin meint
Naja dann will ich mal polemisieren: wenn das Elektroauto viel billiger ist als der Verbrenner, dann fällt es natürlich sehr leicht moderner, liberaler (was genau soll das mit eAutos zu tun haben?) und aufgeschlossender zu sein.
Gunnar meint
eAutos sind moderner als Verbrenner
ap500 meint
Die nordischen Länder fördern und verkaufen Öl und Gas und haben KEINE Autoindustrie.
Gunnar meint
„Die nordischen Länder fördern und verkaufen Öl und Gas und haben KEINE Autoindustrie.“
Klassische Ausrede in Deutschland. Wir müssen ja unsere heimische Autoindustrie schützen. Wir bauen die besten Verbrennungsmotoren der Welt. Das dürfen wir nicht aufgeben…usw…blablabla…leider die falsche Taktik.
Wir sollten massiv in E-Autos investieren, um unsere Autoindustrie zu schützen. Das wäre richtig. Alles andere ist Nonsens.
Future meint
Die nordischen Länder sind bei der Umsetzung von Reformen grundsätzlich sehr gut aufgestellt und vertrauen dabei auch ihren Politikern. Das hat auch bei anderen Themen, beispielsweise der Rente oder der Bildung, schon gut geklappt.
South meint
Natürlich hat es einen Einfluss, ob man subventioniert oder ob das Einkommensniveau höher ist. Trotzdem. Das alleine ist es nicht. Die nordischen Länder sind allgemein Reformen und Zukunftsthemen aufgeschlossener als die südlicheren und das nicht nur bei E Autos…
Futureman meint
Wetter und Klima sind halt so Sachen. Ist halt wie bei den Wärmepumpen, die angeblich in Deutschland wegen dem Klima ja nicht funktionieren aber in „kälteren“ Ländern längst Standard gibt. Und das obwohl die Förderung in Deutschland viel höher ist. Oder hat der Umschwung auf Techniken, die mit umweltfreundlichen Strom funktionieren doch etwas mit dem Bildungsstand und gar nicht mit dem Klima zu tun? Das würde allerdings erklären, warum Deutschland nur im Mittelfeld liegt.
Steffen meint
Länder wie Norwegen haben halt Auch die Eier in der Hose um unpopuläre Malus-Aktionen durchzusetzen, wie beispielsweise bis zu 12.000 € Strafzahlung bei Zulassung eines dicken, schweren Verbrenners. Undenkbar hier, aber wenn es so wäre, dass man bei Verbrennern deutlich mehr zahlen müsste, dann wäre das ein Nobrainer.
Dirk meint
Das ist ja nur Europa. Andere Länder haben z.T. auch extreme Zulassungszahlen die weit über 50% liegen. Nepal lag z.B. bei ca. 70 % aus dem Gedächtnis.
Und Indien wird unterschätzt. Mit dem neuen Handelsabkommen könnte es da Anschub geben, aber dahinter liegt vor allem die Hoffnung und der Plan, dass der Mittelstand jetzt den Weltstandard anstrebt und das betrifft auch die Mobilität.
Man kann davon ausgehen, dass auch die Chinesen alles in diesen Markt werfen, was sie haben.
eBikerin meint
„ndere Länder haben z.T. auch extreme Zulassungszahlen die weit über 50% liegen. Nepal lag z.B. bei ca. 70 % aus dem Gedächtnis.“
Und auch hier liegt dass an der massiven Förderung durch die Regierung.
Steffen meint
Aber auch an massiven Malus-Maßnahmen, wie beispielsweise bis zu 261% Einfuhrzölle für bzw. gegen Verbrenner.
Dirk meint
Ja, und?
Dass E-Fahrzeuge in allen Belangen besser sind als Verbrenner muss man ja wohl keinem mehr erklären. Die kosten halt in der Anschaffung noch etwas mehr und da hilft der Staat, um langfristig alle Vorteile ins Land zu holen.
South meint
Da hat er vollkommen recht, man könnte sogar noch einen draufsetzen. Erstens. Das jetzt 10% Verbrenner offengelassen werden, heißt noch lange nicht, dass der Verbrenner auch überlebt. Denn es lohnt sich schlicht nicht, den ganzen Puffer für reine Verbrenner zu verschwenden, dass wird eher der letzte Anteil PHEV oder sogar eher Range Extender abdecken. Zweitens. Es lohnt sich schlicht auf Dauer nicht, einen so kleinen Rest-Verbrennermarkt technisch zu bespielen. Drittens und das wichtigste. Aktuell ist es den Bürgern schwer zu verkaufen, dass Verbrenner vollständig verschwinden, weil es eben auch ehrlicherweise noch nicht für 100% der Kunden eine aktuelle Lösung ist. Wenn aber in wenigen Jahren E Autos dominieren, die Preise und Ladesituation deutlich verbessert hat, dann ist das vermittelbar und das Verbot kommt zu 100%. Sollte die E Autos sogar einen deutlichen technischen Sprung machen, dann könnte das sogar sehr schnell gehen.
Der Verbrenner ist heute schon am ste rb en. Die einzige Frage ist nur noch, gibt es einen Knick Effekt, Mercedes nannte es den Ketchup Effekt… ich nenn ihn den Genickbruch für den Verbrenner….
BEV meint
10% Verbrenner stimmt doch so auch nicht, es steht ja im Text:
„Der CO2-Ausstoß von neuen Pkw soll 2035 nur um 90 und nicht um 100 Prozent gesenkt werden.“
das heißt, wenn mans auf dem Papier so hinmogelt, dass die Verbrenner (PHEV) weniger Ausstoß haben, kann man mehr verkaufen … auch REX ist denkbar
Dem Wasserstoff dürfte da die Luft ausgehen, da haben die alten Männer ja keinen Grund jetzt noch auf Wasserstoff zu setzen, wenn sie die nächsten Jahre auch weiter noch Verbrenner durchs Land schieben können. Denn da bin ich mir sicher, die 10% werden nicht die Autos für den kleinen Mann sein, sondern das werden die richtig dicken und teuren sein.
South meint
Nein, so war es auch nicht gemeint. Auch in meinem Text steht ja auch deutlich, dass es eben eher nicht reine 10% Verbrenner sein werden, sondern eher PHEV oder REX … gut, und dass dies dann eher bei teuren Autos der Fall sein wird… würde ich auch so sehen, für Kleinwagen mit geringer Marge werden sie den Freiraum nicht verschwenden.
Ich glaub sogar, dass das alles kaum eine Rolle spielen wird… den PHEV und REX sind teuer im Unterhalt und Betrieb. Letztens erst einen Artikle gelesen, dass die PHEV den Zenit schon wieder überschritten haben sollen. Nur aufgrund der Dienstwagenförderung in der BRD wird der noch so verkauft…
eBikerin meint
Ehrlich gesagt halte ich diese Diskussion für absolut sinnlos. Wir haben 2026 – schau mal was es aktuell schon an 750 bis über 800km WLTP Autos gibt. Und wie schnell die laden. Was wird wohl noch bis 2035 so alles kommen?
Ich denke, dass es 2035 noch Verbrenner zu kaufen geben wird, aber eben sehr ausgesuchte und damit teure Exoten die eigentlich total egal sind, weil es irgendwelche Drittwagen sind, die nur im Sommer bei schönem Wetter mal am Wochenende aus der Garage dürfen.
Peter meint
„Ich denke, dass es 2035 noch Verbrenner zu kaufen geben wird, aber eben sehr ausgesuchte und damit teure Exoten die eigentlich total egal sind, weil es irgendwelche Drittwagen sind, die nur im Sommer bei schönem Wetter mal am Wochenende aus der Garage dürfen.“
Ich sehe das auch so wie die eBikerin.
Das blöde ist halt, dass es die Käufer weiter verunsichert. Aber vielleicht wollen die ja auch Zeit gewinnen, bis die neue Klasse breiter im Markt ist oder die SSP.