Chinesische Lkw-Hersteller wie Super Panther, Sany und Sinotruck kommen beim Markteintritt in Europa rasch voran und erhöhen den Druck auf deutsche Anbieter. Das zeigt eine von der IG Metall veröffentlichte Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI). Demnach bauen die Konkurrenten innerhalb weniger Jahre Produktionskapazitäten für Elektrolaster in Europa auf, vor allem in Ungarn.
Parallel entstehen für Spediteure wichtige Serviceangebote. Dazu zählen Partnerschaften mit bestehenden Werkstattnetzen wie Alltrucks, einem Gemeinschaftsunternehmen von Bosch und Knorr-Bremse. Damit schaffen die Hersteller aus China Voraussetzungen, um Kunden nicht nur mit Fahrzeugen, sondern auch mit Serviceleistungen zu binden.
Die IG Metall Baden-Württemberg sowie Betriebsräte von Daimler Truck und Iveco Magirus reagieren mit Sorge. Sie warnen vor Auftrags- und Beschäftigungsverlusten bei Herstellern und Zulieferern. „Im Lkw-Sektor darf uns nicht das passieren, was wir im Pkw-Bereich erleben“, sagte die baden-württembergische IG-Metall-Chefin Barbara Resch laut dem Handelsblatt und forderte politische Weichenstellungen für fairen Wettbewerb.
Auch aus den Unternehmen kommen Forderungen nach industriepolitischer Unterstützung. „Wenn unsere Industrie bei der Elektromobilität wettbewerbsfähig sein soll, brauchen wir einen europaweiten strategischen Industrieplan, der die Entwicklung und Produktion von Batteriezellen fördert und das Risiko für die Unternehmen minimiert“, so Michael Brecht, Betriebsratschef von Daimler Truck.
Die Hersteller müssten investieren, EU-Fördermittel nicht nur nach Osteuropa, sondern auch an bestehende, gefährdete Industrieregionen fließen. „Wir können den Kostenwettbewerb nicht gewinnen, also müssen wir die besseren Fahrzeuge haben“, erklärte Brecht. Daimler Truck teilte mit, alle Konkurrenten, einschließlich der aus China, zu beobachten. „Wir nehmen jeden Wettbewerber ernst“, hieß es von dem Unternehmen.
Studienautor Christian Lerch betonte das Tempo der Entwicklung. Chinesische Hersteller hätten sich in Europa innerhalb von zehn Jahren etabliert, deutlich schneller als in anderen Märkten. „Die Bedrohung ist also groß und wächst mit jedem Tag.“ Laut der Studie holen die Unternehmen technologisch auf, profitieren von Größenvorteilen, Subventionen im Heimatmarkt und von neuen Batterietechnologien.
Die Wissenschaftler empfehlen eine gemeinsame Batterieentwicklung und -produktion europäischer Hersteller, um unabhängiger von chinesischen Zulieferern zu werden. Zudem könnten neue Geschäftsmodelle und digitale Plattformen im Servicebereich helfen, Kunden langfristig zu binden.


R2D2 meint
Bei LKW werden die dt. Nicht-Hersteller genau die selben Fehler machen, wie beim Auto. Nase schön oben, mediales dauerfeuerwerk von „Premium“ und haste-nicht-gesehen-wie-super-toll-wir-sind…
die kommen einfach nicht aus dem Quark und jammer lieber. Während die Belegschaft nach noch mehr Lohn streikt. Das ganze hier in Dt. Land kannst dir echt nicht mehr ausdenken. the real life in Deutschland macht Satiriker arbeitslos.
David meint
Man darf nicht vergessen, im gewerblichen Personen und Güterverkehr ist die Verfügbarkeit des Fahrzeugs die relevante Größen. Das bedeutet, man muss in ganz Europa eine zuverlässige und eingespielte Service Mannschaft bereithalten. Das ist das große Asset der etablierten Hersteller. Man kann nicht sagen, dass der Wettbewerb grundsätzlich nicht funktioniert, denn die Preise für Verbrenner-LKW sind ja sehr fair.
180.000 € Aufpreis für einen elektrischen LKW sind es nicht. Natürlich hat man hohe Aufwände im Bereich F&E. Aber das muss man dann eben anders verbuchen. Insofern ist es gut, wenn Konkurrenz erscheint, so wie es auch damals gut war, als erst die Italiener und Franzosen, dann die Japaner, dann die Koreaner auf dem PKW-Markt erschienen.
Aber die technische Führerschaft haben schon die deutschen Hersteller auch auf dem LKW Markt übernommen. Und das ist ein gutes Zeichen.
Jörg2 meint
Du hast wirklich keine Ahnung von der Branche.
Der flächendeckende Service für die Marken XY wird durch die betriebseigenen Werkstätten der nutzenden Frachtführer realisiert.
Kasch meint
Von wegen, such im Netz z.B. mal nach Betongmischer in China. Längsträger des ursprünglichen Diesel verlängert, zwischen Kabine und Mischer ein 200-300 kWh großes Akkupack NATÜRLICH VERTIKAL eingesetzt, zentriert über riesigen Konus, ohne Verschraubung, da nicht erforderlich und der Rest des“Bau-LkW“ ebenfalls einfachst auf E umgerüstet. Wird eine neue Siedlung gebaut, bestellt man ein paar Dutzend dieser E-Betongmischer für wenige Wochen – die werden mit einem billigen Kontainer geliefert, indem mit einer einfachen Vorrichtung die riesen Akkupacks BINNEN 1 BIS 2 MINUTEN gewechselt werden. Schaus dir an und du wirst evtl. erahnen, WAS und WER tatächlich innovativ ist.
Frank Klaus meint
Betong sagst Du, ja?
M. meint
Eine Stadt in Thailand.
Thorsten, hat auch nicht Germanistik studiert meint
Kontainer ist ein dänischer Anbieter einer zentralen Cloud-Plattform, die Digital Asset Management (DAM) und Product Information Management (PIM) kombiniert.
Besser-BEV-Wisser meint
Ja, das ist in der Region Misha. Also Betong-Misha.
Steffen meint
Hehe, ihr seid putzig. Ich musste das erste Mal heute richtig lachen. ;-)
Thorsten 0711 meint
Fun fact:
Betong ist das norwegische Wort für Beton 😁
CaptainPicard meint
Wird (leider) Zeit. Die Preise die europäische Hersteller für E-LKW verlangen sind einfach nur absurd und der Hauptgrund warum sie sich so schleppend durchsetzen. Es gibt absolut keinen Grund warum ein elektrischer LKW drei Mal so viel kosten sollte wie ein Diesel-LKW, hier zockt man die Kunden und den Steuerzahler (Förderung) ab. 60.000 Euro Aufpreis für die Batterie sind gerechtfertigt aber nicht 150.000 bis 200.000 Euro mehr, wie sie aktuell verlangt werden.
Traurig dass es offenbar chinesische Konkurrenz braucht um für einen Preiskampf zu sorgen und es praktisch keinen Wettbewerb zwischen den europäischen Herstellern gibt.
Thomas meint
Dazu war ein Bericht auf cleantechnica. Auf einer Messe in China gab es Langstrecken-eLKW für unter 80.000 EUR. Selbst wenn man eine Anpassung auf europ. Standard berücksichtigt, dürften diese kaum oder überhaupt nicht mehr teurer sein als Diesel-LKW.
Dann wird es schwer für die etablierten Hersteller. Aber noch sind wohl die Markteintrittshürden hoch (Fahrzeugausstattung, Servicenetz etc.). Wenn ich DaimlerTruck oder Volvo wäre, würde ich sofort alle Unternehmensgewinne in die Quersubventionierung von eLKW setzen, damit fremde Hersteller erst gar kein Bein an die Erde bekommen. Aber vermutlich wird es so laufen wie im PKW-Markt: Mondpreise für e-Fahrzeuge verlangen und gleichzeitig Milliardendividenden ausschütten. Und dann wundern wenn BYD plötzlich seine Marktanteile vervielfacht…
MK meint
@Thomas
Sehr spannend finde ich auch immer, wie die Hersteller und Gwerkschaften sich in den Widersprüchen verheddern: Einerseits „Elektrofahrzeuge sind halt teurer“, andererseits „kommen die flächendeckend, gehen hunderttausende Jobs veroren, weil viel einfacher zu bauen“. Für irgendwas muss man sich schon mal entscheiden.
Und bevor irgendjemand mit angeblich hohen Rohstoffpreisen kommt: Lithiumpreise steigen zwar wieder, sind aber generell immer noch niedrig und liegen grade bei rund 20 US$ pro kg; der Bedarf liegt heutzutage bei maximal 0,15 kg/kWh. Heißt: In einem eActros 600 steckt Lithium für vielleicht 2.000 € (in einem PKW sind es dann eher 200 bis 250 €)…und grade das Platin für den Katalysator im Diesel fällt halt auch nicht vom Himmel.