Mit einer breit angelegten Modelloffensive versucht Mercedes-Benz, die anhaltende Krise mit sinkenden Gewinnen und Verkaufszahlen zu überwinden. Den Auftakt markierte vor einem Jahr die Vorstellung der elektrischen Coupé-Limousine CLA, die Konzernchef Ola Källenius als „den Beginn einer neuen Ära“ bezeichnete. Bis 2027 sollen mehr als 40 neue oder überarbeitete Modelle folgen, um insbesondere das Elektroangebot auszubauen.
Im Zentrum dieser Strategie steht der CLA als erstes Modell der neuen Generation. Branchenkenner sehen in ihm einen entscheidenden Testfall für den Erfolg der Offensive. „Die Modelle müssen funktionieren, es gibt keine Ausreden mehr“, sagt Autoexperte Stefan Bratzel im Gespräch mit dem Handelsblatt. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an Absatz und Marktresonanz.
Erste Zahlen deuten laut der Wirtschaftszeitung auf einen gelungenen Start in Europa hin. Bis Ende Februar wurden demnach knapp 25.500 Fahrzeuge zugelassen. Seit dem Marktstart im Herbst 2025 liegt der monatliche Durchschnitt bei rund 4000 Zulassungen. Besonders stark ist die Nachfrage in Deutschland, gefolgt von Großbritannien und Belgien. Branchenexperten bewerten die Entwicklung angesichts eines schwierigen Marktumfelds positiv.
Auch im Unternehmen selbst zeigt man sich optimistisch. Laut Vertriebsvorstand Mathias Geisen übertrifft der vollelektrische CLA die Erwartungen deutlich, die Auftragsbücher reichen „weit in die zweite Jahreshälfte 2026“. Die Produktion im Werk Rastatt laufe bereits im Dreischichtbetrieb, um die hohe Nachfrage zu bedienen.
Der CLA spielt jedoch nicht nur als Volumenmodell eine Rolle, sondern auch technologisch. Er ist das erste Fahrzeug auf der vorrangig für Elektroautos konzipierten Mercedes Modular Architecture (MMA) und auch das erste, bei dem die Softwarearchitektur MB.OS im Zentrum der Entwicklung stand. Letztere Plattform ermöglicht unter anderem integrierte Navigation über Google Maps sowie die Einbindung automatisierter und autonomer Fahrfunktionen. Gleichzeitig hat Mercedes mit dem neuen CLA einen Designwechsel vollzogen und kehrt zu einer einheitlichen Formensprache für Elektro- und Verbrennermodelle zurück.
Neuer CLA in China hinter den Erwartungen
Trotz der Erfolge in Europa bleibt China ein Problemfeld. Dort liegen die Verkaufszahlen deutlich unter den Erwartungen. Zwischen Oktober und Januar wurden lediglich rund 1600 Fahrzeuge zugelassen, zuletzt mit rückläufiger Tendenz. Neben einem schwächelnden Gesamtmarkt sieht Experte Bratzel strukturelle Gründe: Starker Wettbewerb durch lokale Hersteller und eine geringere Nachfrage nach kleineren Limousinen erschweren den Absatz.
Für die Zukunft in China setzt Mercedes daher stärker auf andere Modelle wie die kommende elektrische E-Klasse und die bereits als Elektroauto gestartete neue Generation des SUV GLC. Diese Angebote sind laut CEO Källenius „richtig wichtig“. Der neue Batterie-GLC stößt dem Unternehmen zufolge bereits vor dem breiten Marktstart auf hohe Nachfrage, obwohl er bislang kaum im Straßenbild präsent ist.
In den USA wird der CLA erst seit diesem Jahr ausgeliefert. Dort rechnet Mercedes eher mit Verkäufen der Hybridvariante, da die Nachfrage nach reinen Stromern in Amerika zuletzt schwach war. Beide Antriebsarten werden neben der Limousine inzwischen auch im Kombiformat angeboten.
Unterstützt wird die Modelloffensive durch eine angepasste Preispolitik. Nach Jahren mit Fokus auf steigende Preise setzt Mercedes laut dem Handelsblatt nun verstärkt auf Rabatte und attraktive Leasingangebote, um Absatz und Umsatz zu stabilisieren. Parallel greift der Premiumhersteller aus Stuttgart auch zu Maßnahmen wie Verkäufen an Mietwagenanbieter, um Stückzahlen zu erhöhen.
Langfristig bleibt die Elektrifizierung das zentrale Ziel. Der Anteil von Elektroautos lag 2025 jedoch nur bei zehn Prozent. Bis zum Ende der Dekade sollen nun rund 40 Prozent der Neufahrzeuge über einen Elektro- oder Hybridantrieb verfügen, aktuell sind es knapp 19 Prozent. Eine Schlüsselrolle spielen dabei kommende elektrische Versionen der C- und E-Klasse sowie weitere neue Modelle im Portfolio.

MK meint
Ich glaube, für Mercedes sind nur folgende Dinge entscheidend:
– Die Auftragsbücher sind über Monate voll -> Man ist nicht gezwungen, die Fahrzeuge mit hohen Rabatten in den Markt zu drücken.
– Der alte CLA war im Ranking der „meistverkauften Mercedes-Modelle“ über seine komplette Produktionszeit immer so um Platz 8 unterwegs, der neue ist plötzlich auf Platz 2 geschnellt. Das zeigt innerhalb der Mercedes-Welt einen sehr guten Erfolg.
– Im Werk Rastatt läuft dafür eine Linie seit September, also mittlerweile über 6 Monate am Stück, dreischichtig. Nachtschichten in der PKW Montage hat es meines Wissens nach in deutschen Mercedes-Werken letztmals vor Corona gegeben. Auch das ist also ein enormer Erfolg, der Arbeitsplätze schafft und durch die hohe Auslastung die Wirtschaftlichkeit des Werkes verbessert.
Envision meint
Das Ding scheint in der Praxis echt gut zu funktionieren und der neue Drivetrain mit 2Gang erscheint er „neuen Klasse“ durchaus ebenbürtig, gerade auch auf Autobahn.
Wenn nicht die Optik des CLA wäre mit dem „unhappy face“ und er Lichtleiste zwischen Haube und Grill komme ich irgendwie nicht klar.
Warte aber gespannt auf den neuen GLA, wenn der um 650km+ WLTP schafft werde ich mr den mal als Angebot rechnen lassen, praktischer ist der sowieso.
CaptainPicard meint
Wie oft wurde das Model 3 als direkter Konkurrent im selben Zeitraum in Europa verkauft?
M. meint
Keine Ahnung. Who cares?
Ich weiß auch nicht, ob das direkte Konkurrenten sind, siehe „Masse“ vs. „Premium“.
Ja, ich kenne die Aussagen auch, dass „Premium“ nur PR wäre.
Das ist trotzdem nicht die allgemeine Wahrnehmung, sondern die von bestimmten Kommentatoren mit bestimmten Zielen.
ChriBri meint
wir bewegen uns dort auch tatsächlich in ganz unterschiedlichen Preisranges: die meisten CLAs werden die (noch) 250+/350er sein, bei den M3 sind es auch die „Standard“ Fahrzeuge, die zum 250+ fast 20T EUR auseinanderliegen… kein Wunder, dass damit mehr Käufer angesprochen werden… was auch gut ist, je mehr „E“, desto besser
M. meint
Ja klar.
Ich meine, wem das TM3 reicht und mit der (unvermeidlichen) politischen Aussage klarkommt, der gibt keine 20k mehr als. Wenn er das überhaupt könnte.
Mike meint
Aber wer gibt schon 20k mehr aus, wenn er nicht mal einen stehenden Stern auf der Motorhaube mehr hat? Nachdem, was ich so in Foren gelesen habe, scheint Mercedes beim Kundensupport mittlerweile auch nicht mehr besser als Standard zu sein. Wieviel Garantie trauen sie sich bei ihren aktuellen Fahrzeugen anzubieten?
M. meint
Für die 20k bekommt man keinen stehenden Stern mehr (Skandal), und auch ansonsten ist das 1:1 ein TM3 SR?
Ja, dann wird’s echt eng.
Mäx meint
Teslamotorsclub meldet ca. 7k Model 3 für Jan und Februar 2026.
Stärkster Monat ist normalerweise aber erst der März, da die Fahrzeuge ja aus China kommen. Letztes Jahr waren das im März z.B. 12k bei ebenfalls 6k im Februar.
Q4 waren es 23,3k.
> Grob also weniger CLA als Model 3 würde ich sagen.
Besser-BEV-Wisser meint
Der CLA ist ein Nischenauto
Model 3 soll die Masse bedienen.
Für Mercedes ist vor allem der GLC entscheiden (und später die e-C-Klasse), wenn die sich nicht gut verkaufen brennt Olas Hütte inklusive seinem Stuhl.
Aber zumindest der GLC kommt ja durchaus gut an, sogar beim Bloch (einem BMW Fan).
Mäx meint
Ich hab nur Zahlen geliefert, bewerten darf wer anders ;)
EQ-Fahrer meint
Also seit der Markteinführung im August 2025 wurden in Deutschland 9.125 CLA zugelassen. Im selben Zeitraum wurden 4.953 Model 3 neu zugelassen.
Jennss meint
Ich sehe den CLA nicht als Nischenauto. Sonst hätte man nicht noch einen Shootingbrake dazu gebracht.
MK meint
@CaptainPicard:
Der Mercedes ist teurer, bietet dafür aber (je nach Variante) viel mehr Reichweite. MErcedes setzt mehr auf Fahrkomfort auch bei hohen Geschwindigkeiten, Tesla eher auf Software-basierte Gimmicks. Als direkte Konkurrenten sehe ich die beiden Fahrzeuge also nicht.
Unabhängig davon meldet Mercedes ja auch hier wieder, dass der Auftragsbestand über Monate reiche und die Linie schon im 3-Schicht-Betrieb, also 24 h täglich, produziere. Verkaufen könnte man also mehr, produzieren aber eben nicht.
David meint
Das Auto muss in erster Linie in Europa funktionieren. Der Markt ist groß genug, und Mercedes weiß, dass die Welt indessen immer mehr in geschlossene Märkte zerfällt.
BeatthePete meint
Wäre aber eine fatale Entwicklung da das auf schlechtere Qualität zum höheren Preis hinausläuft.