Die globale Marktpositionierung von Automobilherstellern entwickelt sich im Zeitalter hoher Volatilität zu einem zunehmend erfolgskritischen Faktor und besitzt ein hohes Verwundbarkeitsrisiko. Das geht aus dem Bericht „Marktpositionierung globaler Automobilhersteller“ des Center of Automotive Management (CAM) hervor. Darin vergleichen die Branchenexperten die Markt- und Wettbewerbsposition von 32 Automobilgruppen in sechs Automobilregionen (2025).
Im Rahmen der Analyse wurden globale Automobilgruppen in China, USA, Europa, Japan, Brasilien und Indien untersucht. Das globale Marktwachstum der analysierten Konzerne liegt demnach bei +2,6 Prozent, wobei die Schere zwischen Gewinnern und Verlierern deutlich aufgeht:
Unter den Wachstumstreibern stechen chinesische Autohersteller hervor: Xpeng (+126 %), NIO (+47 %), Geely (+23 %) und SAIC (+22 %) verzeichnen die höchsten Wachstumsraten, aber auch der Stromer-Riese BYD legt um 6,5 Prozent auf 4,55 Millionen abgesetzte Pkw zu. Zwischen 2019 und 2025 hat sich etwa der Weltmarktanteil von BYD von 0,5 Prozent auf 5,3 Prozent vervielfacht, während die Geely Gruppe von 2,5 Prozent auf einen globalen Marktanteil von 4,8 Prozent zulegen konnte. Mittlerweile belegen diese chinesischen Autobauer im Weltmarkt Position 6 beziehungsweise 8 und erhöhen kontinuierlich ihre internationalen Verkäufe, um die Abhängigkeit vom wettbewerbsintensiven Heimatmarkt weiter zu reduzieren.
Dagegen müssen viele etablierte Hersteller wie Mercedes-Benz (-9,2 %), Honda (-7,6 %), Nissan (-4,4 %), Ford (-1,7 %) und Stellantis (-1,2 %) bereits seit Jahren Rückgänge auf dem Weltmarkt verkraften. Fords Weltmarktanteil sank von 6,5 Prozent im Jahr 2019 auf 5,1 Prozent im Jahr 2025. Im gleichen Zeitraum sanken die Weltmarktanteile bei Honda von 6,5 Prozent auf 4,1 Prozent, bei Nissan von 6,3 Prozent auf 3,7 Prozent bzw. bei Stellantis von 9,0 Prozent (2020) auf nur noch 6,4 Prozent. Auch bei Mercedes und Audi sind im Zeitverlauf deutliche Rückgänge des globalen Marktanteils erkennbar. Besonders betroffen ist neuerdings auch der US-Elektroautobauer Tesla (2025: -8,6 %), dessen Weltmarktanteil vom Höchststand im Jahr 2023 von 2,2 auf nunmehr 1,9 Prozent im Jahr 2025 gesunken ist.
Toyota und Volkswagen können ihre Weltmarktanteile im Vergleich zum Vorjahr leicht erhöhen. Toyota behauptet sich als absatzstärkster Automobilkonzern mit 11,2 Millionen Fahrzeugen (+4,8 %) und einem globalen Marktanteil von 13,0 Prozent. Im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 (12,8 %) konnten die Japaner damit ihren Weltmarktanteil sogar leicht erhöhen. Volkswagen hat mit 8,98 Millionen Einheiten (+3,3 %) und einem Marktanteil von 10,4 Prozent seinen globalen Absatzanteil seit 2019 (12,9 %) erstmals wieder gestoppt.
E-Mobilität treibt Neuordnung der Automobilwelt
Die globale Neuordnung der Automobilwelt erklärt sich laut den Studienautoren vor allem mit der Marktpositionierung vieler Hersteller auf wenige Kernregionen, insbesondere China, sowie dem Wachstum neuer chinesischer Wettbewerber im Zuge der Elektromobilität. Hatten etwa die deutschen Automobilhersteller im Jahr 2019 im weltweit größten Automobilmarkt China noch einen Marktanteil von 25 Prozent, so sank dieser bis zum Jahr 2025 auf 15,4 Prozent. Im gleichen Zeitraum reduzierte sich auch der Marktanteil japanischer Hersteller in China von 21,9 Prozent auf 12,2 Prozent sowie des koreanischen Hyundai-Konzerns (inkl. Kia) von 4,8 Prozent auf nur noch 0,9 Prozent. Demgegenüber stieg im Zuge des Hochlaufs der Elektromobilität der Anteil der chinesischen Hersteller im Heimatmarkt von 37,8 Prozent (2019) auf 65,3 Prozent im Jahr 2025 an.
„Die Verwundbarkeit der Automobilhersteller durch Marktveränderungen in China ist jedoch in hohem Maße eine Folge der spezifischen Marktpositionierung“, erklären die Analysten. So zeigen sich im Herstellervergleich erhebliche Unterschiede bei der jeweiligen Marktstärke beziehungsweise Hersteller-Marktrelevanz.
Volkswagen ist besonders von der Marktdynamik in China betroffen, da dort im Jahr 2019 noch mit 4,2 Millionen Pkw rund 40 Prozent der globalen Absätze des VW-Konzerns getätigt wurden. Mittlerweile ist die Hersteller-Marktrelevanz in China auf 28,9 Prozent und 2,59 Millionen Pkw-Verkäufe gesunken – mit zwischenzeitlich erheblichen Folgen für die Gewinne.
Die japanischen Hersteller Nissan und Honda sind ebenfalls stark verwundbar durch eine hohe chinesische Marktrelevanz, die im Jahr 2019 noch bei 30 beziehungsweise 29 Prozent lag und aufgrund der Absatzeinbrüche jetzt bei nur noch 20,4 beziehungsweise 18,4 Prozent liegt. Demgegenüber war Toyota von der chinesischen Marktdynamik sehr viel weniger betroffen, da die Hersteller-Marktrelevanz im Jahr 2019 nur bei moderaten 15 Prozent lag und im Vergleich zu 2025 nur leicht auf 14,1 Prozent sank.
Der südkoreanische Hyundai-Konzern realisierte im Jahr 2019 rund 14 Prozent seiner Gesamtverkäufe in China und hatte entsprechend ebenfalls eine moderate Marktrelevanz. Im Unterschied zu Toyota brachen die Absätze in China stark ein, wodurch sich die Marktrelevanz auf nur noch 2,8 Prozent im Jahr 2025 dezimierte. Im gleichen Zeitraum erhöhte Hyundai jedoch im US-Markt seine Verkäufe und steigerte die Marktrelevanz im gleichen Zeitraum von 18 auf 25 Prozent.
Relevanz der Heimatmärkte steigt für einige Hersteller wieder
Bei vielen etablierten Herstellern hat sich die Marktrelevanz des Heimatmarktes in den letzten Jahren wieder verstärkt. Insbesondere die US-Hersteller General Motors und Ford fokussieren sich mit einer US-Marktrelevanz von 58,9 beziehungsweise 50,2 Prozent sehr stark auf den einheimischen Markt. Eine ähnlich starke Dominanz hat auch Renault in Europa (58 %). Subaru und Honda haben mit über 69 beziehungsweise über 40 Prozent eine hohe Marktrelevanz in den USA und damit eine hohe Abhängigkeit vom US-Markt. Suzuki profitiert derzeit im Wachstumsmarkt Indien von seiner hohen dortigen Marktrelevanz von 54,1 Prozent, wodurch jedoch auch entsprechende Abhängigkeiten bestehen. Bei den deutschen Automobilherstellern macht die Heimatregion Europa derzeit knapp 40 Prozent an den Gesamtverkäufen aus.
Unter den globalen Herstellern weist insbesondere Toyota eine recht ausgeglichene Marktpositionierung auf. Lediglich in den USA ist Toyota mit 22,5 Prozent Marktrelevanz besonders stark engagiert, während Japan 15,2 Prozent, China 14,1 Prozent beziehungsweise Europa 8,3 Prozent an den Gesamtverkäufen ausmachen. Der Rest verteilt sich auf andere Marktregionen. Auch Hyundai besitzt eine recht ausbalancierte globale Marktposition und ist – nach den Rückgängen in China – neben dem Heimatmarkt Korea vor allem in den USA, Europa, Brasilien und Indien gut positioniert.
„Insgesamt zeigt sich, dass in Zeiten hoher Volatilität Automobilhersteller mit einer ausbalancierten globalen Marktpositionierung mittel- und langfristig resilienter und damit auch erfolgreicher sind“, so Studienleiter Stefan Bratzel. „Insbesondere in Krisen zeigen sich die Folgen einer unausgeglichenen Marktpositionierung. Durch eine starke Präsenz in einem wichtigen Automobilmarkt können Hersteller bei hoher Wachstumsdynamik zwar überdurchschnittlich profitieren und schnell Weltmarktanteile hinzugewinnen bzw. kurzfristig Schwächen in anderen Marktregionen verdecken. Allerdings gehen globale Hersteller dabei auch hohe Risiken ein, wenn der dominante Absatzmarkt in Turbulenzen gerät. Langfristig erfolgreich werden solche Hersteller sein, die eine ausgeglichene Marktstruktur aufweisen und schnell auf Veränderungen reagieren können.“
Automobilmärkte im direkten Jahresvergleich
Abseits der Entwicklungen einzelner Autohersteller offenbart die neue Marktpositionierungsmatrix des CAM die Entwicklungstendenzen auf den wichtigsten Automobilmärkten im direkten Jahresvergleich:
Obwohl China mit einem Volumen von 23,7 Millionen (+3,7 %) Einheiten weiterhin auf Wachstumskurs ist, offenbart der Markt eine zunehmend komplexe Wettbewerbsdynamik. Etablierte Platzhirsche wie die VW Group (-7,7 %) und BYD (-6,3 %) verlieren spürbar Marktanteile an technologiegetriebene Newcomer wie Xiaopeng (+125,9 %), NIO (+46,9 %) und Xiaomi, die gezielt die digitalaffine chinesische Käuferschicht adressieren. Ein historischer Einschnitt gelingt Geely: Mit 2,6 Millionen Einheiten (+46,9 %) überholt der Konzern erstmals die VW Group im Heimatmarkt. Gleichzeitig setzen die großen staatlichen Konzerne SAIC (+13,9 %), FAW (+14,1 %) und Great Wall (+6,5 %) zunächst ihren Wachstumskurs fort.
Insgesamt steht der chinesische Automobilmarkt dem CAM zufolge vor einer großen Konsolidierungswelle. Aufgrund hoher Überkapazitäten und einem enormen Preiskampf versuchen viele Hersteller, die hohe Abhängigkeit vom Heimatmarkt durch eine zunehmende Internationalisierung zu reduzieren.
Die übrigen Kernregionen USA (+2,3 %), Europa (+2,4 %), Japan (+3,3 %) und Brasilien (+2,6 %) erholten sich zwar allesamt spürbar, bleiben jedoch weiterhin hinter ihrem vollen Wachstumspotenzial zurück – nicht zuletzt infolge des tiefgreifenden technologischen Wandels durch die Elektrifizierung des Antriebsstrangs, der Hersteller wie Konsumenten gleichermaßen vor erhebliche Investitions- und Kaufentscheidungen stellt und eine zügige Markterholung strukturell bremst.
Die einzige Ausnahme bildet Indien. Wurden 2019 noch rund 3,0 Millionen Pkw neu zugelassen, so liegt das Verkaufsvolumen im Jahr 2025 bereits bei 4,49 Millionen Einheiten (+5,0 %) – ein Weltmarktanteil von 5,2 Prozent. Maßgeblicher Wachstumstreiber ist das rasant steigende Einkommensniveau der indischen Mittelschicht, die zunehmend in der Lage ist, erstmals ein eigenes Fahrzeug zu erwerben und damit eine völlig neue Käuferschicht für den Automobilmarkt erschließt. Indien positioniert sich damit sowohl für Volumen- als auch Premiumhersteller als einer der strategisch relevantesten Wachstumsmärkte weltweit und gewinnt zugleich als attraktiver Fertigungs- und Verkaufsstandort weiter an Bedeutung.

David meint
Oder anders gesagt, den Top 3 in der Welt geht es gut: Toyota, VW und Hyundai. Das ist ja eigentlich nicht das Narrativ, was man hier immer liest. Aber seit dieses Institut nur noch vorhandene Marktzahlen auswertet, anstatt eigene Ideen zu haben, sind die Fakten die Fakten.
Der Unterschied ist nur, VW und Hyundai sind auch für die Zukunft gut aufgestellt und Toyota ist ungefähr in der Position, wo die Stellantis 2023 war. Da gab es noch sehr gute Gewinne. Aber der Himmel verdüsterte sich langsam.
Vor allen Dingen kam man nicht umhin, Tesla als großen Verlierer zu nennen. Wenn man dazu das Estimate für Q1 von 365 k nimmt und sich das für das gesamte Jahr 2026 ansieht, stellt man fest, da ist schon jetzt jegliche Fantasie raus. Bullen hoffen auf eine winzige Steigerung zum Vorjahr mit seinen 1.6 Mio. . Aber da geht es nur um Symbolik – 1.7 oder mehr hat niemand als Estimate gewagt.