Eine Auswertung des Energieversorgers Tibber zeigt: Haushalte mit Elektroauto, intelligentem Stromzähler („Smart Meter“) und dynamischem Stromtarif haben im März 2026 nur rund 3 Prozent mehr für Strom gezahlt als im Februar. Das Viertel der Haushalte, das sein Verhalten durch intelligentes Laden am stärksten an die geänderten Energiepreise angepasst hat, zahlte im Schnitt knapp 7 Prozent weniger pro Kilowattstunde (kWh) als noch im Februar. Demgegenüber steht ein Preisanstieg für Strom-Neuverträge von rund 15 Prozent im gleichen Zeitraum.
„Das bedeutet, dass die Kund:innen nicht unter der gestiegenen Volatilität leiden, sondern diese im Gegenteil für sich nutzen konnten, um sich vor den steigenden Preisen durch geopolitische Krisen, wie den Krieg in Nahost, zu schützen“, erklärt Tibber. „Während neu abgeschlossene Fixtarife dauerhaft teurer sind, bezahlen Kund:innen mit dynamischem Tarif nur den tatsächlichen Strompreis. Die Preisspitzen des Tages vermeiden sie durch Smart Charging, das automatisierte Verschieben des Ladevorgangs in die günstigsten Stunde, wie die Tibber-Analyse zeigt. So hat Smart Charging die Lade-Aktivität der Tibber-Kund:innen zwischen 4 und 6 Uhr morgens erhöht, gleichzeitig wurde im Vergleich zum Februar weniger in den Abendstunden geladen. So konnten hohe Preise umgangen werden.“
Die Zahlen aus Deutschland seien zweischneidig, sagt Edgeir Aksnes, CEO und Mitgründer von Tibber. Die gute Nachricht sei: „Die neue Energiewelt aus dynamischen Stromtarifen und flexiblem Verbrauch beweist ihre Resilienz gegen Energiekrisen. Einfach, indem sie ihre E-Autos automatisiert zu günstigeren Zeiten laden lassen, konnten unsere Kund:innen steigende Energiepreise vermeiden.“
Die schlechte Nachricht: Die steigenden Strompreise in Deutschland seien größtenteils dem steigenden Gaspreis geschuldet. Die aktuelle Krise zeige erneut: „Gas für die Stromversorgung ist nicht die Lösung“, so Aksnes. Die Kombination aus erneuerbaren Energien und flexiblem Verbrauch sei deutlich günstiger und krisenbeständiger. Aus einer skandinavischen Perspektive und mit der Erfahrung von Tibber in flexiblem Verbrauch und dynamischen Tarifen sei schwer nachvollziehbar, warum Deutschland noch immer so stark auf fossile Energieträger setzt.
Voraussetzung dafür, dynamische Tarife nutzen zu können, ist ein Smart Meter – ein sogenanntes intelligentes Messsystem. Die smarten Zähler sind laut Tibber aktuell nur in 5,5 Prozent aller deutschen Haushalte und nur 23,3 Prozent der Haushalte mit steuerbarer Verbrauchseinrichtung wie einem E-Auto, einem Heimspeicher oder einer Wärmepumpe installiert.
„In Skandinavien haben alle Haushalte heute bereits einen Smart Meter; in Norwegen nutzen 93 Prozent aller Haushalte einen volldynamischen Tarif. Auf diese Weise können fast alle Haushalte ihren Verbrauch in die grüneren und günstigeren Stunden des Tages verschieben. Es wird Zeit, dass die deutsche Regierung den Smart-Meter-Rollout entschlossen beschleunigt und zur Priorität macht“, sagt Tibber-CEO Aksnes.

Paule meint
Ich verstehe den Sinn von diesem Gezocke nicht. Zumal ich lese, man kann viel falsch machen. Sorry, wer möchte sich ohne Not wegen erhofften paar Euro stundenlang mit dem Anpassen seines Energiekonsums beschäftigen und sich in Folge einschränken?
Wir bekommen Strom in D für 23 und in ES für 9-10 Cent brutto. Hier liegt Einsparpotenzial. Nicht umsonst verlagern auch andere große deutsche Industrien ihre Produktionen nach Süden und Osten.
MK meint
@Paule:
Ich glaube, das hat wenig mit den Strompreisen zu tun…zu Mal zwar immer groß berichtet wird, wenn ein deutsches Unternehmen eine Produktion ins Ausland verlegt, aber kaum, wenn ein großes ausländisches Unternehmen in Deutschland investiert. Ist Ihnen bewusst, dass Deutschland bei der Ansiedlung von stromintensiven Rechenzentren der großen US-Konzerne AWS (Amazon), Google, Meta und Microsoft in Europa absolut führend ist? Letztes Jahr hat der Pharmakonzern den in Lyon geplanten Neubau seines Insulinwerks abgeblasen. Stattdessen wird jetzt seit gut einem Jahr in Frankfurt im Industriepark Höchst gebaut (alleine bei dem Projekt geht es um Milliarden an Invest und rund 9.000 Arbeitsplätze).
Was Sie angeben, sind ja außerdem Privatkundenpreise. Schauen Sie sich mal die Statistiken im Industriestrombereich an: Da ist Deutschland zwar noch vor 5 Jahren teuerstes Land in der EU gewesen, mittlerweile aber ins Mittelfeld „abgerutscht“ (2024 zumindest waren wir auf Platz 15)
Steffen meint
Für Leute mit PV, Wärmepumpe und Heimspeicher wie mich ist Tibber mit dynamischen Tarifen nichts. Das habe ich jetzt schon von vielen gelesen, die versucht haben solch einen Tarif wirklich mit Verschieben von Last auszureizen. Von April bis Oktober brauche ich keinen Strom wegen PV und Heimspeicher (ohne BEV sogar März bis Oktober), und im November bis Februar kaufe ich fast nur Strom, dann aber wegen Wärmepumpe den ganzen Tag über und mein Haus mit Teichpumpen zieht auch permanent ordentlich. Da nehme ich dann ständig die massiven Preisspitzen voll mit. Okay, der Hausspeicher könnte noch etwas ausgleichen, wenn rechtzeitig geladen.
Allein das BEV kann ich wirklich steuern. Aber wie auch bei vielen anderen würde das allein nicht reichen um einen 25-Cent-Standardtarif auszugleichen (den ich auch aktuell noch bekommen würde). Wenn ich nächstes Jahr ein Smart Meter bekomme, dann wird allerdings ein Drei-Stufentarif wie Octopus Heat sehr interessant: Zumindest vor wenigen Wochen noch könnte ich das BEV nachts/frühmorgens mit 18 Cent laden, Durchschnittsphase 25 Cent und einmal abends 30 Cent Spitze. Das ist kalkulierbar, zumal das BEV dann immer zu 18 Cent lädt und mein Heimspeicher dann eben auch in der Phase zu 18 oder 25 Cent Strom aus dem Netz zieht um die Hochphase von wenigen Stunden auch mit Wärmepumpe zu überstehen. Davon erhoffe ich mir tatsächlich Vorteile gegenüber einem 25-Cent-Dauertarif, zumal kein Risiko besteht (außer ein bedingtes Risiko, falls PV und Heimspeicher kaputt gehen – aber dann gibt es immer noch den Deckel, der bei dynamischen Tarifen nicht existiert).
FrankyAC meint
Sagt Tibber, klar. Ein Kollege ist da jetzt wieder von weg, weil er trotz 20 KW PV und 8KW Akku im Schnitt deutlich mehr zahlt, als mit einem aktuellen Tarif für unter 30C. WP und 2 E-Autos brauchen nun mal viel Saft.
M. meint
Man könnte auch sagen, dass in dieser Kombi der Batteriespeicher deutlich zu klein ist, falls man die Autos flexibel dafür nutzen kann.
M. meint
Fehler: „…falls man NICHT die Autos dafür nutzen kann“
Lanzu meint
Die PV ist jetzt auch nicht der beste Partner für einen dynamischen Stromtarif. Wenn die PV liefert, liefern auch PV-Anlagen ins Netz.
Johnny meint
Ich bin Tibber-Kunde mit dynamischem Tarif und kann den Artikel bestätigen.
Zu deinem Kollegen: Na klar ist das nichts für ihn. Wenn die Sonne scheint und die Preise drückt, produziert er selber und zieht nichts aus dem Netz. Er braucht Netzstrom vor allem in den teuren Stunden. Da lohnt sich ein Tarif mit Durchschnittspreis eindeutig mehr.
FrankyAC meint
Ja, auf den Trichter kam er dann auch. ;)
MK meint
@Franky AC:
Sebst Tibber selber weist ja hier drauf hin, dass der Strompreis im März für den Durchschnitts-Tibber-Kunden im März gestiegen sei, aber für Kunden, die wirklich drauf achten, weiter gesunken.
Ein dynamischer Stromtarif bringt einem halt nur dann was, wenn man auch sein eigenes Verhalten ändert. Wenn man weiter macht wie bisher, wird das für die meisten Leute eher eine teure Angelegenheit: Naturgemäß braucht man nun Mal mehr Strom zu den (teuren) Spitzenzeiten…deswegen ist es ja die Spitzenzeit.
PS: Wie M. schon sagt: Wenn eine Soaranlage mal wirklich Peakleistung bringt (was sie zugegebenermaßen selten tut), wäre der Speicher von Ihrem Kollegen von ganz leer auf ganz voll binnen 24 Minuten, wo ein halbes Jahr lang 600 Minuten Sonneneinstrahlung pro Tag und mehr möglich sind. Wenn man dann den ganzen Tag einspeist und abends ausgerechnet zur Spitzenzeit wenn alle von der Arbeit heimkommen, selber auch heimkommt und sein eAuto anschließt, geht das finanziell gesehen nach hinten los. Entweder braucht man dann deutlich mehr Speicher im Haus oder muss das Auto/die Wallbox so einstellen, dass man vielleicht um 18 Uhr anschließt, das Auto aber erst ab 22 Uhr geladen wird (um die günstigen Zeiten des dynamischen Tarifs zu nutzen) bzw. am Wochenende/an Homeoffice-Tagen erst am nächsten Vormittag, wenn man Überschuss aus der eigenen PV-Anage hat.
Noka Hust meint
Dann macht er einiges falsch. Wenn man Smart Charging nutzt, dann kann man ordentlich sparen. Ich habe im März 900 kwh in mein Auto geladen für durchschnittlich 20 cent/kwh. Oft habe ich nur 15 Cent gezahlt. Die Preisspitze am Abend wird über den Speicher gedeckt, also hat man maximal kurz in der früh einen hohen Strompreis. Ich glaube nicht dass man solche Preise mit einem normalen Tarif schafft
MK meint
Es ist jetzt ja keine neue Erkenntnis, dass „Fixtarife“ einen Risikofaktor beinhalten, der die Vermutung über steigende oder fallende Strompreise einpreist. Was Tibber als Anbieter flexibler Strompreise nämlich natürlich nicht sagt: Wer seinen Fixtarif vor dem 28.02. abgeschossen hat, zahlt diesen Aufschlag eben nicht und hat auch nicht wie bei Tibber im März 3% mehr gezahlt.
Von daher: Meiner Meinung nach sollten flexible Stromtarife zum Standard werden. Es macht einfach überhaupt keinen Sinn, wenn ein eAuto, dass zu Hause nach einem Arbeitstag 5 Stunden lädt und 14 Stunden bis zum nächsten Tag an der Wallbox steht, den Strom ausgerechnet zur Spitzenzeit zwischen 18 und 19 Uhr nach Feierabend aus dem Netz zieht, um dann nachts, wenn es einen Stromüberschuss gibt und an der Strombörse teils sogar für die Abnahme von Strom gezahlt wird, schon voll zu sein. Und langfristig wird der Strom natürlich für alle billiger, wenn das Netz nicht für noch größere Spitzen ausgebaut werden muss, sondern im Gegenteil endlich mal 24/7 mit vernünftiger Auslastung genutzt wird.
Das ändert aber nichts daran, dass die Argumentation von Tibber hier nicht schlüssig ist und natürlich einzig der Vermarktung des eigenen Angebots dient.