Zhu Jiangming treibt die internationale Expansion von Leapmotor voran. Im Gespräch mit Press-Inform thematisiert der Gründer und CEO Wachstumsziele, die Zusammenarbeit mit dem europäischen Autokonzern Stellantis und die Frage, welche Hersteller in den kommenden Jahrzehnten bestehen werden.
Der weltweite Absatz von Leapmotor legte im vergangenen Jahr um 103 Prozent zu und verdoppelte sich damit nahezu. Für dieses Jahr hat das Unternehmen das Ziel ausgegeben, eine Million Fahrzeuge auszuliefern. Der Jahresauftakt blieb jedoch verhalten: Im ersten Quartal wurden nach Angaben von Zhu Jiangming 110.000 Einheiten zugelassen.
Den größten Beitrag zum Volumen soll weiterhin der chinesische Inlandsmarkt leisten. Für Europa plant das Unternehmen ein Wachstum von 15 Prozent. Ein zentrales Element der Internationalisierungsstrategie ist dabei die Zusammenarbeit mit Stellantis. Leapmotor nutzt die Produktionsinfrastruktur des europäischen Autokonzerns, darunter ein Werk im spanischen Saragossa. Dort soll die Fertigung vollständig lokal erfolgen, um die europäischen Zollauflagen zu erfüllen, die einen lokalen Wertschöpfungsanteil von mindestens 70 Prozent verlangen. Als erstes Modell soll noch vor Ende des Jahres das SUV B10 vom Band laufen.
Zhu Jiangming bezeichnet die Produktion in China weiterhin als attraktiv, weil Leapmotor dort 65 Prozent der Wertschöpfungskette selbst kontrolliere. Diese Quote hat nach seinen Angaben erheblichen Einfluss auf die Kostenstruktur. Zugleich geht die Partnerschaft mit Stellantis über Produktion und Logistik hinaus.
Der CEO schließt nicht aus, dass Plattformen oder Batterietechnologie von Leapmotor künftig in Fahrzeugen von Stellantis-Marken wie Opel oder Fiat eingesetzt werden. Konkrete Entscheidungen gibt es dazu bislang nicht, die Möglichkeit wird aber geprüft. Auch gemeinsame Produktionsstandorte außerhalb Europas, etwa in Malaysia oder Südamerika, hält der Leapmotor-Chef für denkbar, sofern sie wirtschaftlich sinnvoll sind.
Für den Markterfolg verweist Zhu Jiangming auf eine sorgfältige Analyse der Zielmärkte sowie auf die Unterstützung von Stellantis bei Marketing, Vertrieb und Finanzierung. Das Preisargument chinesischer Anbieter werde mit wachsender Bekanntheit der Technologie an Bedeutung verlieren. Mit Blick auf Fahrerassistenz und autonomes Fahren sieht er die Hersteller der Volksrepublik bereits in einer starken Position – etwa ein Drittel der chinesischen Verbraucher nutze solche Funktionen im Alltag. Langfristig werde autonomes Fahren zur Standardausstattung.
Für die globale Branche nennt Zhu Jiangming eine Mindestgröße von 3,5 Millionen Fahrzeugen pro Jahr, besser noch vier Millionen, um zur Weltspitze zu zählen. Von derzeit rund 17 großen Produktionskonzernen in China werde nur eine Handvoll übrigbleiben. Die Prognose von Zhu Jiangming lautet: In Zukunft werden 50 bis 80 Prozent aller weltweit produzierten und verkauften Autos aus chinesischer Fertigung stammen.

Ihre Meinung