Lotus kehrt zu Verbrennungsmotoren zurück. Die britische Marke plant für das Jahr 2028 einen neuen V8-Hybrid-Supersportwagen sowie eine V6-Hybridversion als Nachfolger des letzten reinen Verbrenner-Modells Emira. Damit wird die ursprüngliche Strategie revidiert, die nach der Übernahme durch den chinesischen Fahrzeugkonzern Geely eine exklusiv elektrische Modellpalette vorsah.
Das Ziel, den jährlichen Absatz von wenigen Tausend auf 150.000 Fahrzeuge bis 2028 zu steigern, wurde zugunsten einer angepassten Strategie aufgegeben. Lotus strebt demnach nun einen Absatz von 30.000 Fahrzeugen bis zum Jahr 2030 an, wobei ein Drittel dieser Menge auf Sportwagen entfallen soll.
Feng Qingfeng, der Lotus seit acht Jahren leitet, erklärte in einem Interview mit dem Branchenportal die Kursänderung mit den Entwicklungen im Luxusautosegment. Die bisherige Marktdurchdringung von E-Autos entspricht nicht den Erwartungen. Nicht nur die Kunden von Lotus bevorzugen weiterhin Verbrennungsmotoren.
Laut Qingfeng suchen Käufer von besonders sportlichen Autos das Fahrerlebnis und den Nervenkitzel eines leistungsstarken Motors. „Diejenigen, die Performance-Autos kaufen, treffen diese Entscheidung auf der Suche nach Fahrspaß, nach Unterhaltung“, so der Manager. Ein sanfter Antrieb sei zwar für Pendler gut, er selbst aber habe erst durch das Fahren von Rennwagen den Reiz großer Motoren verstanden.
Geely liefert Verbrenner-Technik für Hybride
Für den neuen V8-Hybrid-Supersportwagen wird Lotus mit Unterstützung von Geely auf einen Motor aus dem Konzernverbund zugreifen können. Die Entwicklung erfolgt in Zusammenarbeit mit Horse Powertrain, einem Joint Venture von Geely und Renault. Das Ziel ist es, das Volumen und Gewicht des Motors zu optimieren. Die Produktion soll global in China, der EU und möglicherweise weiteren Regionen erfolgen.
Der V8-Motor soll auch in anderen Modellen des Geely-Portfolios zum Einsatz kommen, um Skaleneffekte zu nutzen. Bei Lotus wird er jedoch exklusiv für Sportwagen verwendet. Bei Lifestyle-Modellen wie dem SUV Eletre soll der Elektromotor die Hauptarbeit leisten, während ein Vierzylinder-Verbrenner nur unterstützend wirkt.
Auch Emira wird Hybrid
Bezüglich des bisher nur mit Verbrenner fahrenden Sportwagen Emira ist statt einer Zukunft als Vollstromer nun eine V6-Hybridversion von Horse geplant. Ein Vierzylinder wird nicht umgesetzt, da Kunden Feng Qingfeng zufolge den V6 bevorzugen. Die Entwicklung eines kleineren SUV namens Type 134 hat dem Bericht zufolge derzeit keine Priorität gegenüber dem Supersportwagen und der nächsten Emira-Generation.
Eine mögliche Namensgebung für den neuen Supersportler könnte eine Verbindung zum historischen Esprit darstellen. Technisch könnte das Konzept Theory One mit Fahrer in der Mitte als Basis dienen. Lotus verfolgt zudem die Strategie, Sportwagen anzubieten, die preislich unter dem Niveau von Ferrari liegen sollen.
Bei den Lifestyle-Fahrzeugen wird ein Anteil von 60 Prozent mit Plug-in-Hybriden und 40 Prozent mit E-Autos erwartet. Die zentralen Absatzmärkte sind China, die EU, Großbritannien, Asien-Pazifik und der Nahe Osten. In China und Europa sollen jeweils 40 Prozent des Absatzes erzielt werden.
Das rein elektrische Hypercar Evija wird laut Feng Qingfeng weiterhin produziert, wobei das Ziel von 130 Einheiten bestehen bleibt. Es würden jährlich acht bis zehn Fahrzeuge erwartet, das Auftragsbuch wachse.

banquo meint
Wenn ein Hersteller seine Strategie zurück zu Verbrennermodelle ändert wird dies zu einer wesentlichen Verringerung der absoluten Absatzzahlen führen.
eBikerin meint
Sieht Lotus wohl anders. Aber was wissen die schon, die gehören ja nur zu Geely.
Futureman meint
Der erste Hersteller hat erkannt, dass Verbrenner in Zukunft nur noch etwas für Nischen ist. Wenn es nicht läuft, verringert man einfach seine Ziele und schon passt es wieder.
eBikerin meint
Liest du auch mal die Artikel?
Lotus sollte ein reines eAuto Unternehmen werden – hat nicht geklappt.
Man hat also die Ziele für die eAutos reduziert – nicht die der Verbrenner.