Im April wurde laut einem Bericht des Handelsblatts auf dem chinesischen Automarkt bei den Neuzulassungen ein besonderer Meilenstein erreicht: Daten des japanischen Analyseunternehmens Marklines zufolge wurden in diesem Zeitraum erstmals mehr Elektroautos als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zugelassen. Die Zahlen belaufen sich auf etwa 580.000 Vollstromer gegenüber rund 560.000 Verbrennern. Zahlen für den Mai sind bisher nicht verfügbar.
Die Entwicklung ist Teil einer Mobilitätswende im weltweit größten Automarkt. Zwar waren zu Beginn des Jahres die Verkäufe von E-Autos aufgrund der Deckelung staatlicher Förderprogramme durch die Regierung noch geringer. Bei den Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor war der Rückgang bis April mit einem Einbruch von mehr als 40 Prozent aber deutlich ausgeprägter.
„Auch in China zeigen sich ähnlich wie in Deutschland die Auswirkungen des USA-Iran-Konflikts beim Autokauf“, sagte Beatrix Keim, Institutsleiterin beim Center Automotive Research (CAR) in Duisburg, dem Handelsblatt. „Die Preise stiegen insgesamt, weil China auf Importe von fossilen Energien aus dem Ausland angewiesen ist.“ China importiere sein Öl vor allem aus Russland und Saudi-Arabien. Das habe zu Preissteigerungen beim Tanken geführt und die Konsumenten hätten deshalb ihr Verhalten geändert.
Für deutsche Automobilhersteller bedeutet diese Entwicklung einen zunehmenden Druck im in China vorherrschenden Preis- und Verdrängungswettbewerb. BMW hat infolge negativer Entwicklungen am chinesischen Markt sowie des Krieges im Iran seine Jahresprognose für die Autosparte gesenkt. Neben den Bayern sind auch Volkswagen und Mercedes-Benz von der Situation betroffen, wobei vor allem letztere weiterhin viele Benzin- und Dieselautos in China verkaufen.
China verfolgt das Ziel, Elektroautos bis zum Jahr 2035 zur dominierenden Antriebsform zu machen. Das ist nicht nur klimapolitisch, sondern vor allem industriepolitisch motiviert: Die Volksrepublik will ihre Hersteller entlang der Wertschöpfungskette – von Batterien über Software bis zur Ladeinfrastruktur – international wettbewerbsfähig machen. Gleichzeitig verschärft genau diese Priorisierung den Druck im Binnenmarkt. Hohe Produktionskapazitäten, zahlreiche konkurrierende Marken und aggressive Rabatte haben einen Preis- und Verdrängungswettbewerb ausgelöst, der die Margen der Branche unter Druck setzt.

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